Oya-Festival, Tag 4: Our Most Brilliant Friends

alice

Der Tag beginnt nicht gut: strömender Regen und ein soundtechnisch katastrophales Konzert meines liebsten britischen Folk-Pop-Duos Slow Club. Man kann den Langmut der beiden Briten eigentlich nur bewundern, dass sie das Soundchaos ertrugen und nicht sofort wieder von der Bühne gingen. Von nicht funktionierenden Monitorboxen über trommelfellzerreissende Feedbackschleifen zu einer viel zu lauten, gleichzeitig spielenden Nebenband war es für Slow Club eine Unmöglichkeit, ihre delikaten Folksongs angemessen zu präsentieren. Doch wie sie mit der Situation umgingen, nötigt Respekt ab: der Sound geht nicht? Dann gehen wir doch ins Publikum, spielen akustisch und singen ohne Mikrofon, während der Tontechniker im Hintergrund versucht, das Chaos zu ordnen! Die Nebenbühne ist so laut, dass unsere Akustiksongs selbst aus zwei Metern Entfernung nicht mehr zu hören sind? Na, dann spielen wir eben unsere Punk-Spector-Songs! Auf eine seltsame Art also doch ein gelungener Auftritt.

cocktailslippers

Das Ärgerliche war vor allem: die zu laute Nebenbühne war es nicht einmal wert, den Slow Club Auftritt zu beeinträchtigen. Die norwegische All-Girl-Band Cocktail Slippers mag zwar im hochoffiziellen End-50ies-Look auf die Bühne kommen und vom langgedienten New Yorker Garagenrockfürsprecher Little Steve produziert werden, aber die Songs sind eben doch nur schale Runawayripoffs zum Davonlaufen.

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Nicht nur hübsch anzusehen, sondern dem weiterhin unaufhörlich niederprasselnden Regen trotzend, setzen die Crystal Castles all ihre negativen Energie derart unwiderstehlich ein, dass danach keine andere Band mehr bewertbar wäre. Alice Castles, wie immer nur dann zu hören, wenn sie kreischt, schreit, brüllt (was sie aber gottlob oft macht); Ethan Castles versteinert wie eh und je mit Kapuze auf dem Kopf; beide zehn Minuten zu spät auf der Bühne und dennoch – wer mit so viel höllischem Lärm ein Publikum derart in Ekstase versetzen kann, hat Pop auf seine Art perfekt verstanden:

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(Text: Christian Ihle, Fotos: Steffen Rikenberg, Julie Loen, Bjørnar Håland)

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