27.07.2012 von Gerhard Dilger
Von OroVerde
Am Mittwoch hat der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte sein Urteil zugunsten des Volkes der Kichwa von Sarayaku gesprochen.

Der Staat Ecuador wird dafür verantwortlich gemacht, mehrere Rechte der Indigenen verletzt zu haben. Er genehmigte die Ölsuche einer privaten Ölfirma auf indigenem Territorium, ohne dass die Bewohner von Sarayaku vorher konsultiert wurden.
Seit Jahrzehnten wehren sich die Kichwa-Indianer im ecuadorianischen Amazonasgebiet gegen die Ausbeutung des Regenwaldes durch die Erdölindustrie. Ihr traditionelles Territorium wurde ihnen 1992 offiziell vom ecuadorianischen Staat zuerkannt. Dennoch unterzeichnete die ecuadorianische Regierung im Jahr 1996 einen Erdöl-Konzessionsvertrag mit der argentinischen Compania General de Combustibles (CGC) für den “Block 23″, ein Stück Land in Ecuador, das teilweise auf dem Gebiet der Kichwa-Indianer in Sarayaku liegt.
Der Vertrag wurde ohne Rücksicht auf das Mitspracherecht der Bewohner Sarayakus abgeschlossen. Die Kichwa von Sarayaku protestierten daraufhin gegen das Eindringen der Ölgesellschaft in ihr Territorium, und organisierten sich,… weiter lesen
15.07.2012 von Gerhard Dilger
Fernando Lugo, der vor drei Wochen gestürzte Präsident Paraguays, äußert sich erneut zu den Hintergründen des Express-Putsches:
Hier das ungekürzte Originalinterview auf spanisch. Aber auch De-facto-Präsident Federico Franco wurde von RT/Russia Today interviewt. Auf der spanischsprachigen Website der Deutschen Welle, die seit Beginn des Jahres ein 24-Stunden-Programm für Lateinamerika auf spanisch ausstrahlt, herrscht zu diesem Thema hingegen Funkstille.
Lesenswert ist zudem der Kommentar des exzellenten Paraguay-Kenners Hermann Schmitz – und dieses Update aus der Schweiz.
12.07.2012 von Peter Strack

Wasserwerfern getrotzt, Quelle: Los Tiempos
Zwei Monate (siehe Fotoreportage) waren sie marschiert, hatten mitten im Winter zwei Wochen lang der Kaelte auf der Strasse vor dem Vizepraesidentenpalast, dem Traenengas und den Wasserwerfern getrotzt und nicht einmal ein Gespraech mit Evo Morales erreicht. Der Praesident und seine Mitarbeiter hatten unterdessen keine Anstrengungen gescheut, ihre Heimatregion, den TIPNIS aufzusuchen, Aussenbordmotoren zu verteilen, Versprechungen zu machen und die indigenen Organisationen zu spalten.
Dies mag der Hauptgrund gewesen sein, dass die Marschierer am 10. Juli beschlossen, in ihre Doerfer zurueckzugehen, um sich dort weiter fuer die Erhaltung des in Suedamerika inzwischen einzigartigen Oekotops und gegen den geplanten Strassenbau mitten durch das indigene Territorium und Naturschutzgebiet einzusetzen. … weiter lesen
10.07.2012 von Gerhard Dilger
Bei den Aufräumarbeiten zum Rio+20-Gipfel bin ich gerade auf dieses hübsche Video von Attac-Österreich gestoßen:
Ein Schwerpunktthema des Völkergipfels waren die Bestrebungen der Finanzmärkte, weitere “grüne” Geschäftsfelder zu erschließen, etwa durch den Emissionshandel. So hässlich wie die Sache selbst ist das neue Wort dafür: “Finanzialisierung”. Wie drückte es der peruanische Indígena Edwin Vásquez aus: “Wir lehnen die Grüne Wirtschaft der Dollarscheine ab!” Und die IPS-Zeitung TerraViva berichtete über die Großdemonstration in Rio unter den Titeln “Green Economy, the New Enemy” und “A War Cry Against the Merchants of Nature”.
06.07.2012 von Gerhard Dilger
Nach viel Mist – etwa einer erratischen Trainer-Politik oder dem unwürdigen Schauspiel um den Umbau des WM-Stadions Beira-Rio – ist der Vereinsführung von Internacional Porto Alegre nun ein echter Coup gelungen: Diego Forlán spielt demnächst für die Colorados, die Roten.

