Die besten neuen Filme auf Amazon Prime (September)

Ich stehe ja den Film-Streaming-Diensten eher kritisch gegenüber, weil aus meiner Sicht ein viel zu großes Augenmerk auf den Serien-Stolz gelegt wird und dafür die Filmauswahl allzu durchschnittlich bleibt. Wühlt man sich tief in den Katalog ein, kann man dennoch ein paar Perlen finden. Hier die besten Filme, die in der zweiten September-Hälfte neu auf Amazon Prime gestellt wurden:

Ich, Daniel Blake

Ken Loachs letztjähriger Cannes-Gewinner ist, nun ja, Ken-Loach-Kino in Reinform: ein wütendes Manifest gegen die Ungerechtigkeit des Lebens. Immer manipulativ und trotzdem anrührend. Man müsste ein Stein sein, um sich trotz aller Offensichtlichkeiten nicht von „Ich, Daniel Blake“ berühren zu lassen.

Personal Shopper

Ein weirdes, stranges Biest serviert Olivier Assayas mit Personal Shopper. Ghost Mystery? Depressionsdrama? Arthouse-Thriller? Egal, eine fantastische Kristen Stewart, ein toller Soundtrack (der erst kürzlich hier im Popblog zu einem „Song der Woche“ verholfen wurde) und ein rätselhaftes Ende machen „Personal Shopper“ zu einem Karrierehöhepunkt von Assayas. (ausführliche Besprechung hier)

Grizzly Man

Es gilt natürlich die Regel: JEDE WERNER HERZOG DOKUMENTATION IST PFLICHT.Für Grizzly Man vielleicht sogar noch im Besonderen, war Herzog doch tatsächlich hier für den Oscar nominiert und ist seine Geschichte über Timothy Treadwell, der unter Grizzly-Bären lebte und durch sie sein Leben verlor, ein Paradebeispiel über Herzogs Leitthemen des wunderlichen Außenseiters und die nicht im Zaum zu haltende Grausamkeit der Natur.

Napoleon Dynamite

Ein Weirdo-Paradefilm – sicher nicht jedermanns Geschmack, aber mit so feinem Händchen geschrieben, dass wir mit dem Außenseiter und nicht über ihn lachen. Wer auf nichtoffensichtliche Komödien steht, für den zündet Napoleon Dynamite.

The Untouchables

„The Untouchables“ ist filmgeschichtlich gleich für (mindestens) zwei Aspekte berühmt: Brian De Palmas Verfilmung der Jagd auf Al Capone war der Karrierestart von Kevin Costner und die Veredelung einer langen, stolzen Laufbahn für Sean Connery, der für „Untouchables“ seinen ersten und einzigen Oscar gewann. Zurecht, ist Connery doch das pochende Herz dieses Films. Bemerkenswert ist auch De Palmas Verneigung vor der berühmten „Treppensequenz“ aus Panzerkreuzer Potemkin, die er hier in einem Suspense-Meisterstück nach Amerika überträgt.

American Psycho

Das Klischee des unverfilmbaren Buchs trifft auf Bret Easton Ellis „American Psycho“ ohne Zweifel zu. Wie soll man auch seitenlange interne Monologe über die Armani-Anzüge von konkurrierenden Wall Street Brokern auf die Leinwand bringen? Ganz zu schweigen von einer Brutalität, die ihresgleichen sucht. Bis heute habe ich kein Buch gelesen, das auch nur annähernd mit der Grausamkeit von „American Psycho“ Schritt halten kann. Mary Harrons Verfilmung aus dem Jahr 2000 setzt „American Psycho“ dann auch frei und konsequent als Farce, als Groteske um, und schafft so tatsächlich das Unverfilmbare für die Leinwand zu interpretieren. American Psycho war zudem der Karrierestarter für Christian Bale.

Fight Club

Ein Jahrzehntfilm. Kaum ein Film seit der Jahrtausendwende hatte so einen popkulturellen Impact wie David Finchers Verfilmung des Chuck Palahniuk Romans mit Brad Pitt und Edward Norton. Überstylische Ultraviolence gekleidet in Revolutionschic mit der besten Endsequenz seit ungefähr ever. Die Pixies wurden nie besser in einem Film eingesetzt.

