Archive for August, 2007

31.08.2007 von Schröder & Kalender
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Neuer Kindermund

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in östlicher Richtung.

Am Innsbrucker Platz stiegen etwa zwanzig Kinder und ein Erwachsener in die Ringbahn ein, Mädchen und Jungs zwischen acht und vierzehn. Zwei Teenager setzten sich neben mich auf die Klappstühle. Ein achtjähriger Knabe aus der Gruppe wollte vorbeigehen, da sagte das eine Mädchen: »Na, du kleiner Fotzenlecker, setz dich doch zu uns.« Er war nicht beleidigt, eher geschmeichelt nahm er Platz neben mir und den Mädchen. Dann wollte er ihnen unbedingt das Haus zeigen: »Wir fahren gleich dran vorbei, wartet mal. Da, da in dem Haus wohne ich.« Die Mädchen nickten nicht sehr interessiert, während ich noch über den »kleinen Fotzenlecker« sinnierte. Im Rap und Jugendargot scheint das »Arschlecken« mittlerweile vom »Fotzenlecken« abgelöst worden zu sein. Ich schwankte zwischen Empörung und Gelassenheit.

(BK)

29.08.2007 von Schröder & Kalender
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Fließt die Spree bald rückwärts?

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert heftig in südöstlicher Richtung.

Gerd Conradt hatte uns zur Premiere seines Films ›Die Spree – Sinfonie eines Flusses‹ eingeladen. Die Veranstaltung fand im Radialsystem V statt, wo wir erst kürzlich während des 9to5-Festivels zwei Tage lang die Nacht zum Tage gemacht hatten. Der Ort scheint sich  zu unserem abendlichen Wohnzimmer zu entwickeln.

Es gab im Freiverkauf keine Karten mehr, viele Interessierte mußten enttäuscht umkehren. Auf der Gästeliste standen an die hundert Leute, die dann auf dem offenen Deck über der Spree den Einführungen von Adrienne Goehler und Gerd Conradt zuhörten.

Der Film ist eine poetische Reise von der Quelle des Flusses bis zu seiner Mündung und eine ökologische Warnung. Im ersten Teil portraitiert der Regisseur Menschen, die an und von der Spree leben oder eng mit ihr verbunden sind. Schön sind auch die Filmzitate aus dem Film ›Schleppzug M17‹, in dem… weiter lesen

28.08.2007 von Schröder & Kalender
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Bismarc Media

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert heftig in östlicher Richtung.

Während des 9to5-Festivals haben mich viele Teilnehmer, die bei der Diskussion nicht zugehört hatten, nach der Bismarc Media gefragt. Deshalb hier nochmals in aller Kürze: Warum heißt der Kulturbetrieb Kulturbetrieb? Weil es dabei auch um Geschäfte geht. Obwohl dies so ist, werden die Produktionsbedingungen von Werken der Kunst und Literatur meist nicht thematisiert. Wir wollten das 1968 ändern und gründeten die Literaturproduzenten, ein Zusammenschluß von linken Autoren, Verlagsangestellten und Buchhändlern, welche die Produktionsverhältnisse zum Tanzen bringen wollten mittels Gründung von Autorenverlagen, Mitbestimmung und Meinungsfreiheit in Buchhandlung und Verlagen.

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aus ›Protest! Literatur um 1968‹, Marbacher Kataloge, 1998

Ich hatte vorher in diversen Verlagen als Werbeleiter und Verlagsleiter gearbeitet und gründete 1969 den März Verlag und die Olympia Press. Bis zu einem gewissen Grade wurden die Vorstellungen der Literaturproduzenten bei März und Olympia Press eingelöst: Alle vier Mitgründer der beiden Verlage wurden Kommanditisten, ich… weiter lesen

25.08.2007 von Schröder & Kalender
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9to5, der zweite Tag, die zweite Nacht

von Schröder & Kalender

Es ist dunkel, wir sehen also nicht, wie der Bär flattert.

Wir hatten uns vorgenommen, die Räume des Radialsystems zu erkunden. Vorgestern war dafür keine Zeit, denn wir sollten ja gleich auf dem Podium diskutieren. Danach wurde auf der Spree-Terrasse (wie so oft) viel klüger weiter geredet und getrunken – nicht bis fünf, aber bis halb zwei.

