Fantasy Film Fest (3): Moon, Case 39, Giallo

Moon

moon

Es mag an den überzogenen Erwartungen liegen, die man an den Debütfilm von Duncan Jones (und Sohnemann von David Bowie, um das gleich mal im ersten Satz abzuhaken) richtete, dass die Meditation über das Menschsein letzen Endes doch leicht enttäuschte.
Sam Rockwell spielt in einer Ein-Mann-Show den Astronauten-Mechaniker Sam Bell, der auf dem Mond dafür verantwortlich ist, dass alle Maschinchen laufen, damit wir hier auf der Erde all die Energie haben, die wir brauchen. Drei lange einsame Jahre läuft sein Vertrag und allein mit seinem Computer Gerty (im Original von Kevin Spacey gesprochen und so etwas wie HAL zum Knuddeln und Liebhaben) pflegt er in der Raumstation die Einrichtungen. Immer seltsamere Halluzinationen führen zu einem Unfall und danach ist Sam Bell nicht mehr allein…

(Tip: will man den Film auf jeden Fall anschauen, eventuell auf den Trailer verzichten – der erzählt etwas zuviel…):
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Moon, eine Art Hybrid aus 2001-Kinematographie und BladeRunner – Grundidee – ist ohne Frage toll fotografiert, aber leider etwas zu vorhersehbar und strukturiert seinen Charakter zu einfach. Schwer vorstellbar, dass Sam Bell all das, was mit ihm geschieht mit der Nonchalance eines Teetrinkers hinnimmt, dem der Earl Grey um zwei Minuten nach Fünf serviert wurde.

* UK, 2009
* Regie: Duncan Jones
* imdb

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Case 39

case39

Eigentlich auch mal eine schöne Idee: was wäre eigentlich passiert, wenn das Jugendamt gekommen wäre und den Eltern das Sorgerecht für Damien aus „Das Omen“ entzogen hätte, weil der immer so böse schaut? Oder Regan aus „Der Exorzist“ in die treue Fürsorge des Staates übernommen worden wäre, weil diese ganzen Schimpfwörter darauf hindeuten, dass die Familie dysfunktional ist?
Und wenn sich die Betreuerin des Jugendamtes dann auch noch so in den kleinen Wuschel verguckt, dass sie selbst das Sorgerecht beantragt?

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Ja, das ist so ziemlich die Geschichte von Case 39, in der grob gesagt Rene Zellweger sich vor Gericht erstreitet, den Teufel mit nach Hause nehmen zu dürfen. Dass sie das noch bereuen wird, braucht man natürlich nicht zu erwähnen und bis zu dem Punkt, an dem der kleine Satansbraten sichtbar sein Unwesen treibt, ist die Geschichte auch effektiv, wenn auch recht vorhersehbar erzählt. Danach wird der US-Debütfilm des deutschen Christian Alavart („Antikörper“) das übliche unlogische Gegentürengerenne (meine Güte, warum um alles in der Welt sollte ein Dämon, ein Teufel durch eine Tür gehen müssen?) und biblischeplagenverursachende Gefluche und damit etwas anstrengend, aber alles in allem alrighte Genrekost.

* USA, 2009
* Regie: Christian Alvart
* imdb

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Giallo

giallo

Wenn der Großmeister des Genres seinen neuen Film gleich wie das Genre selbst benennt, dann muss man ihm auch im Kino mal wieder einen Besuch abstatten! Dario Argento huldigt also in seinem „Giallo“ jener italienienischen Version des Serienkillerthrillers, der immer blutiger, schmutziger und mit noch mehr sexuellen Obsessionen aufgeladen war als sein hollywoodsches Ebenbild. So auch im mit Adrien Brody und Emmanuelle Seigner überraschend gut besetzten „Giallo“ von 2009.

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Dass dem Giallo-Genre Subtitilität nicht unbedingt nahe lag, das ist schon wahr, aber muss es Argento dann ebenfalls derart übertreiben? Er könnte uns Zuschauern auch ein klein wenig vertrauen, dass wir uns selbst denken können, dass der Serienmörder, der hübsche Frauen entführt und ihnen das Gesicht zerschneidet eventuell nicht ganz sauber in der Birne ist, ohne dass wir ihn vor dem Laptop mit einem Schnuller im Mund auf Bilder von verunstalteten Frauen onanieren sehen müssen.
Im Rahmen des Genres ist „Giallo“ gut gemacht, aber neben der fehlenden Subtilität sind natürlich die zum Himmel schreienden dämlichen Dialoge, an denen vor allem der arme Adrien Brody beteiligt ist, schwer ohne lautes Lachen zu ertragen. Eine klare Sache für Fans – die wissen aber dann auch exakt, was sie bekommen. (völlig bizarr ist übrigens ein Blick in die Casting-Liste: Brody spielt tatsächlich Cop und Killer – auch wenn letzterer mehr aussieht wie Rambo, der zu nah am Napalm gestanden ist…)

* Italien, 2009
* Regie: Dario Argento
* imdb

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* Fantasy Film Fest 2009 (6): OSS 117, Vertige, Wasting Away
* Fantasy Film Fest 2009 (5): Thirst / Durst, Deliver Us From Evil, Trick R Treat
* Fantasy Film Fest 2009 (4): District 9, The House Of The Devil, Largo Winch
* Fantasy Film Fest 2009 (2): Bronson, A Film With Me In It, Pontypool
* Fantasy Film Fest 2009 (1): Carriers, The Tournament, Polytechnique

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