vonChristian Ihle 21.05.2020

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Die ursprünglich aus Münster stammende Post-Punk-Band Messer war mit einigen Zeitgenossen – wie Die Nerven – im letzten Jahrzehnt hauptverantwortlich dafür, dass die hiesige Musikszene so spannend war wie lange Zeit nicht mehr. Nachdem Sänger Hendrik Otremba zwischenzeitlich zwei Romane geschrieben hatte, veröffentlichte die Band zu Beginn des Jahres ihr viertes Album „No Future Days“, das den Post-Punk der früheren Werke in eine dubbigere Richtung weiterdachte und damit beispielsweise einem Pfad folgte, den auch The Clash in ihrer Karriere beschritten und sich in Richtung The Slits neigt.

Nachdem ich zum letzten Album ein schön ausführliches Gespräch mit Sänger Hendrik Otremba über die Band, das Musikbusiness und den Journalismus geführt habe (hier nachzulesen), ist für diese Platte die ganze Gruppe Messer Gast im Popblog, um uns ihre Lieblingsplatten vorzustellen:

* Die drei besten Punksongs/-singles?

Hendrik: Isolierband – Keine Gnade

Milek: Hüsker Dü – Something I Learned Today

Pogo: The Clash – The Magnificent Seven

Philipp: Unbroken – Absentee Debate

* Ein Song, der Dich immer zum Tanzen bringt?

Philipp: Round One – I’m Your Brother

Pogo: Talking Heads – Once in a Lifetime

Hendrik: Ricchi e Poveri – Sara perque ti amo

Milek: Lionel Richie – All Night Long (All Night) (Single Version)

* Die interessanteste / beste „neue“ Band/Künstler ist?
… und was ist so großartig an dieser Band/Künstler?

Hendrik: black midi: Die jugendliche Energie

Philipp: Wolfi Möstls Ambientprojekt „Voyage Futur“: Die präzis abgesteckte Grenze zur Esoterik

Milek: Grey: Er transportiert Themen wie Tierrechte und Veganismus in den Hip-Hop.

Pogo: Genesis Reunion: Phil Collins Stimme

* Deine liebste deutschsprachige Textstelle?

Pogo:

„Alle Leute reden wenn sie dich sehen
die Lehrer in der Schule wollen dich nicht verstehen
Ein Buch mit sieben Siegeln bist du für sie
Du bist wie du bist
und du bist eben nicht wie die“

(Ted Herold – Rockabilly Willy)

Philipp:

„Tagsüber ist es egal, tagsüber ist man nicht im Bett und schläft.“

(Station 17 – Die Uhr spricht)

Hendrik:

„Ich sehe aus, wie ein Mensch, damit man mich erkennt. Aber von Kopf bis zu den Zehen, bin ich ein Riss, ich will durch Wände gehen.“

(Kristof Schreuf – Bourgeois with guitar)

Milek: Kenne leider keine relevante, deutschsprachige Textstelle

* Der beste Song über Revolte, Aufruhr und Revolution?

Philipp: Georg Kreisler – Vorletztes Lied

Pogo: Junior Murvin – Police and Thieves

Hendrik: Rage Against The Machine – Testify

Milek: The Smiths – The Headmaster Ritual

* Der beste Song, den Du je geschrieben / aufgenommen hast?

Philipp: Kein kompositorisches Meisterwerk, aber weil ich gerade Nostalgiewochen hatte: Ritual – Stone and Glass

Hendrik: New York. Oder: Schaumbergs Vermächtnis (aber die unveröffentlichte Demo!).

Pogo: Will mich nicht festlegen, da ich das morgen vermutlich anders sehen würde.

Milek: Da schließe ich mich der Antwort von Pogo an.

* Peter Hein, Rio Reiser oder Jochen Distelmeyer – und warum?

Pogo: Peter Hein, er war bei der besten Platte dabei.

Milek: Peter Hein: weil P.H. in der Band gespielt hat, die nach ihm eine der besten, deutschsprachigen Platten aufgenommen hat.

Hendrik: Peter Hein, wegen der Lektionen in Konsequenz.

Philipp: Jochen, weil er die schönsten Songs hat.

* Das beste Buch über Musik?

Pogo: Glückstage in der Hölle: Wie die Musik mein Leben rettete
Hendrik: No regrets. Writings on Scott Walker
Philipp: Bass Culture von Lloyd Bradley
Milek: Songs That Saved Your Live: The Art Of The Smiths 1982-1987

* Der beste Film über Musik?

Milek: Thrash Altenessen

Hendrik: Let’s get lost

Philipp: The Upsetter, The Life and Music of Lee Scratch Perry

Pogo: Magic Sticks

* Was man auf jeden Fall von Werner Herzog gesehen haben muss?

Philipp: Gasherbrum

Pogo: Bad Lieutenant

Hendrik: Lektionen in Finsternis

Milek: Nosferatu, Phantom der Nacht

* Der beste Song im letzten Jahr war?

Pogo: Francois Dillinger – Diaspora

Hendrik: Jungstötter – Into Deep

Philipp: Weyes Blood – A Lot’s Gonna Change

Milek: Grey – All I Ever Wanted

* Die beste deutsche/deutschsprachige Platte?

Pogo: Hoelderlin – Fata Morgana

Hendrik: Campingsex – 1914!

Philipp: Blumfeld – Old Nobody

Milek: Fehlfarben – 33 Tage in Ketten

* Die beste Platte aller Zeiten?

Milek: Es gibt viele, aber ich entscheide mich für This Heat – Deceit

Philipp: Heute sage ich mal Rhythm & Sound w/ the Artists, immer wieder ein Genuss.

Pogo: Es gibt zu viele… möchte mich heute aber für das Album „Can’t Buy a Thrill“ von Steely Dan aussprechen.

Hendrik: Die Frage ist natürlich Quatsch, aber die universelle, allgemeingültige Antwort lautet gerade in diesem Augenblick „Sketches Of Spain“ von Miles Davis

Das neue Album „No Future Days“ von Messer ist bereits erschienen:

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https://blogs.taz.de/popblog/2020/05/21/my-favourite-records-mit-messer/

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kommentare

  • Ergänzend möchte ich noch erwähnen, dass „DECEIT“ von David Cunnigham (Flying Lizards) produziert wurde, während das Debütalbum von This Heat neben Cunningham noch Anthony Moore, aus dem Umfeld
    von Henry Cow und Slapp Happy, als Produzent aufwies, was man, wie ich finde, auch irgendwie raushört.

    Anthony Moore hat im Übrigen, um das nerdige namedropping noch auf die Spitze zu treiben, ca. 1980 ein großartiges, John-Cale-eskes Songalbum namens „FLYING DOESN’T HELP“ veröffentlicht, das leider nie die verdiente Beachtung gefunden hat.

  • Großartiges Set mit dem Höhepunkt This Heat „DECEIT“, wobei ich die erste This-Heat-LP, vor allem wegen des Songs „Not Waving“, ebenbürtig finde.

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