Das großartige an der ganzen Aufregung um Arcade Fire war ja immer, dass sie so berechtigt war. Als vor zwei Jahren “Funeral” erschien, dauerte es ein paar Wochen, und schon war die Musikwelt in heller Aufruhr. Die Anzeichen für einen furiosen Debütstart waren mehr als günstig. Der Musikexot Kanada war gerade dabei, sich der Weltöffentlichkeit zu präsentieren. Die Szene in Toronto hatte ganze Vorarbeit geleistet und mit Arcade Fire ein weiteres Kollektiv ausgespuckt. Ähnlich wie Broken Social Scene war man, schon wegen der Instrumentierung, der Verschrobenheit und der Fülle an Musiker etwas ganz besonderes. Weiterhin: Arcade Fire hatten einen Frontmann, der zwar nicht besonders charismatisch war, aber zumindest die Blaupause des nachdenklichen Intellektuellen abgab. Und ein Album im Nacken, das nicht so war wie irgendetwas anderes zeitgeistiges. Da waren Geigen, Bläser, Trommeln, Akkordeons. Und eine mitreißende, fast viktorianische Melancholie.
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Archive for Februar, 2007
Album des Monats Februar / Platz 3: Dustin’s Bar Mitzvah – “Get Your Mood On”
von Christian Ihle & Horst MotorParty like it’s 1978 all over again: Dustin’s Bar Mitzvah erwecken den rumpeligen, bierseligen Punk der End70er wieder zum Leben und ignorieren jegliche Kunsthochschulanwandlungen, Tanzbodeneignung oder gar Anflüge von Subtilität. „Get Your Mood On“ ist ein Punkalbum im klassischen Sinn: es wird gegen die Führer der Rechten gewettert („Young Pretender“), die Ramones gehört („To The Ramones“) und auch noch der große Dan Treacy, die Legende hinter den Television Personalities („Part Time Punks“), aus Cracknebel und Knastvergangenheit zurück geholt („Artrocker“).
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Mit Indiepop auf Tour: The Indelicates hit Germany, February 2007. (Teil II)
von Christian Ihle & Horst MotorDie britischen Indiepopdandys The Indelicates sammeln in diesen Tagen ihre ersten Erfahrungen auf deutschen Bühnen und berichten exklusiv für das Popblog vom wilden, wilden Leben. Teil 2.
February 14th: Freiburg, Swamp
The drive to Freiburg was relatively long and relatively uneventful. The drives are starting to blend into one really, it’s usually raining and it takes a while. We unloaded at SWAMP in Freiburg, a quaint venue with a stage just about able to take the five of us. After a swift sound check and excellent meal across the road, Keith decided to take the opportunity to have a few hours sleep in our hotel as we would be making the 9 hour journey to Berlin once we had finished playing. The show went very well with, once more, demands from a packed SWAMP for a second encore! Not quite being used to actually being allowed to play for more than 30 minutes, The Indelicates don’t know enough songs for such things, however, we did once play The Pogues’ “Fairytale of New York” at Christmas, so we had to bring that out… … weiter lesen
Wem die Oscars immer zu sehr auf das große epische Konsens-Material setzen, der kann heute Abend einen Blick auf die Verleihung der „Independent Spirit Awards“ werfen.
Die dortige Jury beweist oft einen formidablen Filmgeschmack und zeichnet zielsicher die Sleeperhits des nächsten Jahres aus oder die Filme, die der Academy bei den Oscars immer „zu weit draußen“ erscheinen und deshalb mit dem Drehbuch-Gewinn als Trostpreis abgespeist werden (siehe Fargo, Pulp Fiction etc). „Das Leben der Anderen“ ist hier wie dort im Rennen, muss bei den Independent Spirit Awards allerdings nicht mit dem großen „Pans Labyrinth“ von Del Toro konkurrieren, der stattdessen in der Hauptkategorie „Bester Film“ nominiert ist.
Großer Favorit in den Hauptkategorien ist „Little Miss Sunshine“ (insgesamt 5 Nominierungen), „Half Nelson“ mit ebenfalls 5 Nominierungen der größte Konkurrent. … weiter lesen
What the world needs now, sang Jackie DeShannon 1965 und vermutete akuten Bedarf an love, sweet love. Völlig zurecht dachte DeShannon aber nicht, dass die Welt iDöner brauchen könnte: eine Hintergrund-DVD, die das heimelige Gefühl des nachbarschaftlichen Dönerladens in die eigenen vier Wände zaubert. Der Hersteller sieht mannigfaltige Nutzungsmöglichkeiten, nicht zuletzt „in der Konferenzzone des Büros“, in dem hoffentlich niemand arbeiten möchte und verspricht „Dönermeditation“ („lassen Sie das Drehen des Spießes quasi hypnotisch auf sich wirken und finden sie mit Hilfe meditativer Musik zu sich selbst“). Schön wäre es, wenn der Quatsch so schnell verschwände wie er gekommen war und man das nicht tatsächlich einmal bei der Werbeagentur des Vertrauens erblicken müsste. Dann schon lieber den besoffenen Elch als Klingelton herunterladen.
