Archive for Februar, 2010

28.02.2010 von Christian Ihle
blogavatar

Schmähkritik (303): Alan McGee über Coldplay

von Christian Ihle

“Coldplay are a dilution of a dilution of a dilution. Chris Martin makes me want to eat someone else’s earwax rather than listen to his records.”

(Der ehemalige Oasis-Plattenlabelchef und Libertines-Manager Alan McGee über Coldplay)
… weiter lesen

27.02.2010 von Christian Ihle
blogavatar

Schmähkritik (302): Tatort

von Christian Ihle

Das sehr lesenswerte, in Teilen gar brillante Blog “Ich werde ein Berliner” bespricht deutsche (oder genauer: berlinmittedeutsche) Eigenheiten in unregelmäßigen Abständen. Zuletzt wurde ein Blick auf die gute alte “Tatort”-Krimiserie und “Tatort-Parties” geworfen:

“A new episode of Tatort is aired every Sunday. It is Germany’s longest running crime drama, a bit like a teutonic version of “Law & Order,” just a lot slower and less exciting. That’s the reason Tatort didn’t have a huge following among young Germans until about 10 years ago.

In fact, Tatort is so slow, tedious, and deliberately low-key that one 1.5 hour episode feels like a whole day going by. Halfway into it, you’ll want to inject caffeine into your eyeballs just to make it through the next minute. In good German film-making tradition, everything about it feels painfully over-endeavored and every single character is stock beyond the worst stereotype. But that’s, like, sooo not the point, Auslander. German people love Tatort for its realism and dedication to pick up controversial topics and social developments to base its stilted plots on in a really contrived way. … weiter lesen

26.02.2010 von Christian Ihle
blogavatar

My Favourite Records mit Die Sterne

von Christian Ihle

sterne

Frank Spilker von den Sternen über Lieblingsplatten und stuff:

* Die drei besten Punksongs/-singles?

** Sheena is a punk rocker – Ramones
** Hanging on the telephone – Blondie
** Testbild – Mittagspause
** Whole Wide World – Wreckless Eric

YouTube Preview Image
.

* Der beste Song von Pete Doherty? … weiter lesen

25.02.2010 von Christian Ihle
blogavatar

Schmähkritik (301): Berlinale und der Film “The Killer Inside Me”

von Christian Ihle

“Mit einem frauenfeindlichen Fickfilm unterster Kajüte ist am Freitagnachmittag der Wettbewerb der 60. Internationalen Filmfestspiele Berlin zu Ende gegangen. In seinem neuen Werk “The Killer Inside Me” erzählt Michael Winterbottom in schön gestalteten Retrobildern und zu heiter dahingesungenen Honkytonkschlagern die Geschichte eines psychopathischen Vergewaltigers und Frauenquälers, der nebenbei auch noch als Polizist in einer texanischen Kleinstadt der Fünfzigerjahre arbeitet. (…)
“The Killer Inside Me” ist ein Vergewaltigungsporno unter dünnem Arthouse-Mäntelchen. Wie konnte ein derart selbstgefälliger, kunstloser und unreflektierter sexistischer Dreck bloß in den Wettbewerb der Berlinale gelangen? Es ist ein kaum noch zu entschuldigender Fehlgriff, der geeignet ist, den Ruf dieses Festivals und der verantwortlichen Auswahlkommission dauerhaft zu lädieren.”
… weiter lesen

24.02.2010 von Christian Ihle
blogavatar

Berlinale-Rückblick 2010

von Christian Ihle

Unverzichtbar:

Ya

* Ya (I Am): Ein russischer Bilderrausch aus Wahnsinn, Drogen, White Trash, Flamboyanz, Tod, Punk, Kreuzigung und „Maria Magdalena“. Punk in Geist und Attitude: Verschwende deine Jugend in Zelluloid. Der wildeste Film des Jahres vom größten Regietalent Europas, Igor Voloshin.
* Au Revoir Taipei: Wong Kar Wais “Chungking Express” im taiwanesischen Teenager-Slapstick-Modus via Godards „ Bande à Part” und 30er Jahre Screwballkomödien! Der von Wim Wenders produzierte Debütfilm des US-Taiwanesen Arvin Chen war der schönste Film der Berlinale.
* Winter’s Bone: Der ganz harte Stoff: White Trash, Crystal Meth, Tod, Verderben und Countrytraditionals. Aber so dicht dran, so echt, so verdammt hart, dass man mitgerissen wird. Zurecht Gewinner auf dem Sundance-Festival und auch der beste Film der Berlinale.
* Blank City: No Wave in No York! Sehr gute Doku über die No-Wave-Zeit in New York Ende der 70er – und zwar diesmal über die Filmemacher (Jim Jarmusch) und Schauspieler (Steve Buscemi, Vincent Gallo), aber mit der klaren Verbindung zu den Musikern (Lydia Lunch steht im Mittelpunkt, auch Thurston Moore, James Chance und Debbie Harry werden durchgehend interviewt). Ohne Abstriche empfehlenswert.
* Exit Through The Gift Shop: Banksy Superstar. Ein einziger Wahnsinn, ein unterhaltsamer zudem. Man weiß bis jetzt noch nicht, was stimmt und was nicht, was aber im Grunde auch egal ist, weil sich die Fragen darüber, was Kunst eigentlich ist, wie sehr das wiederum objektiv bemessbar wäre und wie schmal der Grat zu Kitsch ist, sich so oder so stellen lassen.
* Eastern Drift: Von der Unmöglichkeit ‘nein’ zu sagen, ohne sich umzubringen.
* The Oath: Osama bin Ladens früherer Leibwächter Abu Jandal gewährt sehr persönliche Einblicke in die Welt des Jihad-Terrorismus.

