31.12.2010 von Christian Ihle
10. Anvil! – The Story Of Anvil. (Regie: Sacha Gervasi) imdb
Auf den ersten Blick war Anvil, die Geschichte um eine gescheiterte Hardrockband aus den frühen 80ern, eine Echtlebenvariante von Spinal Tap und wäre schon aufgrund dessen eine lobende Erwähnung wert, sind doch genügend absurde, lustige Momente auf einer Europatournee abgehalfterter Metaller zu erleben. Aber dass Anvil! über all den Klamauk hinaus ein stolzes Herz hatte und das Bild einer lebenslangen Freundschaft und des Wunschs nach ewiger Adoleszenz zeichnete, hob Anvil! weit über das große Vorbild hinaus.
9. Machete (Regie: Robert Rodriguez) imdb

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Eigentlich war Machete nur ein Versehen. Als sich die beiden Buddies Robert Rodriguez und Quentin Tarantino mit ihrem Grindhouse-Projekt austobten, drehten sie noch Fake-Trailer zu nicht existenten Filmen, um das Double-Feature-Feeling auch wirklich heimzuhämmern. Der Trailer zu Machete kam so gut an, dass zwei Jahre später Rodriguez tatsächlich aus der kleinen Idee einen großen Film schuf und im Vorbeigehen gleich noch Danny Trejo, dem ewigen Nebendarsteller Hollywoods, ein verdientes Denkmal setzte. Kuriose Fußnote: Machete war dabei auch noch besser als seine beiden Grindhouse-Mutterfilme “Planet Terror” und “Death Proof” – die aufrichtigste Exploitation- und Grindhouse-Hommage! Und ein Höllenspaß!
8. Enter The Void (Regie: Gaspar Noé) imdb … weiter lesen
30.12.2010 von Christian Ihle
“Thilo Sarrazin möchte aber nicht nur die Anerkennung des Volkes, sondern die der Menschen, die man die Eliten nennt. Die bleibt ihm versagt. Denn so weit hält der zivilisatorische Konsens in diesem Land bislang, dass die Eliten einem Rassisten und Kulturchauvinisten die Anerkennung versagen. Die FAZ will diesen Konsens durchbrechen. Ihre Entscheidung am Weihnachtstag die Aufmacherseite des Feuilleton einem Rassisten zu übergeben, ist eine Provokation. Die Zeitung geht dabei weit unter ihr eigenes Niveau. (…) Der Journalist Jan Fleischhauer hat im Spiegel eine Geschichte über Sarrazin und seinen furchtbaren Erfolg geschrieben, die diesem Schrifttäter näher kommt als alles, was man bisher lesen konnte. Man liest diese Geschichte und begreift: Sarrazin ist ein böser Mann. Vom Ehrgeiz zerrissen und von der Sucht nach Anerkennung. (…) Sarrazins scharfer Verstand in Verbindung mit dieser kalten Verachtung und seinem kurzschlüssigen Ausländerhass machen den Mann zu einem gefährlichen Demagogen. Er bedient sich der Argumentationstechniken, die man von Rechtsradikalen kennt oder von Scientologen. … weiter lesen
29.12.2010 von Christian Ihle
10. Belle & Sebastian: I Want The World To Stop
Ach wie groß waren die Hoffnungen auf eine Rückkehr zu alter Klasse, als Belle & Sebastian ihren Northern-Soul-Knaller “I Want The World To Stop” als erste Single des neuen Albums veröffentlichten. Nicht einmal die melodische Ähnlichkeit zu Gigi D’Agostinos “La Passion” konnte unsere Füßlein still bekommen, tanzen wollten wir, in unseren schönsten Anzügen!
9. CEO: Come With Me
Wer in den letzten Jahren nach krediblem Pop, der überhaupt nicht erwachsen sein wollte, sondern Riot! schrie, ausschau hielt, musste zwangsläufig über die beiden Schweden von Tough Alliance stolpern. Als mit Eric Berglund die eine TA-Hälfte nun 2010 sein erstes Solo-Album unter dem Namen CEO veröffentlichte, war die Spannung groß und tatsächlich, “Come With Me” war eine der besten Singles des Jahres und hatte ein wunderbares, verstörendes Video.
Der beste Nummer 1 Song des Jahres, der nie in den Charts war. Bitte liebe Fernsehmusikredakteure: einmal “Come With Me” bei Germanys Next Top Models Wok-WM im Hintergrund laufen lassen und wir haben endlich wieder einen Nummer 1 Hit aus einer besseren Welt.
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28.12.2010 von Christian Ihle
Bevor wir in den folgenden Tagen die Liste der zehn besten Songs des Jahres veröffentlichen noch einmal ein Blick zurück in das Reich der Hitparaden: welche zehn Songs waren gut und erfolgreich?
Im letzten Jahr riefen wir noch überrascht “kaum sind die Charts nicht mehr relevant, werden sie richtig gut” aus, was sich 2010 leider nicht ganz bestätigte, aber dennoch waren neben einem immer weiter wachsenden Song aus dem Vorjahr (ehrenvolle Verneigung ganz am Ende dieses Textes) doch zehn, zwanzig kleine Goldstückchen in den Charts vertreten.
10. Kylie Minogue: “All The Lovers”

