31.03.2009 von Gerhard Dilger
Was haben Lula und The Who gemeinsam?

Letzte Woche sagte der brasilianische Präsident beim Staatsbesuch von Britanniens Premier Gordon Brown:
Diese Krise wurde durch das irrationale Verhalten von Weißen mit blauen Augen verursacht und befördert. Vor der Krise schien es, als wüssten sie alles über Wirtschaft; jetzt haben sie gezeigt, dass sie gar nichts davon verstehen.
Mit kaum einer Äußerung hat Lula bisher soviel Aufsehen erregt wie mit dieser demagogisch angehauchten Tirade gegen die Banker des Nordens.
Wie sehr er ins Schwarze getroffen hat, zeigen manche Reaktionen in den Medien. In der rechtsliberalen Folha de São Paulo warf ihm Kolumnistin Eliane Cantanhêde vor, er gebärde sich “rassistisch” wie Hugo Chávez oder Evo Morales. Das Boulevardblatt New York Post beschimpfte ihn als Brazil nut.
Scharf- und hintersinnig hingegen argumentierte Maureen Dowd in der New York Times. In ihrer lesenswerten Kolumne wies sie darauf hin,… weiter lesen
30.03.2009 von Gerhard Dilger
Am Freitag sollte Zé Ramalho in Porto Alegre sein neues Album vorstellen.

Tatsächlich verbindet den 59-jährigen Kultbarden aus dem nordöstlichen Bundesstaat Paraíba schon lange einiges mit Mr. Zimmerman aus Minnesota – vor allem die kreative Überführung der jeweiligen “Volks”musiktraditionen in die Moderne.
Tá tudo mudando* enthält 12 brasilianische Versionen von Dylan-Kompositionen. Besonders empfehlenswert: Rock feelingood, eine pfiffige Übertragung von Tombstone blues.

Im Konzert ging Ramalho leider voll und ganz auf die Erwartungen der meisten Fans ein. Er geizte mit Dylansongs und spielte lieber seine eigenen Klassiker – und die auch noch in gediegenen, aber nur allzu bekannten Arrangements.
P. S. Zé Ramalho ist schon lange Dylanfan, wie diese Aufnahme aus den Siebzigerjahren zeigt:
*Tá tudo mudando heißt wörtlich “Alles ändert sich”. Der gleichnamige Titelsong ist allerdings nicht eine Version von The times they are a-changin’ (1963),… weiter lesen
25.03.2009 von Claudius Prößer
Wenn zwei sich streiten, leidet der Dritte: Boliviens Präsident Evo Morales
erkennt in der Klage, die Peru in der vergangenen Woche vor dem
Internationalen Gerichtshof in Den Haag gegen Chile erhoben hat, den Versuch, Boliviens Anspruch auf einen Zugang zum Pazifik zu hintertreiben. Mit seiner Klage strebt Peru eine Neudefinition der maritimen Grenze zum Nachbarland Chile an. Die bestehenden Verträge betrachtet man in Lima als völkerrechtlich nicht bindend, es handelt sich nach aktueller Lesart lediglich um Fischereiabkommen.
Sollte Peru in Den Haag Recht bekommen, könnte das Land 38.000 Quadratkilometer in der bisher zu Chile gehörigen 200-Seemeilen-Zone bewirtschaften – und das ist in den fischreichen Pazifikgewässern eine ganze Menge. Der Konflikt hat eine lange und komplizierte
Vorgeschichte, er geht auf den
Salpeterkrieg (1879-1884) zurück, bei dem Chile die Provinz Arica und das Departement Tarapacá von Peru sowie das Departement Antofagasta von Bolivien erbeutete. Noch heute
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24.03.2009 von Benjamin Kiersch
Pünktlich zum diesjährigen Tag des Meeres ist das allerschönste Meer Boliviens nunmehr auf dem ersten Platz der Rangliste der schönsten Seen der Welt zu finden… und das natürlich völlig zu recht:


22.03.2009 von Gerhard Dilger
Kapitalismus funktioniert wie ein Schwarzes Loch: Er versucht sich alles um sich herum einzuverleiben. Alles muss zum Geschäft werden, auch das, was bislang in öffentlicher oder gemeinschaftlicher Regie geregelt wurde. (…) Doch gegen diese Einverleibung hat es durchaus Widerstand gegeben: In Bolivien wehrten sich Menschen gegen die Privatisierung der Wasserversorgung, in El Salvador gegen die des Gesundheitswesen, in Deutschland gegen die der Bahn, in Italien gegen die des Bildungswesens.
So beginnt das Editorial der jüngsten ila zum Schwerpunktthema Gemeingüter (engl. commons). Einen spannenden Überblick über die gerade beginnende Debatte um die Gemeingüter, die u. a. auf dem letzten Weltsozialforum in Belém geführt wurde, liefert auch das Buch Wem gehört die Welt?, das am morgigen Montag in der Zentrale der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin vorgestellt wird.

Herausgeberin Silke Helfrich (r.), die zudem im Alleingang den hervorragenden CommonsBlog bespielt, diskutiert mit dem… weiter lesen
17.03.2009 von Gerhard Dilger
Mauricio Funes und die FMLN haben es geschafft: Ab dem 1. Juni stellt die Linke zum ersten Mal in der Geschichte El Salvadors die Regierung. Ein Meilenstein.

Funes (l.) und sein Vize, der Exguerillero Salvador Sánchez Cerén
In den internationalistischen 1980ern wollte die taz mit der Kampagne Waffen für El Salvador zum Sieg der FMLN-Guerilla beitragen. Neben dem benachbarten Nicaragua wurde das zentralamerikanische Land zu einem der Schwerpunkte der frühen taz-Auslandsberichterstattung.
16.03.2009 von Benjamin Kiersch
Am vergangenen Samstag ist in der New York Times ein Kommentar von Evo Morales über das Verbot des Kokablatts durch die UN-Drogenkonvention erschienen.

Erythroxylum coca
Jim Shulz vom Democracy Center in Cochabamba hat daraufhin einen sehr lesenswerten Artikel über das Thema veröffentlicht, in seinem Blog from Bolivia, dessen regelmäßige Lektüre gar nicht wärmstens genug empfohlen werden kann – am besten bei einem schönen Becher Kokatee.
Beim Shoppen ist allerdings Vorsicht geboten: In Deutschland unterliegt der Tee dem Betäubungsmittelgesetz!
15.03.2009 von Gerhard Dilger
Vor 30 Jahren begann auf Grenada ganz unblutig jene Revolution, die viereinhalb Jahre später mit der Ermordung von Premierminister Maurice Bishop, einiger seiner MitstreiterInnen und der anschließenden US-Invasion beendet wurde.

Gruppenfoto mit Premier (via The Lost Bishop Photos)
Es überrascht nicht, dass der 13. März 1979 kaum einem Medium außerhalb der Karibik eine Zeile wert war.
Zwei rühmliche Ausnahmen: In der ila erinnert Gert Eisenbürger an die “Revo”, und die BBC berichtet, dass die Anti-Bishop-Verschwörer bald aus der Haft entlassen werden dürften.
13.03.2009 von Benjamin Kiersch
Alle Jahre wieder im März kommt der Internationale Drogenkontrollrat in Wien zusammen, um den seinen Jahresbericht vorzustellen. Alle Jahre wieder werden die Andenländer darin aufgefordert, den traditionellen Kokakonsum zu verbieten, da das Kokablatt nach der UN-Drogenkonvention zu den verbotenen Substanzen zählt. Wie bereits an anderer Stelle berichtet, käme das in etwa einer Aufforderung an die EU gleich, den Kaffeeausschank zu verbieten.
Dieses Jahr nutzte Evo Morales, der die Streichung des Kokablatts aus der Drogenkonvention zur Chefsache gemacht hat, die Gelegenheit, um den Vereinten Nationen diesen „historischen Irrtum“ persönlich vorzuhalten. Auf dem Podium der UN-Drogenkonferenz kaute er genüsslich ein paar der verpönten Blätter, um die Delegierten dann über die medizinischen und kulturellen Werte der Pflanze aufzuklären, die seit Tausenden von Jahren in den Anden angebaut wird.

In seiner sehr persönlich gehaltenen Ansprache an die Konferenz kritisierte er die vermeintlichen medizinischen… weiter lesen