30.11.2011 von Gerhard Dilger
Mit großem Geschick kämpft die brasilianische Ökologiebewegung gegen die drohende Aufweichung des Waldgesetzes. In Brasília übergaben UmweltschützerInnen gestern nach einer Kundgebung 1,5 Millionen Unterschriften zur Verteidigung des bestehenden Gesetzes an Präsidialamtsminister Gilberto Carvalho. Zugleich gelang es dem Senator Randolfe Rodrigues von der linksoppositionellen Partei für Sozialismus und Freiheit (PSOL), die Endabstimmung im Oberhaus des Parlaments unter Verweis auf die Geschäftsordnung um eine Woche hinauszuzögern.

Die Lieben: Kinder sagen Nein zur Verstümmelung des Waldgesetzes
Die frühere Umweltministerin Marina Silva führte den Protest an. Carvalho, ein enger Vertrauter von Präsidentin Dilma Rousseff, habe zugesichert, die Staatschefin werde ihr Versprechen aus dem Wahlkampf 2010 einhalten, erklärte Silva. Demnach will Rousseff keiner Neuregelung zustimmen, die eine Amnestie für Waldzerstörer enthält und die weitere Regenwaldrodung begünstigt.

Das Böse: Kátia Abreu, Vorsitzende des Farmerverbandes CNA und Senatorin
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28.11.2011 von Hildegard Willer
Drei Meldungen, die erst mal nichts miteinander zu tun haben:
1) Die Raiffeisenbank in meinem Allgäuer Heimatdorf verkauft ihren Kunden normalerweise solide Sparbriefe und finanziert die lokalen Betriebe oder den beliebten Häuslesbau. Gross war mein Erstaunen, als der Bankangestellte bei meinem letzten Besuch einen Prospekt hervorzog und meinte, da gäbe es auch noch sichere Anlagen in Minenprojekten in fernen Ländern….
2) Meldung in der peruanischen Wirtschaftszeitung “Gestión” vom 28. November 2011: Die USA hat ihren Platz als zweites Hauptexportland für peruanische Produkte eingebüsst. Die meisten peruanischen Ausfuhren gehen weiterhin nach China. Den zweiten Platz hat die kleine Schweiz den USA abgerungen.
3) Seit einer Woche tobt in Peru eine heftige Auseinandersetzung ob der Umweltgenehmigung für das geplante Grossabbauprojekt “Conga” in der nordperuanischen Provinz Cajamarca. Teile der lokalen Bevölkerung wehren sich mit Strassenprotesten und Blockaden gegen das Projekt. Für die seit Juli amtierende Regierung Humala steht die Entscheidung an, ob sie… weiter lesen
25.11.2011 von Gerhard Dilger
Von Stephanie Boyd, Lateinamerika Nachrichten 450
Nach den Wahlen in Peru, aus denen der linksnationalistische Ollanta Humala als Sieger hervorgegangen ist, sind die Erwartungen auf dem Land hoch. Von dort bekam er den Großteil seiner Stimmen und die Bewohner_innen erwarten, dass er sich wie im Wahlkampf versprochen für ihre Rechte einsetzt und diese gegen Großkonzerne verteidigt. In Asacasi, einem kleinen Dorf, dessen Lebensgrundlage durch ein Kupferbergbauprojekt bedroht ist, treffen die Anwohner_innen die ersten präventiven Maßnahmen, um sich gegen den schweizerischen Konzern Xstrata zu wehren.
Die Straße ist mehr als schlecht. Es würde vieler Leute, schwerer Maschinen und mehrerer Wochen harter Arbeit bedürfen, um sie erst einmal in einen schlechten Zustand zu bringen. Ohne Vorwarnung endet der Asphalt bereits nach zwanzig Minuten Fahrt außerhalb von Cuzco, der Touristenstadt mit ihren 5-Sterne-Hotels und Sushi-Restaurants. Und das, obwohl mein Ziel, die Stadt Tambobamba, nicht irgendein vergessener Ort im Niemandsland ist. Tambobamba ist die Hauptstadt der Provinz Cotabambas und liegt nur ein paar Fahrstunden entfernt vom massiven Las- Bambas-Kupferprojekt, das sich momentan in der Bauphase befindet.
