Oya-Festival, Tag 1: Es gibt nicht nur einen Rudi Voeller

Ganz ehrlich, koenntet ihr widerstehen, wenn euch eine unbekannte Band im Programmheft des Festivals in einer fremden Sprache als Kreuzung aus Frank Zappa und Rudi Voeller angepriesen wird?

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Da heisst es natuerlich hin, hin! Und was Monotonix aus Israel auf dem Oya darbieten, sprengt auch jeden Rahmen. Der Schreiber kann guten Gewissens sagen, dass er in seinen 16 Jahren Giggeschichte noch nichts vergleichbares gesehen hat. Musikalisch mag die Garagenpunkversion von Led Zeppelin nun nicht den Schnurrbart vor Begeisterung gen Himmel zwirbeln lassen, aber der Zirkus-Punkrock und gelebte Antistyle der Band gewinnt gegen jede rationale Ueberlegung.

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Saenger Ami Shalev (der Rudi-Klon) stuermt nur mit einem Slip bekleidet in das Publikum, reisst Umstehenden Biere aus allen Haenden, bewirft sich, den Drummer Haggai Fershtman (der Zappa-Klon) und das Publikum damit, waelzt sich auf dem Boden und laueft Jesus-esque ueber das Publikum, nachdem er zuvor bereits den Moses gab und das Meer der Zuschauer teilte, um einen 100 Meter Sprint hinzulegen.

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Der Drummer laesst sich und sein komplettes Drumset vom Publikum tragen (und spielt dabei natuerlich unablaessig weiter), der Gitarrist steht irgendwo anders im Meer der Menschen und Shalev reisst dem naechsten sein Bier aus der Hand um sich damit zu uebergiessen.

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Voellig bizarr, sehr haarig und ueberaus nass, kurz: das Konzert des Festivals!

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Dass das Oya das bestorganisierteste Festival der Welt ist, hatten wir letztes Jahr bereits festgehalten. Das zeigt sich auch im Booking. Waehrend man als Festivalbesucher sonst immer vøllig verwirrt ist, ob jetzt die Crystal Castles, Crystal Antlers oder Crystal Stilts aufspielen, macht Oya das einzig richtige und bucht alle unserer kristallinen Freunde, egal ob Gehoern, Stelze oder Burg. Die Crystals Stilts eroeffnen den Crystal-Reigen und deuten einiges an Potential an, doch geht die sehr originalgetreue Umsetzung von Mitt-80er-Indiepop der C86-Marke soweit, dass man wie damals kein Wort versteht, weil der Gesang eher als zusaetzliches Instrument betrachtet wird.

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Den Vorwurf, zu viel Krach zu machen, kann man dagegen Vampire Weekend kaum gegen halten. Sehr anstaendiger, ordentlich frisierter, zurueckhaltender College-Pop wird von den New Yorkern gespielt, der heute auch deutlich besser funktioniert als vor einem Monat als Blur-Vorband im Londoner Hyde Park. Wenn allerdings die Herren selbst das als „best gig since ages“ betrachten, bleibt schon auch der Eindruck, dass die Jungs generell etwas blutleer sind.

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Einen Vorwurf, den man sicher auch Band Of Horses machen kann, die ihren soliden Indie-Rock goes FM-Radio spielen ohne in die Gefahr zu kommen, dabei ins Schwitzen zu geraten. Etwas mehr Widerhaken werfen Bon Iver aus, die aber auch damit verwirren, den einen oder anderen Song im Versuch einer Feedbackorgie zu ertraenken. Festzuhalten bleibt: they ain’t Dinosaur Jr. und Iver bleib bei deinen Leisten. Da auch die norwegischen Lokallieblinge von Pony The Pirate mit ihrer Idee, Arcade Fire glatt zu buegeln (und einen crazy Saxophonisten in die Band zu nehmen), nicht beeindrucken koennen, genehmigen wir uns lieber noch ein Bier fuer 7 Euro und schauen uns noch mal die Bilder von Monotonix‘ Auftritt an bevor morgen die Briten mit Glasvegas und den Monkeys einmarschieren…

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Die Stilkritik:
* Monotonix: der feuchte Do!Do!Do!-Traum eines jeden VICE-Redakteurs.
* Vampire Weekend: Na? Hat da einer sein Hemd nicht richtig in die Hose gestopft? Nachsitzen!
* Band Of Horses: Fuer alle, die die Musik nicht durchs Hoeren einordnen koennen, hat der Saenger vorsichtshalber mal einen Cowboyhut aufgezogen. Subtilitaet geht anders! Wir sind Europaeer, mein Lieber!
* Pony The Pirate: auch schoen zu sehen, dass der Gitarrist (Bassist?) von Liquido uns nicht mit Hartz4 auf der Tasche rumliegt, sondern offenbar in Norwegen eine Band gegruendet hat.

(Text: Christian Ihle, Fotos: Bjørnar Håland, Jan Erik Svendsen, Erik Moholdt)

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