17.05.2013 von Peter Strack
“Vier stehen wir vor deiner Tuer, und wir vier lieben dich…“ – mit dem Singen dieses Kaluyos schaffte es Gonzalo Hermosa, der Gruender der wohl beruehmtesten bolivianischen Folklore-Gruppe Kjarkas, im tropischen Yapacani auf dem Weg von Santa Cruz nach Cochabamba von den protestierenden Lehrergewerkschaftern durch die Strassenblockade gelassen zu werden.
Schon lange sind es mehr als vier, die auf den Strassen oder vor dem Portal des Praesidentenpalastes stehen und gegen das Rentengesetz protestieren. Es begann mit den Minenarbeitern an der Spitze des Gewerkschaftsdachverbandes. Ein Teil von ihnen hat in den letzten Jahren, auch Dank der neuen Lohnpolitik ,wesentlich mehr verdient als in den vielen Jahren davor. Im staatlichen Bergwerksbetrieb von Huanuni bekamen 70% der Arbeiter in den ersten Monaten des Jahres aufgrund von Sonderschichten und Ueberstunden umgerechnet zwischen 650 und 1100 Euro im Monat, 6% sogar ueber 1500 Euro. Doch das Rentengesetz, eine Art Ergaenzungsfonds zu den selbst angesparten… weiter lesen
27.04.2013 von Benjamin Kiersch
Du bist Präsidentschaftskandidat der rechtskonservativen UDI in Chile und warst vorher Superminister für Energie und Bergbau im „Expertenkabinett“ von Präsident Sebastian Piñera. Für dieses Superamt qualifiziert hattest Du Dich u.a. als erfolgreicher Geschäftsführer der Cencosud Holding, des von dem Deutsch-Chilenen Horst Paulmann gegründeten Riesen-Einzelhandelskonglomerats, dem Santiago unter anderem den höchsten Phallus Lateinamerikas, das Costanera Center, verdankt.
Nun hat das Oberste Gericht in Santiago festgestellt, dass Cencosud unter Deiner Leitung sechshunderttausend Kunden betrogen hat, die eine Cencosud-Kreditkarte besitzen und mit dem grossartigen Motto „Du bist Erster“ von Deinem Unternehmen geködert wurden. Cencusud soll geschätzte 70 Millionen US Dollar an eben diese Kunden zurückzahlen. Und was sagst Du zu dem Urteil? „Als Geschäftsführer musste ich die Entscheidung des Aufsichtsrats ausführen, das war meine Aufgabe“. Und? „Deswegen stand es mir nicht zu, diese Entscheidungen zu bewerten.“
Laurence! Wenn Du schon als Cencosud-Geschäftsführer nicht Dein Gehirnkästel einschalten konntest, wie sollen sich… weiter lesen
19.04.2013 von bettinahoyer

Rafael Correa bei der 13. Lateinamerika-Konferenz der Deutschen Wirtschaft / Foto: Hoyer
„Erlauben Sie mir zunächst einmal, Ihnen mein Land ein wenig vorzustellen“, sagt ein gut gelaunter Rafael Correa auf der 13. Lateinamerika-Konferenz der deutschen Wirtschaft, als er mit den Begrüßungsfloskeln durch ist.
Ecuador, das Land mit der weltweit größten Artenvielfalt, mit einer 3.000 Kilometer langen Küste, mit großen ökologischen Schützgebieten. Auf einer Leinwand werden die Sinne umworben. Dschungel, Andenhochland, Galapagosinseln, Schnee bedeckte Berge. Und Zahlen: die größte Vielfalt bei Wirbeltieren, fünftgrößte Artenvielfalt bei Schmetterlingen, mehr als ein Fünftel der Landesfläche ist Naturschutzgebiet …
Gelungener Balztanz
„Ecuador ist wundervoll“, fasst Correa schließlich seine schwindelerregenden Zahlenreihen zusammen. „Wir Ecuadorianer und Ecuadorianerinnen haben der Natur Rechte zugesprochen. Damit sind wir Vorreiter des Umweltschutzes und des Kampfes gegen die Erderwärmung. Diese Rechte sind in unserer Verfassung verankert. Bisher ist es die erste, die der Natur Rechte einräumt“, so Rafael Correa, der… weiter lesen
19.04.2013 von Gerhard Dilger
Presseerklärung der LINKEN Bundestagsabgeordneten Heike Hänsel:
„Maßnahmen zur Bekämpfung von Steuerhinterziehung und zur Bankenregulierung werden von SPD und Grünen fast täglich gefordert. Doch statt gespielter Empörung und großer Worte wäre im Bundesrat heute konsequentes politisches Handeln wichtig gewesen“, kommentiert Heike Hänsel, entwicklungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, die heutige Abstimmung über das Freihandelsabkommens mit Kolumbien und Peru im Wirtschaftsausschuss des Bundesrats, in der sich entgegen ihrer Ankündigungen Grüne und SPD für dieses Abkommen ausgesprochen haben.