Normalerweise profitieren Städte, die an Straßen zu Bergbauprojekten liegen, von einer vernünftigen Straßenanbindung – vor allem wenn es die Straße zur Provinzhauptstadt ist. Nicht so Tambobamba. Die Arbeiter_innen des Bergbauunternehmens werden per Hubschrauber eingeflogen und die Straße verbleibt in einem armseligen Zustand. … weiter lesen
23.11.2011 von Gaby Küppers
Interview mit Camila Vallejo, Giorgio Jackson und Francisco Figueroa (ila 350)
Nachdem der Dialog zwischen Regierung und Protestbewegung abgebrochen wurde, machten sich drei VertreterInnen der chilenischen Studierendenbewegung auf den Weg nach Europa. Hier führten sie Gespräche mit der OECD (schließlich ist Chile neben Mexiko das einzige lateinamerikanische Mitgliedsland) und mit der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen in Genf, mit dem Ergebnis, dass nun ein UN-Berichterstatter nach Chile fährt. Auf vielen öffentlichen Veranstaltungen und auch im Europäischen Parlament berichteten sie über ihre Anliegen. Am Tag nach dem Besuch in Brüssel ging es wieder zurück nach Santiago, wo es auf den jüngsten Demos Hunderte Verhaftete gegeben hat. Nach Meinungsumfragen stehen 80 Prozent der chilenischen Bevölkerung steht hinter den Studierenden und ihren Forderungen.
Das Interview mit Camila Vallejo, Giorgio Jackson und Francisco Figueroa von der Führung des chilenischen Studierendenverbandes CONFECH fand vor einem guten Monat in Brüssel statt. … weiter lesen
22.11.2011 von Gerhard Dilger
Mit einem peppigen Video haben brasilianische SchauspielerInnen die bislang dynamischste Onlinepetition gegen den Monsterstaudamm Belo Monte in Gang gebracht.
Nach wenigen Tagen haben auf der Webseite der Kampagne Gota D´Água bereits eine Million Menschen unterschrieben. Aktuelle Informationen bei der Plattform Belo Monte.
19.11.2011 von Peter Strack

1,3 Mio Dollar fuer jeden KM Zerstoerung: Protest gegen Strassenbau, Quelle: El Dia
„Mama, wo geht es jetzt hin?“, fragte ein Junge heute morgen auf der Fahrt in das Stadtzentrum von Cochabamba besorgt seine Mutter, als der Bus ploetzlich in eine Seitenstrasse abbog. „Da wird wohl irgendjemand wieder die Strasse blockieren“, lautete die lakonische Antwort. Doch der Grenzkonflikt zwischen den Provinzen Oruro und Potosí wird derzeit ebenso verhandelt wie der zwischen den Munizipien Colcapirhua und Tiquipaya im „Herz der Mutter Erde“ selbst. Und die Kokabauern aus dem Chapare, die derzeit gegen den Baustopp der Strasse durch das indigene und Naturschutzgebiet TIPNIS mobilisieren, haben sich erst einmal zu Beratungen zurueckgezogen. … weiter lesen
19.11.2011 von Gerhard Dilger
Gestern, eine Woche nach der jüngsten Schimpfkanonade Romários, meldete sich Pelé zu Wort. Wie immer gab sich der Ehrenbotschafter für die WM 2014 demonstrativ gelassen. Er wollte gar nicht so genau gehört haben, was ihm der kämpferische Neu-Abgeordnete und Streiter gegen die Fifa alles vorgeworfen hatte.
Zitate aus Pelés Pressekonferenz in São Paulo:
Ich bin ein Bewunderer, ein Riesenfan von Romário… Aber er ist sehr schlecht informiert, redet alles mögliche.
Zum Vorschlag Romários, er solle sich um ein politisches Amt bewerben:
Sag ihm, ich war schon mal Königskandidat, die Prüfung habe ich schon vor einiger Zeit bestanden.

