Die besten Songs des Jahres 2011

10. Die Heiterkeit: Die Liebe eines Volkes hat mich zur Königin gemacht


Es gibt sie also doch noch, die schönen Geschichten aus dem Untergrund. Die Heiterkeit sind drei junge Damen aus Hamburg, die auf ihrer herausragenden Debüt-EP gleich vier gute Songs veröffentlichen, die irgendwo zwischen Britta, Lassie Singers, Velvet Underground und Marlene Dietrich ihr Plätzchen finden. Neben „Alles ist so neu und aufregend“ ist vor allem das nonchalante „Die Liebe eines Volkes hat mich zur Königin gemacht“ von dermaßen viel Charme, dass die Hamburgerinnen geradewegs in unsere Top Ten gestürmt sind. Mangels Youtube, Soundcloud etc Videos hier wenigstens ein Gastauftritt mit den Freunden von der Gruppe Ja, Panik:

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9. Noah & The Whale: L.I.F.E.G.O.E.S.O.N.


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Noah & The Whale haben auch eine erstaunliche Transformation durchgemacht. Zuerst Folklieblinge, die sich rühmen können, sowohl Emmy The Great als auch Laura Marling als backing singer vor deren Solophase aufgeboten zu haben, dann ein reich arrangiertes Zweitalbum und nun ihre Los-Angeles-Middle-Of-The-Road-Phase bei Album 3, die nun wirklich a) niemand erwartet hat und b) besser gelingt als sie eigentlich dürfte. „L.I.F.E.G.O.E.S.O.N.“ ist dabei ohne Zweifel der herausragende Song und das beste, was Lou Reed seit „Street Hassle“ nicht geschrieben hat.




8. The Strokes: Under Cover Of Darkness



Ja. Für eine Band wie The Strokes, die nicht nur ein Jahrzehntalbum, sondern auch zwei sträflich unterschätzte Folgealben veröffentlicht hat, ist das halbgare „Angles“ eine derbe Enttäuschung. Aber selbst auf dem füllerreichen Viertwerk sind wieder eine handvoll toller Songs. Der beste davon die erste Single „Under Cover Of Darkness“, die einerseits beinah frech den eigenen Strokes-Sound zitiert, aber doch komplexere Strukturen als die frühen Singles aufweist. Wenn die Strokes wirklich over and out sind, dann wollen wir sie so in Erinnerung behalten.




7. WU LYF: Such A Sad Puppy Dog


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(studioversion)

Als vor eineinhalb Jahren das Demo von „Such A Sad Puppy Dog“ auf youtube gestellt wurde, ging die zweite Hälfte des tomwaitshaftigen Nachtlieds noch unvermittelt und a propos of nothing in 2pacs „Shorty Wanna Be A Thug“ über. Aus wohl rechtlichen Gründen bekommen wir nur die reine Lullaby-Variante auf WU LYFs Debütalbum zu hören, aber immer noch ist „Such A Sad Puppy Dog“ ein stiller Höhepunkt im Soundgewitter der besten britischen Band der letzten Jahre. Live dargeboten, siehe obiges Video: eine Hymne, eine Explosion.




6. Metronomy: The Bay


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Metronomy waren die Singles-Band 2011. Ob „The Look“, „She Wants“ oder eben „The Bay“ – alles Volltreffer. „The Bay“ ist dabei der hipste Song des Jahres – this isn’t Paris, this isn’t London and it’s not Berlin.




5. Tyler, The Creator: Yonkers


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Tyler und die Odd Future Gang haben vielleicht nicht ganz die Vorschusslorbeeren einkassieren können und das Tyler-Album mag bei allen Hits auch wirklich zu lang geraten sein, aber „Yonkers“ war die irrste Hip-Hop-Debüt-Single seit Jahren (zumindest wenn man als Debüt das erste Auftreten im Mainstream interpretiert). Tyler und Kollegen waren 2011 vor allem „Yonkers“ und ihre Liveauftritte. „I’m a fucking walking paradox / no, I’m not“.



