12.01.2010 von Gerhard Dilger
Höher geht´s nimmer: Le Monde und El País ernannten ihn im Dezember zum Mann des Jahres 2009, die Financial Times immerhin zur elfwichtigsten Persönlichkeit der Nullerjahre: Sieben Jahre nach seinem umjubelten Amtsantritt wird Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva umschwärmt wie noch nie.

Lula mit Wunschnachfolgerin Dilma Rousseff
Auch in seiner Heimat ist Lula – der Name ist eine Koseform von Luiz und hat anderslautenden Gerüchten zum Trotz nichts mit mit dem gleichnamigen Tintenfisch zu tun – populärer denn je: Für die BrasilianerInnen ist er Vertrauenswürdigste im ganzen Land, will das Umfrageinstitut Datafolha anhand einer Liste von 22 Männern und fünf Frauen herausgefunden haben, die zudem fast alle weiß sind.
Auf den vorderen Rängen folgen Nachrichtensprecher William Bonner, der einmal verriet, als idealen Gesamtzuschauer stelle er sich einen brasilianischen Homer Simpson vor, dann der katholische Charismatiker Marcelo Rossi und Schnulzenkönig… weiter lesen
24.12.2009 von Gerhard Dilger
Nach dem gelungenen Staatsstreich in Honduras ist 2010 Venezuela an der Reihe -

Evo Morales, Fernando Lugo, Hugo Chávez und Rafael Correa auf dem Weltsozialforum 2009
jedenfalls wenn es nach Newsweek geht. Das US-Magazin übt bereits an der passenden medialen Begleitmusik – in Form einer “Vorhersage”. Als nächstes wird man Chávez wohl wieder einmal Verfolgungswahn unterstellen…
Merry Xmas!
26.11.2009 von Gerhard Dilger
Es ist still geworden um die “Fettmörder” aus den peruanischen Zentralanden, die Dutzende armer Bauern auf dem Gewissen haben sollen. Dabei wirbelten die Gangster, die angeblich Menschenfett für 15.000 Dollar pro Liter an europäische Kosmetikfirmen verkauften, am letzten Freitag furios durch die Weltpresse. Auf Websites wie Spiegel Online, aber auch auf taz.de gehörte die Räuberpistole zu den Klickfavoriten.
Begierig wurden die entsprechenden Agenturmeldungen aus Lima aufgegriffen und zusammengemixt. Die Opfer seien entführt und enthauptet worden, berichteten dpa, AFP und AP unter Verweis auf peruanische Medien und hohe Polizeioffiziere. Dann habe man die Leichen “an Haken über Kerzenflammen” aufgehängt, ihnen das Fett entnommen und sie anschließend verscharrt oder in einen Fluss geworfen.
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Stunden bevor die ersten Meldungen über die “Fettmafia” die deutschen Redaktionen erreichten, hatte in Peru die prominente Fernsehmoderatorin Rosa María Palacios bereits die “Volksverdummung” durch Kollegen und Polizei gegeißelt. In einer 8-Minuten-Reportage ihres Magazins… weiter lesen
20.11.2009 von Gerhard Dilger
Was hat deutsche LeserInnen aus Lateinamerika zu interessieren? Für Blatt- und Portalmacher spielen Nachrichtenagenturen bei der Themenauswahl eine wichtige Rolle. Nur bieten diese auch aus dem fernen Südamerika immer öfter Klatsch-, Skandal- oder Schauergeschichten.
So berichteten heute dpa, AFP und AP unter apodiktischen Überschriften wie „Menschen in Peru ermordet, Fett verkauft“ von einem „mutmaßlichen Fetthändler-Ring“ aus Peru, auf dessen Konto Dutzende von Morden gehen sollen. Die Opfer, meist arme Bauern, seien entführt und enthauptet worden, heißt es unter Verweis auf peruanische Medien – und die dortige Polizei.

So wird man berühmt
Dann habe man die Leichen „an Haken über Kerzenflammen“ aufgehängt, ihnen das Fett entnommen, sie anschließend verscharrt oder in Flüsse geworfen.
„Die Bande kassierte 15.000 Dollar für jedes Kilogramm menschliches Fett“, schrieb dpa zunächst im Indikativ, die Käufer seien laut Polizeigeneral Eusebio Félix Murga europäische Kosmetikfirmen gewesen. afp und ap erhöhten den Exotik-Grusel-Faktor mit einem Schuss blutrünstiger Andenmythologie.… weiter lesen
26.08.2009 von Claudius Prößer


Als Patricio Rosende, Staatssekretär im chilenischen Innenministerium, gestern auf
Rapa Nui, der Osterinsel,
eintraf, bekam er zur Begrüßung einen dicken Blumenkranz um den Hals gehängt, wie es auf pazifischen Inseln Brauch ist. Der Anlass seiner offiziellen Visite ist freilich ausgerechnet die wachsende Unlust, mit der die Einheimischen ihre Besucher empfangen. Die Rapanui, Nachfahren der ursprünglichen polynesischen Bevölkerung, aber auch seit langem auf der Insel lebende “Kontinentalchilenen” sind es leid, dass immer mehr Menschen das winzige Fleckchen Land bevölkern, das 1888 von Chile annektiert wurde und der Nation seitdem den Vorwand liefert, sich als
tricontinental zu rühmen: als Land, das zugleich auf dem amerikanischen, dem antarktischen und dem ozeanischen Kontinent liege.
Waren bei der letzten Volkszählung im Jahr 2002 noch knapp 3.800 Inselbewohner registriert worden, schätzt man die Wohnbevölkerung heute schon auf 5.000 – von denen die indigenen Insulaner lediglich 40 Prozent ausmachen. Immer mehr Chilenen, die… weiter lesen
13.08.2009 von Gerhard Dilger
Vor zehn Jahren wurde Kolumbiens genialster Satiriker Jaime Garzón ermordet. Das Verbrechen, das auf das Konto der rechtsextremen Paramilitärs geht, ist bis heute ungeahndet geblieben.
Geradezu prophetisch muten heute jene Szenen an, in denen sich Garzón mit dem heutigen Präsidenten Álvaro Uribe beschäftigt, der damals Gouverneur des Bundesstaates Antioquia war.
Warum sich Uribe immer noch Hoffnungen machen kann, 2010 erneut wiedergewählt zu werden, erklärte der Schriftsteller Héctor Abad Faciolince vor ein paar Tagen in der FR.