Posts Tagged ‘La Paz’

23.03.2010 von Benjamin Kiersch
blogavatar

Weltwassertag in La Paz

von Benjamin Kiersch

In La Paz geht’s dieser Tage viel ums Wasser: Zum Weltwassertag gestern organisierte die Stadtverwaltung eine Wasser-Messe, auf der man sich an diversen Ständen über den verantwortungsvollen Umgang mit dem Element informieren konnte. Dazu interpretierten Musikgruppen aus dem Umland Lieder über’s – genau! – Wasser.

Wasser ist ein immer wichtigeres Thema im Hochland von Bolivien. Die Millionenstädte La Paz und El Alto beziehen ihr Trinkwasser aus Talsperren, die hauptsächlich aus Gletscherabflüssen gespeist werden. Diese Gletscher schmelzen, bedingt durch den Klimawandel, rapide: Zwischen 1997 und 2004 haben die Gletscher nach Angaben der UN etwa 25 % ihrer Masse verloren, einige deutlich mehr: Der Milliuni-Gletscher oberhalb der gleichnamigen Talsperre, ist seit 1997 um 68 % geschmolzen. Experten meinen, dass schon bald neue Quellen erschlossen werden müssen, um die Versorgung der Städte mit Trinkwasser sicherzustellen.

Auch auf dem Land im Altiplano spüren die Menschen die Folgen des Gletscherrückgangs, wie das… weiter lesen

12.10.2009 von Benjamin Kiersch
blogavatar

Fussballzwerge entthronen weiteren Giganten

von Benjamin Kiersch

Nach Paraguay (2:4) und Argentinien (1:6) war gestern Brasilien an der Reihe, sich im Hermann-Siles-Stadion von La Paz auf 3640 m Höhe von Fussballzwerg Bolivien vorführen zu lassen.  Schon nach 10 Minuten stand es 1:0 für die Gastgeber nach einem schönen Kopfball von Edgar Olivarez inmitten einer konfus wirkenden brasilianischen Abwehr, und die brasilianischen Kommentatoren überboten sich im Lamentieren über die Höhe des Stadions, die allein für diese Schmach verantwortlich sei. 21 Minuten später erhöhte Marcelo Martins per grandiosem Freistoss gar auf 2:0. Brasiliens Keeper Julio Cesar hatte nicht einmal Zeit, zu reagieren. Leider ging Bolivien statt Brasilien in der zweiten Halbzeit die Puste aus. Die Mannschaft von Trainer Sánchez versuchte, den Erfolg über die Runden zu bringen, und so konnte Nilmar nach einem Konter in der 70. Minute noch auf 2:1 verkürzen.

YouTube Preview Image

An der Tabelle änderte der Sieg nix mehr – die… weiter lesen

10.08.2009 von Claudius Prößer
blogavatar

Bolivianischer Regenbogen

von Claudius Prößer

Seit Jahren schon prägt die Wiphala, die regenbogenbunte Indigenen-Flagge, das Bild vieler bolivianischer Städte. Auf keiner Demonstration indigener und sozialer Bewegungen darf sie fehlen. Ab heute weht die Wiphala, die die neue bolvianische Verfassung als nationales Symbol neben die rotgelbgrüne Trikolore stellt, auch in allen Schulen von La Paz und El Alto.

Damit befolgt die Präfektur von La Paz einen Erlass der Regierung von vergangener Woche, der vorschreibt, die Wiphala in allen öffentlichen Einrichtungen neben der Trikolore zu hissen. Die oppositionellen Präfekturen des Tieflands haben bereits angekündigt, diesen Erlass zu missachten – was scharfe Kritik der regierenden MAS hervorgerufen hat.

Interessant an der quadratischen Flagge mit den 49 Feldern ist ihre reichlich ungeklärte Herkunft. Nach der Lesart vieler Indigenenvertreter geht sie direkt auf das Inkareich zurück und repräsentiert das Qulla Suyu, die südwestliche der vier inkaischen Provinzen. Andere halten sie für ein… weiter lesen

12.11.2008 von Benjamin Kiersch
blogavatar

Ñatitas heizen Priester ein

von Benjamin Kiersch

Alle Jahre wieder, am 8. November, 8 Tage nach Allerheiligen, füllen sich die Friedhöfe im bolivianischen Altiplano mit Ñatitas, kunstvoll geschmückten Totenköpfen, und ihren Besitzerinnen. Die Schädel sind wichtige Begleiter  in vielen bolivianischen Haushalten: sie halten Diebe ab, bringen Kunden ins Geschäft oder helfen den Kindern durch Schule und Studium. Oft sind es die Gebeine längst verstorbener Vorfahren, sie werden vererbt oder verschenkt, sie haben einen Namen und gehören zur Familie.

Für ihre Arbeit werden sie einmal im Jahr gehuldigt: geputzt, mit Hüten und Tüchern geschmückt, ein paar Zigaretten zwischen die Zähne geklemmt, pilgern die Familien mit ihren ñatitas auf den Friedhof, wo die Schädel auf Blumen gebettet einer Messe lauschen dürfen. Normalerweise.

YouTube Preview Image

Dieses Jahr jedoch erließ der Erzbischof von La Paz, Edmundo Abastoflor, einen Runderlass an die Priester, der den Schädelkult als unchristlich geißelte und seinen Untergebenen kurzerhand verbot, einen Segen über die schönen Schädelweiter lesen