Empfehlenswert: … weiter lesen

23.02.2010 von Christian Ihle
blogavatar

300 Folgen Schmähkritik

von Christian Ihle

300 Folgen lang haben jetzt schon Zeitschriften, Magazine und Stars über Platten, Filme, Politiker und Bands böse geredet. Zeit also, ein komplettes Inhaltsverzeichnis der 300 Folgen Schmähkritik zum Stöbern aufzubereiten….

Erstaunlicherweise ist in der Zwischenzeit Radiohead “Tabellenführer” der Schmähkritiken mit bereits fünf Auftritten in unserer Lieblingsrubrik.
Der einzige, der mit den Kunstrockern aus Oxford mithalten könnte, wäre Oliver Pocher, der aber kurioserweise oftmals im gleichen Atemzug mit anderen Kollegen geschmäht wird (Elton, Andrack, Schmidt).

Auf Platz 3 landet Johannes B. Kerner, der nicht nur vier, sondern auch gleich vier der eloquentesten Schmähkritiken auf sich ziehen konnte (mein Favorit ist hier immer noch Jürgen Roth, der ihn eine “fleischgewordene Zumutung, Komplettniete, einen luziferisch leutseligen Quatschkarton” nennt).

Mit je drei Schmähkritiken folgen Mario Barth, Heidi Klum (“man möchte sechs Sorten Scheiße aus ihr herausprügeln – wenn es nur nicht so frauenfeindlich wäre“), das Intro Magazin (“bis heute schaut sie gleichsam aus einer nur leicht erhöhten Fan-Perspektive auf das Musikgeschehen mit langsam verbesserter Textqualität“), Ulf Poschardt (“Er ist so arrogant und ignorant, dass man vermuten könnte, er benutze zum masturbieren einen Spiegel. Poschardt ist einerseits der personifizierte Größenwahn und andererseits auch wieder so banal, dass man eigentlich Mitleid mit ihm haben müsste. Ulf Poschardt ist die Paris Hilton des deutschen Journalismus.“), die Kaiser Chiefs und Guns’n'Roses. Wie man sieht, ein illustrer Kreis! Keep ‘em coming…


Flattr this

1. Musiker und Bands:

“Während Mynther mit gleichbleibend brutalem Metzgers-Anschlag sein unschuldiges Instrument malträtierte, warf Lowtzow sich affektiert in die Brust und versuchte, besser zu singen, als er es kann. Besonders beeindruckend ging der Wille zum Scheitern in der Cover-Version des Stücks “You’re My Mate” von Right Said Fred auf, aus dem Lowtzow und Mynther eine verblüffend öde, schwung- und lendenlose Kantate herauszuquetschen verstanden – oder anders gesagt: Im Vergleich mit den beiden war einem sofort wieder klar, was für eine tolle Band Right Said Fred eigentlich sind.”
(Jens Balzer über Phantom/Ghost)

… weiter lesen

22.02.2010 von Christian Ihle
blogavatar

Berlinale (7): Ya (I Am), Au Revoir Taipei, The Kids Are All Right

von Christian Ihle

Ya (I Am)

YouTube Preview Image
.

1. Der Film in einem Satz:

Ein russischer Bilderrausch aus Wahnsinn, Drogen, White Trash, Flamboyanz, Tod, Punk, Kreuzigung und „Maria Magdalena“.