Christian Ihle
Berlinale (4): Skurriles aus Südkorea, Ironisches aus Frankreich und abgebissene Penisse in den USA
von Christian Ihle & Horst MotorOh weh, wie um alles in der Welt soll man nur eine Wundertüte wie „I’m A Cyborg But That’s Ok“ vom südkoreanischen Regiewunderkind Chan-Wook Park beschreiben? In diesen zwei Stunden sind so viele Einfälle wie andere Autoren und Regisseure in ihrem ganzen Leben nicht haben. Am ehesten ist man noch an Charlie Kaufman – Drehbücher oder Michel Gondry – Filme erinnert. „The Science Of Sleep“ mit einer Prise Gewalt oder ein asiatischer Spike Jonze? Park, der seinen großen Durchbruch im Westen mit dem Cannes-Sieger „Oldboy“ feierte (zurecht, denn Oldboy ist der beste Film der letzten fünf Jahre) und dessen hervorragender Abschluss seiner Rache-Trilogie, „Lady Vengeance“, erst vor wenigen Wochen in den deutschen Kinos anlief, zaubert ein wundervoll wirr erzähltes und vor fantastischer Schönheit berstendes Werk auf die Leinwand. Zwar hat „I’m A Cyborg…“ sicherlich mehr dramaturgische Durchhänger als sein opnum magnus „Oldboy“, aber doch ist man verzaubert und überrascht, wie Park einen so, ja, süßen, liebevollen Film präsentiert. Ohne Frage: es gibt weltweit kaum einen Regisseur, der solch einen Einfallsreichtum besitzt und es vermag, Größe, Opulenz und Eleganz mit den abseitigsten Themen zu paaren. Ein weiterer Stein für sein Denkmal.
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Berlinale (3): Subtilität vs. dreihundert Spartaner 0:2, Cate Blanchett vs. Judi Dench 3:3
von Christian Ihle & Horst MotorPathos is back, so er denn je weg war: gut, man konnte wohl kaum eine vielschichtige, akkurate Zeichnung der historischen Schlacht zwischen Sparta und Persien erwarten, wenn die Vorlage von Frank Miller („Sin City“) stammt und auf dem Regiestuhl Zach Snyder („Dawn Of The Dead“ Remake) sitzt. Dass man allerdings so over-the-top geht und gänzlich ironiefrei den Kollegen Pathos im Mannschaftsbus herankarrt, überrascht dann doch. „300“ erzählt die Geschichte von 300 Spartanern, die sich gegen die zahlenmäßig weit überlegene persische Armee stellen. Sie basiert auf einem Comicbuch von Frank Miller und geht visuell – wie schon Sin City – den ganzen Weg: selbstverständlich ist alles hier künstlich und übertrieben, aber angesichts der Vorlage nur zurecht. Dass mehr Köpfe rollen als auf der Trainerbank von Borussia Mönchengladbach und die animierten Blutfontänen munter vor sich hinspritzen ist auch nicht zu kritisieren, doch gegen „300“ ist „Gladiator“ eine subtile, differenzierte Charakterstudie.
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“Man sieht beschauliche Interieurs vor sich, stickende Mädchen mit weißen Hauben und erinnert sich vielleicht gar an die überhaupt nicht prickelnde Lektüre von Adalbert Stifter, dem Benjamin von Stuckrad-Barre jener Epoche.”
(Ulf Poschardt/Christian Tröger, Vanity Fair, D-Erstausgabe)
Die britischen Indiepopdandys The Indelicates sammeln in diesen Tagen ihre ersten Erfahrungen auf deutschen Bühnen und berichten exklusiv für das Popblog vom wilden, wilden Leben.
The Indelicates’ TOUR DIARY
February 11th
The tour started as we gathered at Ed’s house at around 8:30 to load our equipment into our home on wheels for the next 10 days. As The Indelicates explored the van’s luxuries and possibilities, suburban Hove would hear yelps of “Ooh, a Playstation!” “Wow! A table and SEATBELTS” and Ed’s shocking realisation, “Argh! I didn’t have a pre-bus poo!”
It was exciting. Julia and Simon were in high spirits as the day finally arrived that would
begin The Indelicates’ first international tour, a 7-date tour of Germany and Austria culminating in snowy Innsbruck. So Simon, Julia, Kate, Ed, Al and trusty driver Keith TOTP set off in a horrendous storm to look for some brighter weather on the continent. There wasn’t any.
February 12th: Hamburg, Grüner Jäger
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Berlinale (2): Dirty Harry, de Niro und der Mann mit den zwei Gesichtsausdrücken
von Christian Ihle & Horst MotorEs ist schon erstaunlich: den ersten Tag bestreitet man mit unbekannten Debütwerken und absurden Geschichten, den zweiten mit Stars und Megaproduktionen – doch unterhaltsamer waren allemal die kleinen Filme.
Beginnen wir mit dem Besten der Großen: Clint Eastwood stellte in Berlin – persönlich – seinen Film „Letters From Iwo Jima“ vor, der eine Zweiweltkriegsgeschichte aus der Sicht der die Amerikaner bekämpfenden Japaner erzählt und damit der Komplementärfilm zu „Flags Of Our Fathers“ ist, der amerikanischen Perspektive der gleichen Story. … weiter lesen