30.05.2011 von Gerhard Dilger
Luís Fernando Veríssimo, Bestsellerautor und Topkolumnist aus Porto Alegre, bringt einen bislang kaum beachteten Aspekt über den Fall DSK in die Debatte:
… die Verschwörungstheorien über eine mögliche Falle für den großen Kahn, die immer schon unwahrscheinlich waren, haben den gesammelten Beweisen nicht standgehalten. Es scheint keinen Zweifel mehr daran zu geben (…), dass die chamber maid zu etwas gezwungen wurde, was sie nicht wollte, wie so viele Entwicklungsländer, die vom IWF vergewaltigt wurden und werden.

Aus dieser Perspektive ist es auch ziemlich egal, ob nun das Kriterium “Frau” oder “aus den Schwellenländern” für den nächsten IWF-Chef (oder -Chefin) wichtiger ist: Entscheidend ist doch, für welche Politik der/die Neue steht – oder zumindest, wie Brasiliens Finanzminister Guido Mantega meint, ob er/sie bereit ist, den IWF weiter zu reformieren.
29.05.2011 von Hildegard Willer
Beide stammen sie aus Arequipa, der Stadt im Süden Perus, die sich rühmt ein Freistaat im Staat zu sein. Beide sind weltweit bekannte Bestsellerautoren. Beide gehören sie dem liberalen Lager an. Der kleine Unterschied: der eine hat einen Nobelpreis, der andere nicht.
Böse Zungen in Peru meinen, es sei auf die langjährige Rivalität zwischen dem Schrifsteller Mario Vargas Llosa und dem Wirtschaftswissenschaftler Hernán de Soto zurückzuführen, dass Hernán de Soto für Keiko Fujimori Wahlkampf macht. Kurz nachdem Mario Vargas Llosa seine Unterstützung für Fujimoris Rivalen Ollanta Humala bekannt gegeben hatte, zog Keiko Fujimori ihr As aus dem Ärmel: Hernán de Soto würde ihr als Chefberater für die Armutsbekämpfung im Wahlkampf und danach im Amt beistehen.
Alle Lüge, sagt de Soto beim Gespräch mit der Auslandspresse am 26. Mai im Besprechungszimmer seiner Beraterfirma ILD (Instituto de Libertad y Democracia). Er unterstütze Fujimori , weil dies ein wegweisender Moment für Peru sei,… weiter lesen
28.05.2011 von Hildegard Willer

Am 26. Mai haben viele Peruaner wieder ein Stück Würde zurückgewonnen. 10 Tage vor der Stichwahl am 5. Juni zwischen Keiko Fujimori und Ollanta Humala sind gut Zehntausend Peruaner dem Aufruf des Dachverbandes der Menschenrechtsgruppen gefolgt und haben öffentlich gegen eine Rückkehr der Sippe Fujimori in den Regierungspalast protestiert.
Der Protestmarsch war bitter nötig, denn die Umfrageergebnisse zeigen seit Wochen Keiko Fujimori mit fünf Prozentpunkten vor Ollanta Humala. Keiko Fujimori, die Tochter des wegen Menschenrechtsverbrechen verurteilten Ex-Präsidenten Alberto Fujimori, hat nicht nur die Wirtschaftselite sondern auch die mächtigsten Medien Perus hinter sich. Aber auch bei vielen armen Bewohnern kommt Fujimori dank ihrer intensiven und assistentialistischen Basisarbeit gut an. Vor allem die Stadtbewohner der Küstenregionen wählen Keiko weil sie verspricht das liberale Wirtschaftsmodell nicht anzutasten, das Peru hohe Wachstumszahlen ebenso wie eine hohe Zahl sozialer Konflikte eingebracht hat. Die selben Medien, die vor 10 Jahren sich noch für die Demokratie… weiter lesen
25.05.2011 von Gerhard Dilger
Der Dienstag war ein schwarzer Tag für den Regenwald: Morgens fiel im Bundesstaat Pará das Aktivistenpaar José Cláudio Ribeiro da Silva und Maria do Espírito Santo Auftragskillern zum Opfer, abends erzielte die Agrar- und Waldzerstörerlobby im Parlament von Brasília ihren bislang größten Sieg. Der Tod der Urwaldschützer komme denselben Leuten zupass, die nun ein neues, radikal aufgeweichtes Waldgesetz wollten, rief der linke Abgeordnete Ivan Valente und erntete für diese einfache Wahrheit wütende Pfiffe.
Seit Jahren hatte da Silva, ein 54-jähriger Regenwaldaktivist, auf die Todesdrohungen hingewiesen, die er regelmäßig erhielt. “Ich lebe vom Wald und schütze ihn, so gut ich kann”, sagte er im letzten November auf einem Umweltkongress in Manaus. Deshalb könne ihn jederzeit eine Kugel treffen, wie 1988 den Gummizapfer Chico Mendes oder vor ein paar Jahren die Ordensfrau Dorothy Stang.
Seine Frau Maria leide ebenfalls sehr unter der Situation,… weiter lesen
24.05.2011 von Gerhard Dilger
Landeskunde Brasilien
Bei einer Minirecherche anlässlich von Bob Dylans heutigem Siebzigsten bin ich auf diesen hübschen Ausschnitt aus seiner Radiosendung “Theme Time Radio Hour” gestoßen, in der er 2008 seinem Publikum Brasilien und die große Sängerin Elis Regina vorstellte:
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Tales of Yankee Power
“Everybody knows by now that there’s a gazillion books on me either out or coming out in the near future”, schreibt Dylan auf seiner Webseite. Immer noch einer der klügsten Dylan-Exegeten ist Michael Gray. In seinem Standardwerk Song and Dance Man III – The Art of Bob Dylan meint er zu “Señor” (1978) u. a.:
…the voice here is post-Vietnam America, confusedly asking the Third World to reveal the way things really are. The white narrator seeks answers from the ‘señor’ – the Mexican/South American. The sub-title, ‘Tales of Yankee Power’, is a nice irony.
Ebenso wie “Romance in Durango” mit seinem… weiter lesen
22.05.2011 von Gerhard Dilger