Natürlich geht es auch dabei um Geld, um viel Geld: Mit dem Superstar der WM 2010 will man die Marke Inter vor allem in Uruguay und Argentinien positionieren. Vom Vereinsportal, dem ich auch dieses Foto verdanke: “Zum Stolz der Colorados zog Forlán den heiligen Mantel schon in Mailand an”.
Nachtrag: Angekommen!
Von 7 zu 7: Inter-Idol Valdomiro und Diego Forlán
Die Vier aus Montevideo: “Jetzt ist ganz Uruguay für Inter”

05.07.2012 von Gerhard Dilger
Gestern nachmittag wurde Marco Arana, Perus prominentester Bergbaukritiker und 2010 Träger des Aachener Friedenspreises, in Cajamarca brutal festgenommen:
Etwa eine Stunde später schrieb er auf Twitter: “Sie haben mich verhaftet, sie haben mich viel geschlagen, auf der Polizeiwache haben sie mich noch einmal geschlagen, Faustschläge ins Gesicht, in die Nieren, Beschimpfungen”.
Zuletzt war Arana wegen seiner Opposition zum Bergbauprojekt Conga ein Ärgernis für die Regierung von Ollanta Humala. Nachdem am Dienstag bei Protesten gegen Conga drei Menschen getötet worden waren, hatte die Regierung den Ausnahmezustand über drei Provinzen der Region Cajamarca ca. 800 Kilometer nördlich von Lima verhängt. Am Mittwoch wurde ein weiterer Demonstrant erschossen.
Die Regierung wäscht ihre Hände in Unschuld. “Es gab einen Vorfall, der zur Verhaftung dieses Herrn führte”, sagte Justizminister Juan Jiménez Mayor am Abend, jetzt sei die Staatsanwaltschaft zuständig. Generalstaatswanwalt José Peláez Bardales machte die Polizei für die Festnahme… weiter lesen
04.07.2012 von Gerhard Dilger
“Ich bin kein Freund von Putschen, von Putschisten und hätte einen Regierungswechsel nach Wahlen besser gefunden”, sagte Dirk Niebel letzte Woche vor dem Menschenrechtsausschuss des Bundestags.

Rechtsliberale unter sich: Niebel (rechts) war der erste Staatsgast von Federico Franco (ganz rechts)
Inzwischen haben Mercosur und Unasur Paraguay suspendiert, doch die deutsche Regierung drückt sich immer noch um eine klare Verurteilung des “sanften Putsches” (Cristina Fernández de Kirchner) herum.
Der Grüne MdB Thilo Hoppe bezeichnet den Ausschluss Paraguays als “wichtiges Signal für die Welt und in die Richtung Europas und der deutschen Regierung: Die Frage, ob das blitzartige Amtsenthebungsverfahren nach demokratischen Spielregeln verlaufen ist, ist von den Nachbarstaaten und Bündnispartnern Paraguays mit ‘Nein’ beantwortet worden” und fordert: “Darauf sollte die EU reagieren, indem es Südamerika seine Unterstützung öffentlich zusagt”.
Hoppe weiter:
Die Ereignisse der letzten Tage in Paraguay werfen Fragen auf und zeigen deutlich eine
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02.07.2012 von Gerhard Dilger
Von Jürgen Vogt, Buenos Aires
Es sind zielgerichtete und maßvolle Entscheidungen: Die Mitgliedschaft Paraguays in der südamerikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Mercsour und der Union Südamerikanischer Nationen (Unasur) wird vorübergehend ausgesetzt, doch Wirtschaftssanktionen werden nicht verhängt. Darauf einigten sich die Präsidenten der Mercosur-Mitgliedstaaten, Cristina Fernández de Kirchner aus Argentinien, Dilma Rousseff aus Brasilien und José “Pepe” Mujica aus Uruguay, bei ihrem Gipfeltreffen am Freitag in der argentinischen Stadt Mendoza.

Sieht nicht sehr glücklich aus: “Pepe” Mujica (2. v. r.) beim Arbeitsfrühstück mit Dilma und CFK (Foto: Präsidentschaft Brasilien)
“Wirtschaftssanktionen bezahlen immer die Völker, niemals die Regierungen”, begründete Kirchner das differenzierte Vorgehen. “Unser Ziel ist es, eine bessere Lebensqualität der Menschen in diesem Land zu erreichen”, sagte die Gastgeberin. Paraguay kann auch weiterhin die finanziellen Mittel aus dem Strukturanpassungsfonds Focem abrufen. Aus dem Fonds werden in erster Linie Infrastrukturmaßnahmen wie der Ausbau von… weiter lesen
01.07.2012 von Gerhard Dilger
Paraguays abgesetzer Präsident Lugo ruft zum friedlichen Widerstand auf und bittet die Staatengemeinschaft um Aufklärung
VON MISEREOR
Asunción. So viel Rummel wie die letzten Tage hat Fernando Lugo seit seinem Wahlkampf vor vier Jahren nicht mehr erlebt. Fernsehkameras und Reporter aus aller Welt umlagern das kleine Häuschen im Zentrum der Hauptstadt Asunción, das Hauptquartier des abgesetzten Präsidenten Paraguays ist.
Die Anspannung der letzten Tage ist dem ehemaligen Bischof anzusehen. Die Augen sind müde, das Gesicht abgeschlafft, der graue Bart ist schütter nachgewachsen seit der Chemotherapie, die er wegen seiner Krebserkrankung über sich ergehen lassen musste. Doch der 61-Jährige gibt sich im Interview kämpferisch und entschlossen. Seine andere Art, Politik zu machen, habe zu seiner Absetzung geführt, sagt Lugo, und appelliert an die Solidarität der internationalen Gemeinschaft, um die Demokratie in dem südamerikanischen Land wiederherzustellen.
Wer steckt hinter Ihrer Absetzung und was sind die Gründe
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