4. Locas In Love: Manifest


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Das Manifest, ein prototypischer Locas-In-Love-Text:

Da ist kein Gegensatz von Zerstörung zu sehen
Und trotzdem weder bitter noch hart zu werden
Mein Herz ist groß genug für einen Hass und eine Liebe, die alles durchdringt
Kein Mensch wird das ändern, kein System und keine zehn Pferde

Und es kommt nicht darauf an, dass wir zerstören
Sondern was wir zerstören und warum wir es tun
Nicht aus Angst vor Gott, den Lehrern oder wirtschaftlicher Verelendung
Ich brauche einen Grund

Da ist kein Widerspruch Liebeslieder zu singen
Und trotzdem nichts aus den verliebten Augen zu verlieren
Von der Angst und der Wut, und dem Hass auf die Dinge
Kein Mensch, kein System kann diese Liebe zerstören

Faust in dem Himmel und gleichzeitg die geliebten Menschen in den Arm.




3. Ja, Panik: Nevermind


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Im November veröffentlichte die Burgenland Five dann doch noch eine richtige Single von ihrem Album des Jahres, dessen Video in ihrer Berliner WG selbst gedreht wurde. Jede Strophe handelt von einem anderen Bandmitglied und wäre allein schon songdesjahreswürdig – wenn Spechtl aber am Ende, nach einem kurzen Gitarrengewitter, die abschließenden Hasszeilen singt, spätestens dann wird klar: es gibt niemanden derzeit, der der Gruppe Ja Panik das Wasser reichen könnte:

Und am Ende bleib‘ ich übrig,
wie sich das so gehört
Ich lerne langsam sprechen
und dass man sich nicht selbst zerstört
Doch vielleicht sollt‘ ich davon gar nicht lassen
Es hat ja alles keinen Sinn
Der Hass hat sich so tief in mich gefressen,
dass ich wohl ganz verloren bin





2. The Rapture: How Deep Is Your Love


In einem Nichtjapanikjahr wäre „How Deep Is Your Love“ mit weitem Abstand Single des Jahres gewesen, denn einen derartigen Smashhit haben selbst die New Yorker seit ihrem eigenen „House Of Jealous Lovers“ (neben „Last Nite“ der Strokes wohl der stilprägendste Song der letzten Dekade) nicht mehr veröffentlicht. Dass das Video nur eine Vinylscheibe und eine Diskokugel zeigt, ist mehr als richtig. Minimalistisch, in die Vergangenheit verliebt und DISCO schreiend.




1. Ja, Panik: DMD KIU LIDT


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Platz 3 und Platz 1 und dann noch die Albumcharts? Und ja, als tatsächliche Albumauskopplung ist sicher The Raptures „How Deep Is Your Love“ die Single des Jahres gewesen, aber: zu welchem Song war man so oft betrunken und glücklich auf dem Wohnzimmerboden vor der Stereoanlage gelegen, mit der Freundin im Arm, mit niemandem im Arm, mit einem Freund im Arm, mit der Freundin im Arm… Wie arg zieht DMD KIU LIDT in diese Welt hinein und wie verblüffend ist es beim ersten, vielleicht zweiten Hören zu bemerken, dass diese fremde Welt auf einmal die eigene wird, weil man immer mehr von sich selbst erkennt. Ein verrückter, irrer, buchstäblich wahnsinniger Song.

Und wird doch eines nicht allzu fernen Tages alles in Flammen stehen: nicht Tocotronic, sondern Ja, Panik werden den Soundtrack bereiten, denn there’s a fire they have lit, it’s called DMD KIU LIDT.



Auch empfehlenswert:


11. Ja, Panik: Evening Sun
12. Alabama Shakes: I Found You
13. Ja, Panik: Run From The Ones That Say I Love You
14. Cults: Go Outside
15. WU LYF: Spitting Blood
16. Azealia Banks: 212
17. Chuckamuck: Caroline
18. WU LYF: We Bros
19. This Many Boyfriends: Young Lovers Go Pop
20. Alex Turner: It’s Hard To Get Around The Wind


21. Nicolas Jaar: Space Is Only Noise You Can’t See
22. Chuckamuck: Gestern Traf Ich Dan Treacy
23. Milk Music: Beyond Living
24. Moon Duo: Mazes
25. Girls: Vomit
26. Jay-Z & Kanye West: No Church In The Wild
27. WU LYF: Dirt
28. Herman Dune: Tell Me Something I Don’t Know
29. The Smiths Westerns: All Die Young


