“Es ist eben nicht mehr so ist, dass jemand ein Boot baut, um Leute zu befördern und sich dafür Geld leiht, um es zu bauen und dafür ein wenig mehr Geld zurückzahlen muss. Sondern dass man jetzt darauf wetten kann, wie schnell das Boot gebaut wird, wann das Boot untergeht, wie viele Leute dabei umkommen, und der Geldleiher selber eine Torpedofabrik hat, um das Boot zu versenken.”
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Posts Tagged ‘Tomte’
“Die Stereophonics sind, verglichen mit Oasis, das, was Tomte verglichen mit Tocotronic ist: eigentlich unnötig. Zumindest im Hinblick auf Originalität, Relevanz, öffentliches Interesse, der Bedeutung für popkulturell Eingeweihte.”
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Wahrscheinlich lernten viele andere Thees Uhlmann wie ich kennen: über sein Tocotronic-Tourtagebuch, das lakonisch den RocknRoll abfeierte und in dieser Hinsicht, wie Uhlmann wohl sagen würde, ordentlich deliverte. Das Büchlein mag lange vergessen sein, aber Uhlmanns eigene Band Tomte sollte in den folgenden Jahren zu einer der größten des Landes heranwachsen. Eine Tatsache, die man sich im Jahr 2000 bei “Sonnige Nacht” noch nicht einmal hätte erträumen können!

Während Tomte in den Folgejahren immer weiter aus der Garage in die neue Bürgerlichkeit schritten, war “Sonnige Nacht” im Vergleich zum wilden Schrammelindiepunk des Debüts “Du weißt was ich meine” vielleicht der Moment, an dem die verschiedenen Tomte-Elemente am vollkommendsten zueinander fanden. Thees mag 2000 noch eher versuchen zu singen und der für die Instrumentierung Verantwortliche würde wohl nur darüber lachen, wenn jemand von “Geigen wie bei Wonderful World” spräche, aber einen unschätzbaren Vorteil hatte diese Herangehensweise gerade für Thees Uhlmanns Texte, die schon immer bevorzugt mit ordentlich Pathos oder der in die Luft gestreckten Faust uns an die Wand drücken wollten: durch die noch schroffe musikalische Untermalung wird eben jener Pathos nie zuviel, sondern baut im Gegenteil ein Spannungsfeld auf, das diese Songs auch nach zehn Jahren noch so verdammt lebendig macht.
“Die dümmste Band Deutschlands, und das ist jetzt offiziell, ist natürlich Tomte. Nur kriegt das schon gar niemand mehr mit. In der Berliner Stadtzeitschrift Zitty wird mit dem Sänger der Band, dem ultranervigen Thees Uhlmann, über die Kunst des Textens und die Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache philosophiert. Hallo? Hat sich mal jemand das Gesülz auf Tomte-Platten angehört? Unerträglichere Pennälerlyrik gab es im deutschen Pop selten, »Dein ist mein ganzes Herz« ist dagegen große Kunst. Und dann dieses Thees-Uhlmann-Gehabe in der letzten Zeit, dieses schrecklich Campinohafte, diese Bereitwilligkeit, den Deppen aus der Rockbranche zu machen, der so ist wie du und ich und mit dem du gut zwei Bier trinken kannst und der aber trotzdem in unsinnigen Talkshows herumhocken darf. Kann nicht mal jemand Tomte wieder abstellen, die Band des Landes verweisen, ihr ewiges Auftrittsverbot erteilen, ihre Platten verbrennen, Thees Uhlmann das Singen und Reden verbieten?”
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Was das Popblog im Laufe der Monate empfehlenswert fand, Teil 2…
Juli 2008
Platz 1: Yeti – The Legend Of Yeti Gonzales
“Mehr oder minder unerwartet bläst einen nun aber das Debütalbum mit dem albernen Titel „The Legend Of Yeti Gonzales“ aus den Schuhen: nicht nur dass der Mod-Rock eingemottet wurde und die Byrds wieder als Hauptinspiration gelten dürfen, nein, dazu kommt auch noch feingeistiges Gitarrenspiel und Arrangements die gar an das legendäre „Forever Changes“ von Love erinnern.”
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„Du nennst es Pathos, ich nenn’ es Leben“ singt Thees Uhlmann auf der neuen Tomte-Platte und prognostiziert damit die wahrscheinlichste aller Tomte-Kritiken der jüngsten Jahre: die Pathosmaschine wurde wieder angeworfen. Dabei ist es aber doch ein Irrtum, Tomte in ein früheres, schnoddriges Leben und ein pathetisch aufgeblasenes, späteres Dasein zu teilen, denn Uhlmanns Texte waren schon auf dem Debütalbum dem großen Sentiment nie abgeneigt – oder wie will man eine Textzeile der Marke „Ich habe den ganzen Tag Tulpen eingepflanzt, doch ich fühle mich als hätte ich die ganze Welt gepflügt“ denn sonst nennen.
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“Der Posten des popkulturellen Pausenclowns, des Alibi-Rockers, der in Boulevardmagazinen wie am Katzentisch der Bundesregierung den Deppen markieren darf, war über Jahrzehnte von Heinz Rudolf Kunze bestens besetzt. In den letzten Jahren gab es einen eindrucksvollen Nachfolgekampf verschiedenster Bewerber, die bereit stehen wollen, wenn Kunze mal aus dem Sessel kippen sollte. Bedingung: Man muß in möglichst schlechtem Deutsch banale Texte schreiben, die einsame Biologielehrerinnen zum Kauf von CDs verleiten, zum Beispiel. Die das beinhalten, was “Zeit”-Leser für “Rockmusik” halten. Vertont auf eine Art, die mit dem Wörtchen “Musik” zu anspruchsvoll beschrieben sein würde.
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Nachdem wir alle gespannt auf das neue Tomte-Album warten und uns fragen, was glückliche Vaterschaft und heftige Bandumwälzungen für Auswirkungen auf das Tomte-Werk haben, ein Rückblick auf einen Song aus den frühen Momenten der Karriere 1996.
Feindbilder? “Tomte, Kettcar, Herrenmagazin, die Kilians. Trost suchende Gewohnheitstypen, die sich ab und an dazu entschließen, mit ihrem kleinen Reclam-Heftchen in Bars abzuhängen, St.-Pauli-Fans und Freund von allem und niemandem zu sein.”
(Anton Spielmann, 1000 Robota, in der ZEIT)
1000 Robota im Popblog:
* Album des Monats September: Platz 2
* Schmähkritik Nr. 110 über 1000 Robota
Weihnachten feiert man doch am Liebsten im Kreise seiner Freunde und Liebsten. Grund genug für den popblog in der Welt herumzufragen, was denn 2007 gerockt, geknallt, gescheppert hat, dass es eine wahre Freude war. Die Freunde schrieben eifrig zurück, so dass wir eine kleine Serie zum Song des Jahres starten. Heute: deutsche Künstler über ihre liebsten Lieder. … weiter lesen
