http://blogs.taz.de/popblog/wp-content/blogs.dir/1/files/2018/05/unsplash_Das-Sasha.jpg

vonChristian Ihle 07.04.2009

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

Mehr über diesen Blog

Vor einigen Wochen hatte ich ja bereits in unserer Schmähkritik-Reihe Abel Ferrara gepostet, der sich mächtig über die Neuverfilmung seines Meisterwerks „Bad Lieutnant“ durch Werner Herzog echauffierte.
Zugegeben: die Vorstellung, dass statt Harvey Keitels sagenhafter Tour de Force nun Nicolas Cage den moralisch verderbten Cop, der nach Erlösung (und Crack) sucht, spielen soll, klingt nicht verlockend. Andererseits: wenn nun jemand jeglicher kommerzieller Motivation unverdächtig sein sollte, dann Werner Herzog, der in den 70ern mit seinen Klaus-Kinski-Filmen zu Ruhm gelangte und sich in den letzten 20 Jahren hauptsächlich auf Dokumentationen verlegte. Interessant dürfte es allemal werden, was der kurioserweise in Amerika hochgeachtete, hierzulande dagegen unbeachtete deutsche Regisseur (sein letzter Spielfilm, immerhin mit Christian „Batman“ Bale in der Hauptrolle, kam in Deutschland nicht einmal in die Kinos!) aus der Ferrara-Vorlage machen wird.

Abel Ferrara scheint keine Gelegenheit ungenutzt verstreichen lassen zu wollen, gegen die Neuverfilmung zu wettern. In unserer bereits geposteten Schmähkritik wünscht er Werner Herzog und Co. die Pest an den Hals, beim Filmfestival in Cannes ließ er sich zu einem „I wish these people die in hell. I hope they’re all in the same streetcar, and it blows up.“ hinreissen.

Von Werner Herzog sind wiederum zwei Entgegnungen bekannt: „Let him fight the windmills, like Don Quixote.“ (wir lernen dazu: man muss nicht immer mit Hitler vergleichen!) und, vielleicht noch süffisanter, dass Herzog in einem Interview bestritt, Abel Ferrara überhaupt zu kennen, je von ihm gehört zu haben. Zwar mag Werner Herzog weiter draußen sein als die meisten Menschen und man nimmt ihm sofort ab, dass er den Hollywood-Zirkus nicht verfolgt, dass er aber einen Regisseur, der wie er selbst seit nun fast drei Jahrzehnten auf Filmfestivals ein Dauergast ist, überhaupt nicht kennen sollte?

Interessanterweise sagt Herzog übrigens, dass er keineswegs ein Remake drehen würde – auch wenn er das nicht beschwören könne, weil er das Original ja gar nicht kenne („I have never seen Bad Lieutenant made by Abel Ferrara. I do not know who the man is, although he has made a lot of noise about this.“). Eines hat der bitchfight im Arthouse-Kino für sich: man ist gespannt, was Herzog aus Bad Lieutnant machen wird!

Anzeige

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

https://blogs.taz.de/popblog/2009/04/07/schmaehkritik-battle_werner_herzog_vs_abel_ferrara/

aktuell auf taz.de

kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.