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Beginnen wollen wir mit einer Altmeisterin, die im Gegensatz zu Madonna nach den frühen Teenie-Jahren nie wieder peinlich wurde, sondern seit gut 15 Jahren nun konstant krediblen Pop produziert. Zwar war “All The Lovers” nicht mehr auf dem Dekaden-Song-Erfolgsniveau wie “Can’t Get You Out Off My Head” aber im besten petshopboys Sinne erwachsener Pop!
Charts:
D: 10 / UK: 3
9. The Ting Tings: Hands
Die Ting Tings waren vor drei Jahren eine der überraschenderen Poperfolgsgeschichten mit dem brillanten “What’s My Name” (2007 unsere #4) und dem nicht minder überzeugenden “Shut Up And Let Go” (2008 unsere #4). Für ihr zweites Album zogen die beiden Tings für ein halbes Jahr nach Berlin und produzierten ihre erste Single “Hands” in der deutschen Hauptstadt – kurzzeitig spielten sie den Gedanken, aufgrund ihrer deutschen “Herkunft” die Single “Hans” zu nennen, wie sie dem NME augenzwinkernd erzählten. Im Vergleich mit dem recht ähnlich klingenden Mark-Ronson-Versuch “Bang Bang Bang” der bessere 80ies-Pop-Pastiche.
Charts:
D: – / UK: 29
8. Kanye West: Monster … weiter lesen
27.12.2010 von Christian Ihle
Aus der Reihe “Unglückliche Vergleiche mit Kanye West”, Vol. 647:
“I put myself in the line of fire. It’s like straight up, the kid in Tiananmen Square, the Chinese kid in front of the tank there. I’m in front of the social, the media tank.”
(via Gawker, dort auch mit Video der Pressekonferenz)
Hier live übrigens im Vordergrund Kanye zu sehen, das etwas schwerfällig auf ihn zurollende Gerät sind die Medien:
26.12.2010 von Christian Ihle
10. Christiane Rösinger: “Songs Of L & Hate” (Indiepedia)
Von Kleinkunst-Pastiche (der Song “Berlin”) bis zu Dylan-Hommage (das Albumcover) reichte Christiane Rösingers überraschendes Spätwerk “Songs Of L & Hate” (das im Titel wiederum Leonard Cohen zitierte). Andreas Spechtl, Mastermind der österreichischen Wahlberliner und letztjähriger Album-Des-Jahres-Gewinner Ja, Panik, unterstützte in den Arrangements, gibt Rösingers Ein-Mann-Backing-Band und verheiratet so die Scheitern-als-Kunst-Texte Rösingers mit der zart antreibenden Energie seiner Hauptband.
Höhepunkte:
* Berlin
* Desillusion
* Es Ist So Arg
Charts:
D: – / UK: -
9. Television Personalities: “A Memory Is Better Than Nothing” (Indiepedia)