Haben bald nichts mehr zu lachen: Kühe in der kolumbianischen Provinz Boyacá
„SPD und Grüne schwimmen damit in Niebels Fahrwasser. Solidarische Wirtschaftsbeziehungen sehen anders aus.“ Hänsel weiter: „Damit ist wieder einmal eine Entscheidung zugunsten der Interessen von Finanzjongleuren und Konzernen und der Liberalisierung des Finanzsektors gefallen. Steuerhinterziehung und Geldwäsche wird weiter Vorschub geleistet und eine wirksame Kapitalverkehrskontrolle deutlich erschwert. Mit diesem Abkommen… weiter lesen
08.04.2013 von Gerhard Dilger
Paul Breitner ist in São Paulo ein gern gesehener Gast. Am Samstag kam der Weltmeister von 1974 und „Markenbotschafter“ aus München bereits zum zweiten Mal innerhalb eines halben Jahres zu einem Blitzbesuch in die subtropische Megametropole, um den FC Bayern Youth Cup zu promoten.

Bei der Bewertung des brasilianischen Fußballs gab sich „Embaixador“ Breitner ganz undiplomatisch: „Brasilien spielt heute nicht mehr die erste, ja nicht einmal mehr die zwei oder dritte Geige. Die Brasilianer haben sich auf ihren Lorbeeren ausgeruht, sie sind vor zehn Jahren stehengeblieben und spielen einen Fußball von gestern. Der Fußball des 21. Jahrhunderts wird in Europa gespielt“.
„Für mich sind die Frisur oder die Kleidung nebensächlich“, meinte der Ex-Afro-Träger auf die Anregung eines Reporters, die „fünf Top-Frisuren“ unter den Aktiven der Gegenwart zu küren, „aber meine frühere Frisur kommt ja wieder in Mode, wie man am brasilianischen Bayern-Spieler Dante sieht“.
Und ob es… weiter lesen
26.03.2013 von Hildegard Willer
Normalerweise kennt man von profithungrigen und vaterlandslosen multinationalen Unternehmen, dass sie demokratieschwachen und wirtschaftsliberal geführt Länder wie Peru damit drohen, woanders hinzugehen, wenn sie hre Arbeits- und Umweltstandards nicht senken. Sechs Textilfirmen aus den USA zeigen, dass es auch anders gehen kann.
In ihrem Brief vom 4. März 2013 fordern die Eigentümer der Marken Tommy Hilfiger, Calvin Klein, Northface, Nike & Co. den peruanischen Präsidenten Ollanta Humala dazu auf, die peruanischen Arbeitsgesetze zugunsten der Textilarbeiter zu verbessern und damit die internationalen Standards einzuhalten. Denn seit 30 Jahren gilt für die Textilbranche eine Ausnahmeregelung: monatliche Verträge können auf unbestimmte Zeit immer wieder erneuert werden, ohne jeglichen Ansprüche auf Sozialversicherung, Renten, Urlaub oder etwa Mutterschutz. Wer in einer der Textilfabriken des Viertels “Gamarra” in Lima T-Shirts am Band näht, bekommt dafür gerade mal den Mindestlohn von umgerechnet 215 Euro. Die Gewerkschaften der peruanischen Textilarbeiter und die Abnehmer der… weiter lesen
22.03.2013 von Gerhard Dilger
Gestern abend hat die schwarz-gelbe Koalition im Bundestag das skandalöse Freihandelsabkommen mit Kolumbien und Peru durchgewunken. Auszüge aus der Debatte (komplett hier, S. 28937ff.):
Heike Hänsel (DIE LINKE):
Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Fakt ist: Wir stimmen heute Abend über ein Freihandelsabkommen mit Peru und Kolumbien ab, womit sich die Europäische Union einen verbesserten Zugang zu den Absatzmärkten, zu den Rohstoffen und zu billigen Arbeitskräften in Lateinamerika sichern will.
Sie sprechen hier, Herr Fritz, von Kolumbien und Peru. Sie haben die Frage nicht beantwortet: Für wen machen Sie denn Politik? Sie machen hier Politik für die Reichen und Vermögenden, für eine kleine Elite in Kolumbien und Peru –
(Zurufe von der CDU/CSU: Quatsch!)
genauso wie Sie es in Europa machen. Deswegen lehnen wir diese Politik ab.
(Beifall bei der LINKEN)
Es sind vielleicht 2 bis 3 Prozent der Bevölkerung, die von… weiter lesen
28.02.2013 von Gerhard Dilger
Misereor, terre des hommes, Fian und viele andere NGOs fordern die Abgeordneten des Deutschen Bundestags auf, die geplante Ratifizierung der beiden
EU-Handelsabkommen mit Kolumbien und Peru sowie mit Zentralamerika abzulehnen.

