“Es ist eben nicht mehr so ist, dass jemand ein Boot baut, um Leute zu befördern und sich dafür Geld leiht, um es zu bauen und dafür ein wenig mehr Geld zurückzahlen muss. Sondern dass man jetzt darauf wetten kann, wie schnell das Boot gebaut wird, wann das Boot untergeht, wie viele Leute dabei umkommen, und der Geldleiher selber eine Torpedofabrik hat, um das Boot zu versenken.”
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Tune! Songs der Woche mit: The Rapture, Thees Uhlmann, Scott Matthew Jay-Z & Kanye West, Rocket From The Tombs
von Christian IhleUm dem sich immer schneller drehenden Musikbusiness gerecht zu werden, haben wir eine neue Kategorie im Popblog, die die Albumreviews ergänzt. In “Tune! Songs you should know about.” stellen wir eine handvoll neuer Songs von aktuellen Alben und kommenden Künstlern vor und graben jeweils auch einen Klassiker aus, den man gerne wieder aus der Vinylschrank ziehen darf:
SONG DER WOCHE
The Rapture – How Deep Is Your Love
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Wer? Wenn es neben James Murphy und seinem LCD Soundsystem eine Band gibt, die wir dafür verantwortlich machen können, dass Punk und Disco, Funk und Aggresivität eine Hochzeit im letzten Jahrzehnt eingegangen sind, dann The Rapture, deren “House Of Jealous Lovers” eine der Singles der letzten 10 Jahre war. Nicht unbedingt mit einer calvinistischen Arbeitsethik ausgestattet, haben The Rapture jetzt gerade mal ihr drittes Album (sowie eine herausragende Debüt-EP mit “Out Of The Tracks And Onto The Races”) in zehn Jahren geschrieben, das aber wie die beiden Vorgänger erneut durchweg überzeugen kann.
Nichts auf dem hervorragenden Album schlägt aber diese erste Single, die ohne Zweifel einer der allerbesten Songs des Jahres ist. Eine phänomenale Rückkehr.
Mehr? Das neue Album von The Rapture “In The Grace Of Your Love” erscheint am 2. September 2011

Scott Matthew – Felicity
Wer? Einer der vielen bärtig-fragilen Singer/Songwriter – aber ohne Zweifel einer der besten. Immer noch ist etwas rätselhaft, warum Matthew noch nicht die Bekanntheit eines … weiter lesen
Wahrscheinlich lernten viele andere Thees Uhlmann wie ich kennen: über sein Tocotronic-Tourtagebuch, das lakonisch den RocknRoll abfeierte und in dieser Hinsicht, wie Uhlmann wohl sagen würde, ordentlich deliverte. Das Büchlein mag lange vergessen sein, aber Uhlmanns eigene Band Tomte sollte in den folgenden Jahren zu einer der größten des Landes heranwachsen. Eine Tatsache, die man sich im Jahr 2000 bei “Sonnige Nacht” noch nicht einmal hätte erträumen können!

Während Tomte in den Folgejahren immer weiter aus der Garage in die neue Bürgerlichkeit schritten, war “Sonnige Nacht” im Vergleich zum wilden Schrammelindiepunk des Debüts “Du weißt was ich meine” vielleicht der Moment, an dem die verschiedenen Tomte-Elemente am vollkommendsten zueinander fanden. Thees mag 2000 noch eher versuchen zu singen und der für die Instrumentierung Verantwortliche würde wohl nur darüber lachen, wenn jemand von “Geigen wie bei Wonderful World” spräche, aber einen unschätzbaren Vorteil hatte diese Herangehensweise gerade für Thees Uhlmanns Texte, die schon immer bevorzugt mit ordentlich Pathos oder der in die Luft gestreckten Faust uns an die Wand drücken wollten: durch die noch schroffe musikalische Untermalung wird eben jener Pathos nie zuviel, sondern baut im Gegenteil ein Spannungsfeld auf, das diese Songs auch nach zehn Jahren noch so verdammt lebendig macht.
Der RollingStone nimmt eine Rezension des IndieTravelGuides zum Anlass, dann doch mal lieber wieder auf Thees Uhlmann einzuprügeln:
“Ist demnächst eine ausgedehnte Städtereise über den ganzen Globus geplant? Doch wohin, wenn man die örtliche Szene nicht kennt? Der “Indie Travel Guide” (Rockbuch, 19,90 Euro) kann helfen, die üblichen Touristenfallen zu umschiffen, Gleichgesinnte zu treffen und sich auf die Spuren seiner Lieblingsbands zu begeben.
(…)
Immerhin kann man diesen ungewöhnlichen Reiseführer auch zu Rate ziehen, wenn man wissen will, wie beispielsweise Tomte-Sänger Thees Uhlmann aus dem Wege zu gehen ist; der quatscht in seinem faden Berlin-Beitrag unentwegt über seine Freundin, die ihm offenbar bei der Kleiderwahl unter die Arme greifen muss.” … weiter lesen
“Der Posten des popkulturellen Pausenclowns, des Alibi-Rockers, der in Boulevardmagazinen wie am Katzentisch der Bundesregierung den Deppen markieren darf, war über Jahrzehnte von Heinz Rudolf Kunze bestens besetzt. In den letzten Jahren gab es einen eindrucksvollen Nachfolgekampf verschiedenster Bewerber, die bereit stehen wollen, wenn Kunze mal aus dem Sessel kippen sollte. Bedingung: Man muß in möglichst schlechtem Deutsch banale Texte schreiben, die einsame Biologielehrerinnen zum Kauf von CDs verleiten, zum Beispiel. Die das beinhalten, was “Zeit”-Leser für “Rockmusik” halten. Vertont auf eine Art, die mit dem Wörtchen “Musik” zu anspruchsvoll beschrieben sein würde.
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“Thees Uhlmann, Sänger von Tomte und Mitgeschäftsführer von „Grand Hotel van Cleef Musik“ und bekanntermaßen Lautsprecher der Branche, dessen Wortmeldungen leider hinsichtlich Großmäuligkeit versus Intelligenzgrad nicht selten indirekt proportional sind, vergießt Krokodilstränen, als Grand Hotel van Cleef Music der Öffentlichkeit mitteilen, daß man nun eine eigene Booking-Agentur betreibe: „Dass wir creative talent und insbesondere unseren Freund Philipp Styra verlassen mußten, war so schlimm, wie mit zwei Freundinnen gleichzeitig Schluß zu machen – und das am Tag, an dem der Lieblingsverein absteigt.“
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