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Die selbst für TVP-Heads unübersichtliche Diskographie der britischen Do-It-Yourself-Legende Dan Treacy erfuhr in diesem Jahr einen Neuzugang, den wir – ehrlich gesagt – nicht mehr erwartet hatten. Das konziseste Werk, das Treacy seit den 80ern veröffentlicht hat, erstmals seit langem wieder mit einer durchgängig überzeugenden Band und einer ausgefeilten Produktion, die dennoch nie Treacys Verrücktheit zu verstecken sucht. Wahrscheinlich das beste Album des Jahres, das von niemandem gehört wurde. Brillant.
Höhepunkte:
* The Good Anarchist
* Walk Towards The Light
* A Memory Is Better Than Nothing
Charts:
D: – / UK: -
8. Laura Marling: “I Speak Because I Can” (Indiepedia)
Man muss sich immer wieder bewusst daran erinnern: Laura Marling ist 1990 geboren. Gerade 20 Jahre alt geworden. Und hat trotzdem schon das zweite hervorragende Album ihrer Karriere veröffentlicht. Die unprätentiöse Göttin der britischen Folkszene, die von wirklich allen nur mit Bewunderung betrachtet wird, die selbst einen Jack White um Worte ringen lässt (und eine ebenfalls bemerkenswerte kleine Single spontan bei ihrem Studiobesuch aufnimmt), die mit “I Speak Because I Can” den minimalistischen Sound von “Alas I Cannot Swim” behutsam erweitert ohne ihn gleich der Stadion-Folk-Behandlung des Lebensabschnittpartners Marcus Mumford (& Sons) zu unterziehen.
Höhepunkte:
* Goodbye England (Covered In Snow)
* Alpha Swallows
* Devil’s Spoke … weiter lesen
25.12.2010 von Christian Ihle
Auf der anderen Seite des Atlantiks wurde vor allem Lil Waynes Ausflug in das Rockbusiness als einer der niederschmetternden Momente des Jahres wahrgenommen. Unter anderem die Village Voice und AV Club im Folgenden:
“Yet the hottest label around also released one of the year’s biggest flops in Rebirth, a long-threatened, shockingly awful attempt at a rock album by Lil Wayne, who has no business singing or banging away at the few chords he’s learned on electric guitar. Rebirth is an album of fantastic miscalculation, a lobotomized slab of ’80s hard-rock cheese from an artist who seems to have gotten most of his ideas about rock ’n’ roll from David Lee Roth-era Van Halen music videos.”
(AV Club über das Rockalbum des Hip-Hop-Stars Lil Wayne)
“Lil Wayne’s rock album was as “eagerly anticipated” as tax season, a divorce court hearing, or the icy embrace of death itself. Watching the gifted rhymer
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25.12.2010 von Christian Ihle
Während Damon Albarns Mega-Super-Group ihre erste große Tournee absolviert hat und unter anderem Berlins Tempodrom in den Grundfesten erschütterte, hat der gute Damon an seinem neuen Gadget gespielt und ein komplettes Album an Demos auf seinem iPad aufgenommen.
“The Fall”, eben jenes Demoalbum, gibt es heute auf der Gorillaz-Seite for free – und eine komplette Liste, der von Damon für die Aufnahmen verwendeten (siehe ganz unten) iPad-Apps, für alle Apple-Nerds!

Zum Album
Tracklisting:
# PHONER TO ARIZONA
Recorded in Montreal on 3rd October
# REVOLVING DOORS … weiter lesen
24.12.2010 von Christian Ihle

Da wir ja – wie bereits mehrfach erwähnt – sehr begeistert vom Debüt von Let’s Wrestle sind, machen wir uns selbst ein Weihnachtsgeschenk und featuren die drei Briten in unserer freitäglichen “My Favourite Records” – Rubrik am Weihnachtstag!
* Your three favourite Punk singles/songs?

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** ‘Hybrid Moments’ – The Misfits
** ‘Let’s build A Car’ – Swell Maps
** ‘Fight/American Justice’ – Scream

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* A record that will make you dance? … weiter lesen
23.12.2010 von Christian Ihle

Es mag viel erstaunliches an den Girls, der Zweimannband aus San Francisco, geben, aber letzten Endes überrascht doch immer am meisten, dass die scheinbare Simplizität von Songs und Lyrics nicht etwa dazu führt, dass man sich schnell verliebt, aber wieder überdrüssig wird, sondern dass Girls das Gegenteil eines Onenightstands sind. Wie schon beim Debütalbum gilt für die recht überraschend erschienene EP wieder: neben den sofort als Hits zu identifizierenden Songs wachsen die ursprünglich nur als Füllermaterial angesehenen Lieder mit jedem Abspielen weiter, so dass wir erneut ein in sich geschlossenes, verdammt gutes und – das ist eben das überraschende – Woche um Woche besser werdendes (Mini-)Album bekommen haben.

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Wer bisher nur die drei großen Girls-Songs „Lust For Life“, „Hellhole Ratrace“ (unsere Songs des Jahres 2009) sowie „Morning Light“ kennt, wird vom recht kontemplativen Sound vielleicht überrascht sein. Wer allerdings die b-Seiten der erwähnten Singles bereits gehört hat, weiß, wo diese EP herkommt. Durchgehend ruhige Stücke, mal wie bei „Heartbreaker“ zart countryfiziert wie ihre Cover-Version des Skeeter-Davis-Klassikers „End Of The World“ („Morning Light“ b-Seite), mal wie beim wundervollen „Thee Oh So Protective One“ mit versteckten Doo-Wop- und Brill-Building-Einflüssen, die man auch auf dem Burt-Bacharach-zitierenden „Life In San Francisco“ („Lust For Life“ b-Seite) schon vernehmen … weiter lesen