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Zu den Befürchtungen, Brasilien könne sich als Ausrichter der WM 2014 blamieren:
Positives Denken! Diese WM wird die beste aller Zeiten.
Zur aktuellen Rassismusdebatte:
In Europa haben sie öfter gesagt, ich sei hässlich, aber ich hab
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17.11.2011 von Gerhard Dilger
Klasse oder Glamour, eigenes Profil oder Volksnähe? Zum Abschluss des 8. Amazonas-Filmfestivals brach noch einmal die ganze Ambivalenz des Events von Manaus auf, das sich vor Jahren als “Öko-Cannes” etablieren wollte. Die lokale Version des Oscar-Rituals samt Feuerwerk und prächtigem Folklorespektakel fand zwar auf dem Platz vor dem berühmten Opernhaus statt, doch die Bevölkerung wurde von Sicherheitsbeamten auf Distanz gehalten. Höhepunkt der Siegerehrung war nicht der internationale Wettbewerb mit dem iranischen Berlinale-Gewinner “Nader und Simin – eine Trennung” an der Spitze, sondern die Auszeichnung der Kurzfilme aus dem brasilianischen Bundesstaat Amazonas. Hauptredner war der Gouverneur.
Sieger im Kurzfilm-Wettbewerb Brasilien: “Cachoeira” von Sérgio Andrade
Um im internationalen Festivalbetrieb punkten zu können, ist ein eigenes Profil erforderlich. Robério Braga, langjähriger Kulturminister des Bundesstaates und Übervater des Festivals, versucht den Spagat. Zusammen mit einer französischen Agentur setzte er zunächst auf Ökologie und “Abenteuer”. Sozialkritische Dokumentarfilme gehörten zu den Highlights,… weiter lesen
08.11.2011 von Gerhard Dilger
Meine Zimmernummer in Manaus lautet 1001.
Wie ein Märchen aus Tausendundeinernacht mutet auch La source des femmes von Radu Mihaileanu an, jener Wettbewerbsbeitrag vom Amazonas Film Festival, der bisher im Opernhaus der Amazonasmetropole mit Abstand den meisten Beifall bekam.
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Der “Quell der Frauen”, gerade in den französischen Kinos angelaufen, ist eine flott gedrehte Utopie, die in einem ungenannten Maghrebdorf spielt. Munter bedient sich Mihaileanu in der griechischen Antike, beim französischen Orientalismus des 18. Jahrhunderts sowie bei zeitgenössischen feministischen Diskursen und strickt aus all dem eine politisch korrekte Komödie.
Selbst wenn der Film bewusst mit Stereotypen arbeitet – aber welches Märchen tut das nicht? – unter dem Strich ist er auch noch ein wunderbares Gegengift zur antiislamischen Hysterie in Europa.
05.11.2011 von Gerhard Dilger
Ich bin wieder einmal auf dem Amazonas Film Festival in Manaus. Die größte Attraktion fand gleich zum Auftakt statt: die Weltpremiere von Xingu, einer Hommage von Regisseur Cao Hamburger an die legendären Villas-Bôas-Brüder – jene Waldläufer, auf deren Initiative die Gründung des Xingu-Nationalparks 1961 zurückgeht.
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Da das Produzententeam um Starregisseur Fernando Meirelles den einfühlsam gedrehten Film auf der kommenden Berlinale groß herausbringen möchte, lief er in Manaus außerhalb des Wettbewerbs. Der Begeisterung des Publikums tat das keinen Abbruch.
Der Spielfilm endet mit Archivaufnahmen vom Bau der Transamazônica-Fernstraße Anfang der 1970er – die Parallele zum Megastaudamm Belo Monte ist gewollt. Regisseur Hamburger brachte es auf den Punkt: “Erneut haben wir die Wahl: Welche Art der Entwicklung wollen wir?”
Ähnlich wie in Birdwatchers von Marco Bechis, der 2008 in Manaus gezeigt wurde, ist auch in Xingu Platz für Zwischentöne: Die drei… weiter lesen