Zwielicht

A propos Ed Norton: mit dem Gerichtsthriller „Zwielicht“ begann die Karriere von Norton, der für einige Jahre der faszinierendste Schauspieler Hollywoods war. Wer Zwiellicht, Fight Club und American History X gesehen hat, weiß wovon ich spreche. In Zwielicht spielt der junge Norton den alten Schleimhaudegen Richard Gere an die Wand und ist der eigentliche Grund, warum dieser unterhaltsam twistende Thriller auf die Watchlist gehört.

Einfach das Ende der Welt

Erstaunlich früh findet sich „Einfach das Ende der Welt“ auf Amazon Prime wieder: der letzte Film des kanadischen „Wunderkinds“ Xavier Dolan („Einfach das Ende der Welt“ ist bereits sein sechster Film und Dolan ist immer noch keine 30!) war nach seiner letztjährigen Cannes-Premiere umstritten, aber für Freunde der unnachgiebigen Melodramatik hat Dolan immer eine ganze Wagenladung neues Futter dabei.

Heat

Ein Königsfilm des Thriller-Genres. Michael Mann war nie besser als in dieser zweieinhalbstündigen Betrachtung eines Polizei-Gangster-Katz-und-Maus-Spiels. Heat war auch deshalb zu seiner Veröffentlichung legendär, weil die beiden zur damaligen Zeit besten Schauspieler der Welt – Robert De Niro & Al Pacino – zum ersten Mal überhaupt in einer gemeinsame Szene waren. Der zentrale Shoot-Out setzte Meilensteine – und ganz ehrlich: ich kann immer noch keine Verfilmung einer innerstädtischen Schießerei sehen ohne zu denken: das hatte Heat aber damals besser gemacht. Ein Must-See.

The Town

In dem Genre des Hochglanz-Großstadt-Thrillers, das „Heat“ für immer definierte, ist Ben Afflecks „The Town“ ein lobenswerter Beitrag. Ausladend, aber einnehmend, ist „The Town“ trotz „Argo“ der eigentliche Topfilm, bei dem Affleck Regie führte. Der Mitt-2000er Clint Eastwood (siehe Mystic River etc) ist eine gute Referenz.

Zeiten des Aufruhr

Sam Mendes (American Beauty) Ehedrama mit dem Titanic-„Traumpaar“ Di Caprio & Winslet ist ein wirklich empfehlenswerter Film, der die Leere und Traurigkeit einer feststeckenden Beziehung in klassischen Bildern einfängt und keinen einfachen Ausweg bietet. Kein tearjerker, mehr eine Meditation über die vielen Wege, ein Leben zu verpfuschen.

Mondo Balordo

Eine Kuriosität und, nun ja, sicher nicht mitreissend unterhaltsam, aber als zarter Einstieg in den „Mondo“-Craze der 60er geeignet: Boris „Frankenstein“ Karloff spricht aus dem Off über Dokumaterial zu kuriosen Perversitäten aus der ganzen Welt. Amüsant, dass auch Deutschland mehrfach vorkommt: lesbische Frauen im Hamburg, Volksfest-Frauen-Catchen in Süddeutschland und Burschenschaften. Was Ausländer eben am Merkwürdigsten an Deutschland finden.

Die beste neue Serie:

Die Brücke – Staffel 3

Die Brücke ist eine der besten skandinavischen Krimiserien. Sowohl das englische (The Tunnnel) als auch das amerikanische (The Bridge: America) Remake können dem Original nicht das Wasser reichen. Im Gegensatz zu „The Killing“ beansprucht „Die Brücke“ die Glaubwürdigkeit machmal zwar über, aber dennoch hält auch die dritte Staffel des dänisch-schwedischen Originals die hohe Qualität der ersten beiden Seasons. Man kann übrigens problemlos auch mit Staffel 3 starten, die einzelnen Seasons bauen nicht notwendigerweise aufeinander auf. (ausführliche Besprechung hier)

Neue Musikfilme:

New York Dolls – Looking Fine On Television
Murder City Devils: Rock N Roll Won’t Wait

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