Heißer Tipp für Cariocas und BrasilientouristInnen: In Rio de Janeiro hat gestern das 1. Internationale Uranium-Film-Festival mit einem üppigen Programm begonnen.
Organisiert haben es der deutsche Umweltjournalist Norbert Suchanek und seine Frau Márcia Gomes de Oliveira.

21.05.2011 von Peter Strack
Die arbeitenden Kinder Boliviens waren froh, dass der 1. Mai in Bolivien ohne die Verkuendung eines neuen Arbeitsgesetzes voruebergegangen war.

Denn noch hatte die Organisation, die sich Union der arbeitenden Kinder und Jugendlichen Boliviens (UNATSBO) nennt, nicht genug Zeit, den Parlamentariern und der Regierung ihren eigenen Gesetzesvorschlag zum Schutz und zur Verteidigung der Rechte arbeitender Kinder zu erklaeren und offene Detaills zu klaeren. Ende vergangenen Jahres hatten sie den ersten Entwurf zusammen mit einer Studie zur Situation arbeitender Kinder in Buchform vorgelegt.
„Ein Novum sowohl in der Geschichte der Kinderrechte, als auch des Arbeits- und Sozialrechts“, urteilt der Kinderrechtsexperte Manfred Liebel, „auch insofern, weil er mit Blick auf das Thema Kinderarbeit die Perspektive arbeitender Kinder und Jugendlicher zum Ausdruck bringt und auf dem Gedanken basiert, dass auch Kinder ein Recht haben zu arbeiten. Mit dem Gesetz soll den arbeitenden Kindern ermöglicht werden, sich (auch)… weiter lesen
16.05.2011 von Gerhard Dilger
Während in Europa diverse Ligen zu Ende gingen, wurden in Brasilien die meisten Regionalmeister gekürt. In Porto Alegre sah gestern alles nach einer Titelverteidigung von Grêmio aus. Die Schwarz-Blau-Weißen liefen mit einem beruhigenden 3:2-Vorsprung aus dem Hinspiel beim Lokalrivalen Internacional ins heimische Olímpico-Stadion ein.
“Fica Falcão” (Bleib, Falcão) – mit solchen Schildern verhöhnten die Grêmio-Fans Inter-Trainer Falcão, der die colorados, die Roten, im April in höchster Not übernommen hatte.
Doch die Spielerlegende der 70er und 80er, zuletzt als Globo-Kommentator und Kolumnist aktiv, stellte sich vor dem Spiel demonstrativ cool vor die Ränge und wechselte noch in der ersten Halbzeit den spielentscheidenden Ex-Schalker Zé Roberto ein.
Nach dem Libertadores-Titel im August 2010 war es mit Inter nur noch bergab gegangen: Im Turnier um den Weltpokal schieden die siegesgewissen Brasilianer im Halbfinale gegen Afrika-Champion Mazembe aus, in die Regionalmeisterschaft Gauchão startete man blamabel.
Unter Falcão… weiter lesen
12.05.2011 von Peter Strack
Seit ihrem zwoelften Lebensjahr beteiligt sich die Bolivianerin Filomena Churo Condori aktiv im Leben ihres Dorfes Muruq’umarqa im Norden von Potosí. Auf Deutsch uebersetzt heisst das in etwa “Steinige Gegend”. Nur dank Jahrhunderte langer Traditionen werden in der auf ueber 3700
Metern Hoehe im Andengebirge gelegenen Region noch um die 50 verschiedene Kartoffelsorten angebaut. Mit Baumpflanzungen haben die Frauen das Mikroklima verbessert und Erosion bekaempft. So wird das Ueberleben der Gemeinden gesichert. … weiter lesen
11.05.2011 von Gerhard Dilger
Rund 50 NGOs aus Deutschland, der Schweiz und Österreich haben die Konzerne Voith Hydro, Andritz und Alstom aufgefordert, sich aus dem Megaprojekt Belo Monte im brasilianischen Regenwald zurückzuziehen. Voith Hydro (Heidenheim) ist ein Joint Venture von Siemens und Voith, das Auftragsvolumen der Firma in Sachen Belo Monte beläuft sich bislang auf 443 Millionen Euro.
“Das Projekt hätte weit reichende direkte und indirekte Auswirkungen auf die indigenen Gemeinschaften vor Ort”, heißt es in dem Appell. “Neben den großen indigenen Gruppen, die sich zum Teil aktiv am öffentlichen Widerstand gegen Belo Monte beteiligen, wurden rund 70 Kilometer vom Ort des geplanten Staudamms entfernt bisher unkontaktierte Indianer beobachtet. Der forcierte Kontakt mit der Zivilisation wird ihre Kultur und – insbesondere durch Übertragung von Krankheiten – sogar ihr Überleben gefährden. Die bisher ergriffenen Maßnahmen sind absolut ungenügend.”

Neues Belo-Monte-Video von Martin Keßler
Für den… weiter lesen