2. Darum geht‘s:

Die einzige Möglichkeit, der Einberufung zur Armee zu entgehen, ist es, sich im Irrenhaus Schizophrenie attestieren zu lassen. Da es für Jungs nichts schlimmeres als die Zucht und Ordnung – Ideale des russischen Heeres gibt, ist die Selbsteinweisung in das Irrenhaus definitiv die zu bevorzugende Option.
Die semiautobiographische Geschichte Igor Voloshins, die er mit „Ya“ verfilmt, klingt dünn – und das ist vollkommen egal, denn wie schon in seinem letzten Film „Nirvana“ ist Voloshin kein Erzähler, sondern ein Meister der Bilder. So richtig weiß man nie, ob man gerade erlebte Realität, Drogenwahn oder Traumgebilde sieht. Die Ebenen verschwimmen, werden undeutlich, sind aber durchweg mit beeindruckender Wucht inszeniert. Die mysteriöse Figur des „Rome“, eine Art Vorbild und zum Mythos stilisierter Misfit, der von den Jungs vergöttert wird, ist dabei eine der beeindruckendsten Rollen, die man seit langem im Kino gesehen hat. Wenn er – Jesus nicht unähnlich – mit einer Armada leichter Mädchen im Arm die dunklen Straßen entlang schreitet, während der Soundtrack Sandras „Maria Magdalena“ spielt, Rome Pillen und Pulver in die Luft wirft und alle gemeinsam die Nacht zum Tag machen, gelingt es Voloshin die Wildheit der Jugend in mitreißenden Bildern einzufangen. In der letzten Szene des Films zieht ein Hund elend langsam einen ans Kreuz geschlagenen jungen Mann über den Asphalt, auf der Tonspur hören wir – auch in der russischen Originalversion! – auf Deutsch eine Stimme „was soll das?“ flüstern; Wir wissen es nicht, wir haben keine Ahnung, was eigentlich in diesem Film passiert ist und sind doch bewegt, erschüttert, mitgerissen von diesem Bild einer Jugend am Abgrund.

Neben einer merkwürdigen Schönheit im Schmutz ist immer Gevatter Tod ein stiller Begleiter, was in einem wunderbar gefilmten Epilog auf herzzerreißende Art deutlich wird: auf einer Insel sitzen zwischen verfallenen griechischen Säulen die Weggefährten des jungen Voloshins und in einer stummen Szene blendet Voloshin die Daten ihres Dahinscheidens ein. Soviel verschwendetes Leben, so viel junger Tod! Die Figuren erstarren zu Stein und zerbröseln zu Staub, aus.

Der erst 35-jährige Igor Voloshin zeigt mit seinen ersten beiden Filmen „Nirvana“ und „Ya“, dass er der beeindruckendste Bilderstürmer unter den jungen europäischen Regisseuren ist. Seine Bildsprache ist nicht weniger originell als die eines Alejandro Jodorowsky und wie beim alten Chilenen liegt die Geschichte in den Bildern.

3. Der beste Moment:

Jene bereits angesprochene “Maria Magdalena” – Szene, nach der man sofort aus dem Kino rennen will, um sich den backcatalog von Sandra zu besorgen! … weiter lesen

21.02.2010 von Christian Ihle
blogavatar

Album des Monats Februar / Platz 3: Gigi – Maintenant

von Christian Ihle

Es mag schon als komischer Zufall durchgehen, dass ein derart heftig von den Sixties beeinflusstes Album wie “Maintenant” ausgerechnet in jener Phase das Licht der Welt erblickte, als die Karriere von dessen schillernder Galionsfigur Phil Spector ganz hollywoodreif vor aller Augen zu Grabe getragen wurde.

Dieses Schicksal sollte die nicht ganz so berüchtigte Formation Gigi um den Songschreiber Nick Krgovich und seinen Komplizen Colin Stewart (Produzent/Toningenieur) aus Vancouver hingegen nicht ereilen (für Schlagzeilen sorgte bisher allenfalls Krgovichs Hauptband No Kids). Und auch optisch hebt sich das Duo glücklicherweise wohltuend vom exzentrischen einstigen Starproduzenten ab. Lediglich die Aufnahmen zur ersten gemeinsamen Platte gestalteten sich ähnlich langwierig wie der Mordprozess gegen Spector (wenn auch mit wesentlich schönerem Ausklang). … weiter lesen

20.02.2010 von Christian Ihle
blogavatar

Schmähkritik (reloaded): Roger Willemsen und Heidi Klum

von Christian Ihle

Roger Willemsen hatte vor einigen Monaten sehr öffentlichkeitswirksam auf Heidi Klum eingedroschen, was wir natürlich mit einem Eintrag in unserer Schmähkritik-Rubrik (Nr. 201) belohnten: … weiter lesen

19.02.2010 von Christian Ihle
blogavatar

Berlinale (6): Winter’s Bone, Jud Süss, Boxhagener Platz

von Christian Ihle

Jud Süss – Film ohne Gewissen

suess

1. Der Film in einem Satz:

Man hat’s nicht leicht als Schauspieler.

2. Darum geht‘s:

Regisseur Oskar Roehler erzählt die Genese von “Jud Süß”, des berüchtigsten antisemitischen Nazipropagandafilms. Im Zentrum der Geschichte stehen zwei Männer: Jud-Süß-Hauptdarsteller Ferdinand Marian (dargestellt von Tobias Moretti) und NS-Propagandaminister Joseph Goebbels (Moritz Bleibtreu). Marian wehrt sich zunächst gegen das Angebot von Goebbels, Jud Süß zu spielen, gibt aber letzten Endes doch klein bei und erliegt dem Selbstbetrug, seinen Jud Süß so anzulegen, dass er nicht für Propagandazwecke missbraucht werden könnte. Das Gegenteil geschieht … weiter lesen