Gestern, am späten Nachmittag, haben wir uns nun alles angesehen, die Räume des alten Pumpwerks und die ingeniöse Verschränkung mit der neuen Architektur. Herausgekommen ist eine ästhetische Meisterleistung, das Gebäude an der Spree ist ein Geschenk der Industriegesellschaft an die digitalen Nachkommen. Vermutlich wurde bei der Rekonstruktion ein Feng-Shui-Meister hinzugezogen, denn der Platz hat eine gute Aura. Das wäre ja schon genug, um sich wohlzufühlen. Was aber mich (JS) in gelinde nostalgische Euphorie versetzte, war das Konzept der Kultur-Kommunikatoren: Jochen Sandig, Folkert Uhde, Sasha Waltz, Carola Mösch und Tilman Harckensee. Denn… weiter lesen

24.08.2007 von Schröder & Kalender
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Die erste Nacht

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert heute nicht.

Jeder Cent des Eintrittspreises, den wir als Referenten nicht zahlen mußten, lohnt sich. Schließlich zahlen Wagner-Liebhaber für eine Aufführung das Zehnfache. Und beim ›9to5-Festival-Camp – Wir nennen es Arbeit‹ handelt es sich schließlich um das Bayreuth der digitalen Intelligenz. Alles, was sonst bei solchen Großveranstaltungen in die Hose gehen kann, klappte hier. Das muß an der Intelligenz der Veranstalter liegen. Ein kleines Beispiel: Am späten Nachmittag mailte uns Annett Groeschner, ehemals Redakteurin der Zeitschriften ›Sklaven‹ und ›Sklaven-Aufstand‹, ob wir für sie und Ralf S. Werder nicht den Hintereingang freimachen könnten. Wir fragten zurück bei Sylvie Reinhard und tatsächlich standen die beiden pünktlich auf unserer Gästeliste. Zum Dank dafür brachte uns Annett ihr Buch ›Ein Koffer aus Eselshaut mit‹. Es handelt sich um Gespräche mit Peter Jung, dem Sohn von Franz Jung (Edition Nautilus). Nach erstem Blättern in dem Buch war uns… weiter lesen

23.08.2007 von Schröder & Kalender
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Das Rad neu erfinden?

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert heute nicht.

Die Zentrale Intelligenz Agentur und Radialsystem V laden ein zum 9to5 – Wir nennen es Arbeit-Festival-Camp. Das detaillierte Programm ist jetzt online einzusehen.

Heute, am 23. August 2007, um 22:15 Uhr, diskutieren wir mit Bernd Cailloux und Adrienne Göhler. Der Verbrecher-Verleger Jörg Sundermeier moderiert das Gespräch mit dem Titel: Das Rad neu erfinden.

Radialsystem V, Holzmarktstrasse 33, 10243 Berlin. Direkt an der Spree, gegenüber vom Ostbahnhof, neben dem Ibis-Hotel (S-Bahn/Bus: Berlin-Ostbahnhof).

Das Gelände des RADIALSYSTEM V steht Donnerstag bis Samstag von 12.00 bis 19.00 Uhr jedem kostenlos zur Verfügung. Ob auf dem Deck, an der Spree, in der zentralen Halle oder in den Studios – Platz, Strom und freies WLAN zum Arbeiten mit dem eigenen Laptop gibt es überall. Erst ab 21.00 Uhr kostet es Eintritt. Tickets gibt es im Internet oder an der Kasse des RADIALSYSTEM V.… weiter lesen

22.08.2007 von Schröder & Kalender
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Making of Pornography: Love Love (10)

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert heute nicht.

Das burleske Hippie-Bilderbuch ›LOVE LOVE‹ aus dem Jahr 1971 werden wir jetzt in Fortsetzungen bringen. Die Hardcore-Fotos im soften Jasmin-Stil machte Rosa Camerada. Ebenso wie ›Lucys Lustbuch‹ sorgte dieser Titel für Abmahnungen, Verbote und andere juristische Querelen. Die näheren Einzelheiten stehen in der 2. Folge von ›Schröder erzählt‹ mit dem Titel ›Eine Million und fuffzig‹.

