vonChristian Ihle 09.06.2016

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Manchmal ist es irr, wie sich Bands entwickeln. Klar, wir haben Die Heiterkeit von Beginn an mit großem Interesse verfolgt, die allererste EP bereits 2011 in unsere Jahres-Top-10 gewählt und uns in das (bis heute unveröffentlichte!) „Mädchen mit dem schmutzigen Mund“ auf YouTube verliebt.

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Und sicher, auch das zweite Album „Monterey“ war schon eine enorme Weiterentwicklung zu den Twee-Pop-Anfängen, bestach mit seiner Mischung aus angenehmer Arroganz und misstrauischer Misanthropie in Songs wie „Daddy’s Girl“ und „Pauken & Trompeten“ („Die Heiterkeit ist hier gewesen / Du liebst mich immer noch wie am ersten Tag / und wenn ich will, lässt das nie mehr nach“). Aber hätte uns das auf Die Heiterkeit 2016 vorbereiten können?

Erneut ein Besetzungswechsel (mit Bassistin Rabea hat sich auch das letzte verbliebene Ursprungsmitglied außer Sängerin Stella Sommer verabschiedet), ein neues Label (von Staatsakt zu Buback, also ein Wechsel innerhalb der höchsten deutschen Indie-Liga) und ein neues Album. Aber was sag ich! Ein Album? Nee, ein Doppelalbum. Mit Harmonien, Chören und einer ganzen Busladung heimischer Indiestars im Background! (Für genau einen Satz, ganz Superstarfighter-Blumfeld-Style!)

Und was für ein Titel! „Pop & Tod“! Ja!


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Wie zuvor bestimmt Stella Sommers tieftönende Stimme den Sound der Band, aber auf „Pop & Tod“ sind die Arrangements ausgefeilter, singen mehrstimmige Harmonien ihre bestechenden Melodien. Viele dieser Lieder könnte man herausgreifen, das von der Tagesaktualität überraschte „Panama“, das bezaubernde „Im Zwiespalt“ oder Schlussstück „Haben die Kids“ mit Dagobert, Nagel und all den anderen im Background. Der verblüffendste Song ist aber „The End“, mit dem Die Heiterkeit ihr „You Can’t Always Get What You Want“ geschrieben haben und uns versichern: „Es kommt immer anders als gedacht“ – aber dennoch inmitten dieser oft dunklen Texte die Hand reichen und ein Lichtlein anzünden: „Es wird in Ordnung sein“.
Haben die Kids es geliebt? Aber sicher doch.


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Bisherige Songs der Woche:
* Blue Angel Lounge – The Man From Nowhere
* Pete Doherty – The Whole World Is Our Playground
* LUH. – $ORO
* Emmy The Great – Swimming Pool
* Teleman – Dusseldorf
* Chorusgirl – Sweetness & Slight
* The Blood Arm – Schönhauser Allee
* Falscher Ort, Falsche Zeit – Power Pop & Mod Sounds from Germany, Austria & Switzerland 1980-1990
* Money – A Cocaine Christmas And An Alcoholic’s New Year
* Pet Shop Boys – Pop Kids
* Drangsal – Allan Align
* Josh T Pearson – Sweetheart I Ain’t Your Christ
* Beat Happening – Bewitched
* Fat White Family – Whitest Boy On The Beach
* Die Nerven – Barfuß durch die Scherben gehen
* Fehlfarben – So hatten wir uns das nicht vorgestellt
* The Libertines – Heart Of The Matter
* Fidlar – 40 Oz On Repeat
* Isolation Berlin – Isolation Berlin

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