First Listen: The Strokes – Comedown Machine




Es war durchaus eine ziemliche Überraschung, als die Strokes nach dem für ihre Verhältnisse doch mit mäßiger Begeisterung aufgenommenem letzten Album „Angles“ vor sieben Wochen mehr oder minder aus dem Nichts den ersten Song einer in Bälde erscheinenden Platte namens „Comedown Machine“ auf soundcloud veröffentlichten:


One Way Trigger Soundcloud Link


Noch größer war die Überraschung bzw. Irritation als das Lied erst einmal durchs Netz gehallt war: kein Strokes-by-Numbers, kein altersmilder Last Nite – Abklatsch wie noch der erste Song des vorherigen Albums („Undercover Of Darkness“), sondern ein wilder, flirrender und unruhiger Track, der am ehesten noch an die Talking Heads der frühen 80er erinnerte, an die Cars, ja, meinetwegen in der Melodielinie dann halt auch an a-ha’s „Take On Me“. Aber wer ein wenig Geduld walten ließ und sich auf mehrere Hördurchgänge einlassen konnte, der wurde mit dem besten Strokes-Song seit 2006 belohnt. Sollte also doch die wichtigste Band der Nullerjahre noch einmal (ein letztes Mal?) mit einem Bang zurückkehren? Vielleicht doch den Is-This-It-Mühlstein der Generationenplatte abwerfen können um einen unbefangenen Neustart / ein letztes Hurra zu starten?




Nun also die neue Platte, auf Pitchfork seit gut 24 Stunden im Stream zu hören und hier unser erstes Urteil:

Es ist: ein Album! Juchhe! Und damit schon einmal etwas, das „Angles“ nie war.
Eine Platte, die klingt als sei sie in einem Guss geschrieben und aufgenommen worden, die einen schlüssigen Gesamtsound besitzt und eben nicht wie beim letzten Mal eine Ansammlung von Songs darstellt, die fünf Typen eingespielt haben, die ihre Visagen nicht mehr sehen können.

Eine handvoll Hits, allen voran das von Abspielvorgang zu Abspielvorgang immer besser werdende, irre „One Way Trigger“,
einige ziemlich interessante Ansätze, die man so von den Strokes nicht erwartet hätte („Call It Fate Call It Karma“!), kaum Strokes-Eigenkopien (eigentlich nur die erste richtige Single „All The Time“, die wie ein matter Rückgriff auf längst vergangene Zeiten wirkt), aber dafür manche Anklänge an die eigene, weniger mit dem typischen Strokes-Sound assoziierte Vergangenheit („50 50“, das etwas auf das damals verblüffende „Ask Me Anything“ des dritten Albums oder die Demoversion von „You Only Live Once“ zurückgreift).





Doch im Ganzen ist das Album vor allem Achtziger – und damit, erstaunlicherweise näher am so viele verwirrenden Vorabsong „One Way Trigger“ als an der ersten „richtigen“ Single „All The Time“. Es ist ein bisschen, als wäre die Leadsingle des zweiten Albums, „12.51“, nach acht Jahren auf einmal zu einem Album gewachsen.


http://www.dailymotion.com/video/xueu1


Natürlich ist „Comedown Machine“ kein neues „Is This It“, aber wer erwartet schon auch alle zwölf Jahre Wunder & Gottesgeschenke?
Auf den ersten Eindruck ist die Platte vom Gesamtklang sogar runder als das nie so wirklich mit dem verdienten Ruhm versehene „First Impressions Of Earth“, dafür erreicht die „Comedown Machine“ nicht ganz die Dichte und Wucht der vor allem zweiten „First Impressions“ – Hälfte (die bedauerlicherweise sehr unterschätzt wird, weil ohne Singles-Stoff damals – aber im Rückblick mit seinen „Electrictyscape“s, „Visions Of Division“s oder „Ize Of The World“s sogar besser gealtert ist alles der Strokes mit Ausnahme des Debüts).



Fazit: Erstmal erleichtert. Mehr wird die Zukunft zeigen.




Bonustracks, um die Gelegenheit einmal zu nutzen, an die vergessenen, oben bereits angesprochenen Knallersongs des dritten Albums „First Impressions Of Earth“ zu erinnern:



Electrictyscape. „You belong on the radio.“

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Vision Of Division. „I can’t get along with all your friends“

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Ize Of The World.

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„A desk to organize,
A product to advertise,
A market to monopolize,
Movie stars to idolize,
Leaders to scandalize,
Enemies to neutralize,
No time to apologize,
Fury to tranquilize,
Weapons to synchronize,
Cities to vapor-„

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