30. Finn.: Private Dancer
31. Girls: Honey Bunny
32. Metronomy: The Look
33. The Low Anthem: Hey, All You Hippies!
34. Tribes: We Were Children
35. Friends: I’m His Girl
36. Those Darlins: Screws Get Lose
37. Laura Marling: All My Rage
38. Citizens!: True Romance
39. PJ Harvey: Last Living Rose
40. Joe Goddard feat. Valentina: Gabriel


41. Acid House Kings feat. Dan Treacy: Heaven Knows I Miss Him Now
42. Wild Flag: Racehorse
43. Lana Del Ray: Video Games
44. The Strokes: Taken For A Fool
45. The Black Lips: Bone Marrow
46. The Strange Boys: Punk’s Pajamas
47. The Chapman Family: Kids
48. The Wave Pictures: Now Your Smile Comes Over In Your Face
49. Frankie & The Heartstrings: Hunger
50. Puro Instincto feat. Ariel Pink: Stilyagi




Vorjahressieger:
2010: Best Coast: „When I’m With You“
2009: Girls: „Lust For Life“ und „Hellhole Ratrace“ (geteilter erster Platz)
2008: Crystal Castles vs. HEALTH: „Crimewave“
2007: The Cribs feat. Lee Ranaldo: „Be Safe“
2006: The Strokes: „Heart In A Cage“



Und 2010?

1. Best Coast: When I’m With You
2. Blur: Fool’s Day
3. The Drums: Down By The Water
4. Magic Kids: Hey Boy
5. Kath Bloom: Heart So Sadly
6. The Smith Westerns: Be My Girl
7. Girls: Substance
8. Clinic: Baby
9. CEO: Come With Me
10. Belle & Sebastian: I Want The World To Stop

Und 2009?

1. Girls: „Lust For Life“ und „Hellhole Ratrace“ (geteilter erster Platz)
2. Element Of Crime: “Kaffee und Karin”
3. The Horrors: “Who Can Say”
4. We Were Promised Jetpacks: “It’s Thunder And It’s Lightning”
5. Jamie T: “Sticks & Stones”
6. The Wave Pictures: “Tiny Craters In The Sand”
7. The Maccabees: “No Kind Words”
8. Julian Casablancas: “11th Dimension”
9. Fehlfarben: “Nichts erreicht meine Welt” (live)
10. Felice Brothers: “Penn Station”

Mit Text? Hier


Und 2008?

1. Crystal Castles vs. HEALTH: Crimewave
2. Glasvegas: Daddy’s Gone
3. Wild Billy Childish & The Musicians Of The British Empire: He’s Making A Tape
4. Hot Chip: Ready For The Floor
5. MGMT: Kids
6. HEARTSREVOLUTION: C.Y.O.A.
7. 1000 Robota: Ich blicke an dir vorbei
8. The Mae-Shi: Run To Your Grave
9. Be Your Own PET: Becky
10. Mystery Jets feat. Laura Marling: Young Love

Mit Text? Hier


Und 2007?

1. The Cribs feat. Lee Ranaldo: „Be Safe“
2. Emmy The Great: “Easter Parade”
3. M.I.A.: “Paper Planes”
4. Babyshambles: “There She Goes (A Little Heartache)”
5. Die Türen: “Indie Stadt”
6. The Indelicates: „Julia, we don’t live in the 60ies“
7. Tocotronic: “Kapitulation”
8. Joe Lean & The Jing Jang Jong: “Lucio Starts Fires”
9. Black Lips: “Bad Kids”
10. Glasvegas: “It’s My Own Cheating Heart That Makes Me Cry” (demo)

Mit Text? hier

Und 2006?

1. The Strokes: „Heart In A Cage“
2. Love Is All: „Spinning & Scratching“
3. Dirty Pretty Things: „Bang Bang You’re Dead“
4. Guillemots: „Trains To Brazil“
5. Clap Your Hands Say Yeah: „Upon This Tidal Wave Of Young Blood“

Mit Text? hier

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  3. Nette Zusammenstellung und einiges Neues gibt es auch zu entdecken!
    Ergänzend hierzu finde ich diese Bestenliste des besten Rock-Album 2011 sehr interessant.
    Dank den Best-of-Rankings erhält man stets eine gute Zusammenfassung und somit Übersicht über Gute/Weniger Gute/ Noch Unbekannte Musik =)

  4. Pingback: Believe The Hype (3): US Indie Rock – we still heart The Strokes. | Monarchie & Alltag