In letzter Zeit sind die FAQs: »Du hast doch Ende der Sechziger die ersten pornographischen Bücher und Filme für den freien Markt gemacht. Wie fing das an? Warum, wieso, weshalb?« Diese Fragen werde ich unter dem geflügelten ›Making of Pornography‹ in loser Folge beantworten. (JS)

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21.08.2007 von Schröder & Kalender
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Ein Fall von Unpersonenverwechslung

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in südlicher Richtung.

Tagebuch
Mittwoch, 16. August:
Wolfgang Müller hatte uns zum Essen in seine Kreuzberger Wohnung eingeladen, mit dabei waren Matthias Mergl, Dirk Dschuen und Martin Schmitz. Es gab eine isländische Fischsuppe mit Heilbutt und Hummer, Hühnerfrikassee und zum Dessert die raffinierte Variante einer Bayerischen Creme, die der taz-Patissier Dirk kreiert hatte. Muntere Reden begleiteten das Mahl. Um halb zwei Uhr machten wir uns mit Martin auf den Heimweg und nahmen gemeinsam den Metrobus von der Oranienstraße. Gemütlich rumpelten wir durch die halbe Stadt zum Kurfürstendamm.

Es war eine laue Sommernacht, der Ku’damm dunkel und wie ausgestorben, kaum Autos auf der Straße, geschweige denn Taxis. Verloren standen wir vor dem Café Kranzler und hatten keine Lust zwanzig Minuten auf den Bus zum Bundesplatz zu warten. Nach fünf Minuten kam doch eins. Der Fahrer trug ein schwarzes Polohemd, war untersetzt, Glatze, randlose Brille, Schnurrbart. Ich fragte ihn… weiter lesen

20.08.2007 von Schröder & Kalender
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Unsere Heimat, unsere Liebe, unser Stolz

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in südwestlicher Richtung.

Tagebuch
Sonntag, 5. August:
Heute scheint wieder die Sonne. Wir hatten uns wegen des ständigen Wetterwechsels vorgenommen, wenn irgend möglich an schönen Tagen zum Müggelsee zu fahren, denn ein Urlaub an der Ostsee war ohnehin nicht drin. Also erledigten wir vormittags noch die dringendsten Arbeiten, schrieben ein paar Mails und machten uns um eins auf zur S-Bahn. Um halb zwei gingen wir am Bahnhof Ostkreuz gemütlich die Treppe herunter zur S 3 nach Erkner, da standen Bundespolizisten in schwarzer Kampfmontur mit martialischen Helmen auf dem Bahnsteig, immer zu dritt in etwa zehn Gruppen. Früher hieß dieselbe Truppe harmlos »Bundesgrenzschutz« und fungierte als Bahnpolizei.

Der Grund für diesen Auftritt war sofort klar: Fußball. Denn zwischen den Männern der Überwachungseinheit standen viele Glatzen, aber auch behaarte Fans mit weißroten Fahnen und Schals. Jedoch, es herrschte Ruhe, keine Gesänge, kein Gegröhle. Wir betrachteten angelegentlich drei schwarze Polizisten,… weiter lesen

19.08.2007 von Schröder & Kalender
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Schwaben, Nackte und keine Glatzen

von Schröder & Kalender

Der Bär flattert in nordwestlicher Richtung.

Tagebuch
Samstag, 4. August:
Nach den verregneten Wochen wollten wir mal wieder im Müggelsee baden und fuhren mit der S-Bahn bis Friedrichshagen. Die Straßenbahn zum Strandbad hält schräg gegenüber an der Hauptstraße vor dem Union-Kino. Heute abend läuft: »›Dean Reed – der rote Elvis‹. In Anwesenheit des Regisseurs, anschließend Musik mit DJs aus dem Filmteam.« Offenbar dient das alte große Kino auch als Disko. Daneben gibt es ein nettes Restaurant mit lauschigem Innenhof, auf der Schiefertafel werden Pfifferlingswochen angezeigt. Gegenüber die kleine viel frequentierte Eisbude ›Klatsch‹, dort holen wir nach dem Baden immer zwei Bällchen. Alles sehr nett, und was wir uns schon öfter gefragt haben: Wo sind hier die bösen Glatzen?

Mit der Straßenbahn geht es am Müggeldamm entlang. Ein schwäbelndes Ehepaar in mittleren Jahren fragt nach dem Weg zum Strandbad, ich nenne ihnen die Stationen. »Mir wolln noch e Stück… weiter lesen