Die erste Lesung der Zustimmungsgesetze soll heute stattfinden. “Die Abkommen würden einen Anreiz zu einer Ausweitung des Bergbaus setzen und zugleich die Einfuhr subventionierter Agrarprodukte aus der EU begünstigen. Dadurch würden vor allem die Menschenrechte auf Nahrung und Wasser von Kleinbauern und indigenen Gemeinschaften gefährdet”, erklärte Misereor-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel, “gemeinsam mit zahlreichen weiteren Organisationen haben wir die Abgeordneten in zwei offenen Briefen gebeten, den Handelsabkommen in ihrer jetzigen Form nicht zuzustimmen, sondern für eine menschenrechtliche Folgenabschätzung und Überarbeitung einzutreten”.
Beide Abkommen würden es den lateinamerikanischen Staaten untersagen, weiterhin Zölle auf Ausfuhren zu erheben. Europäischen Unternehmen würde dadurch der Zugang zu Rohstoffen aus diesen Ländern erleichtert und dort zugleich ein Anreiz zum weiteren Ausbau… weiter lesen
03.02.2013 von Gerhard Dilger
Von Christian Russau
Anlässlich der Hauptversammlung der Siemens AG in München demonstrierte am 23.1. ein Bündnis von Menschenrechts- und Umweltorganisationen gegen die Lieferung von Turbinen an das umstrittene Staudammprojekt Belo Monte am Xingu-Fluss in Brasilien. Kletteraktivisten der Organisation Robin Wood befestigten ein Protestbanner an den Streben der Olympiahalle. Vor dem Eingang begrüßten Vertreter des Aktionsbündnisses die Aktionäre mit Flugblättern, Transparenten und Banner unter dem Motto “Keinen Profit auf Kosten von Amazonas und Menschen”. Vertreter des Bündnisses hielten Reden, um ihre Forderungen direkt an die Entscheidungsträger in Vorstand und Aufsichtsrat zu richten.

“Belo Monte ist der Todesstoß ins Herz der indigenen Völker am Xingu”, ließ der katholische Bischof von Altamira, Pará, Erwin Kräutler, in seiner Ansprache an die Aktionäre mitteilen. Kräutlers Rede wurde an seiner statt von Vertretern des Bündnisses verlesen. Auch wenn europäische Firmen mit “diesem… weiter lesen
28.01.2013 von Gerhard Dilger
Auf zwei Aktionärsversammlungen deutscher Multis regte sich vor kurzem erneut Protest gegen deren Rolle bei Megaprojekten in Brasilien.
Christian Russau redete am 18.1. auf der Hauptversammlung des Krisenkonzerns Thyssen-Krupp:
(…) ich spreche hier im Namen eines Bündnisses aus Dachverband der Kritischen Aktionäre, medico international, FDCL und KoBra – Kooperation Brasilien, das ist das Netzwerk der Brasilien-Solidaritätsgruppen in Deutschland.

Herr Cromme und Herr Hiesinger, vielen Dank für Ihre Ausführungen – nur leider muss ich Ihnen zum wiederholten Male erklären, dass ich es Leid bin, von ThyssenKrupp Falsches, Widersprüchliches und Lückenhaftes als Auskunft zu bekommen.
Erstens: Das TKCSA-Stahlwerk in Rio de Janeiro hat derzeit gar keine Betriebsgenehmigung. Das Einzige, was Sie haben, ist ein Abkommen zwischen Umweltamt und Ihrer Firma über die Anpassung der Durchführungsbestimmungen der Werkproduktion, ein sogenannter TAC-Vertrag (“Termo de Ajuste de Conduta – TAC“). Dies ist keine Betriebsgenehmigung. Der TAC-Vertrag listet
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