Archive for Januar, 2011

25.01.2011 von Schröder & Kalender
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Dial-A-Poem

von Schröder & Kalender

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Es ist dunkel, wir sehen nicht, wie der Bär flattert.
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Giorno, John: ›Cunt‹. Gedichte. Ausgewählt und mit einer Notiz von Rolf-Eckart John. Aus dem Amerikanischen von Rolf Dieter Brinkmann, Rolf-Eckart John und Ralf-Rainer Rygulla. Originaltitel: ›Cunt‹. 72 Seiten,. Einbandgestaltung: Jörg Schröder mit einem Filmstill aus ›Sleep‹ von Andy Warhol. März Verlag, Darmstadt 1969

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John Giornos ›Cunt‹ lief 1968 fünf Monate lang über Anrufbeantworter, die er von der Architectural League of New York geschnorrt hatte, dazu Texte und Gedichte von Autoren wie Anne Waldman, William Burroughs, Bill Berkson, Allen Ginsberg, Giorno himself natürlich, Ron Padgett, John Perreault, Ed Sanders, Emmett Williams, Peter Schjeldahl, David Henderson, Taylor Mead, Lewis Warsh, simultan über zehn Anschlüsse. Die Bänder wechselten täglich, über eine Million Anrufe wurden in den fünf Monaten, in denen die Aktion lief, registriert. ›Dial-a-Poem‹ war geboren. Auch in der St. Mark’s Church wurden ›Johnny Guitar‹ und ›Cunt‹ aufgeführt. Ein Tonband mit den beiden pornographischen Gedichten spielte ununterbrochen vier Stunden lang über sechs Lautsprecher in der Kirche zum Beispiel Giornos ›Pornografisches Gedicht‹:

»Sieben kubanische  /  Armeeoffiziere  /  im Exil / waren die ganze Nacht / mit mir beschäftigt. / Große / schlanke / geschmeidige / spanische Typen / mit glatten dunklen / muskulösen Körpern / und Haar / wie nasse Kohle / am Kopf / und zwischen den Beinen. / Ich wußte nicht mehr / wie oft / ich von ihnen /  in jeder erdenklichen / Lage / gefickt wurde. / Einmal / standen sie / im Kreis / um mich herum / und ich mußte / von Unterleib / zu Unterleib / kriechen / und an jedem / Riemen lutschen / bis er steif war. / Als ich alle / sieben hoch hatte / schauderte ich / beim Anblick / dieser erigierten Schwänze / die alle verschieden lang / und dick waren / und bei dem Gedanken / daß jeder einzelne / sich in mein Arschloch / schieben würde. / Jeder / von ihnen / kam / mindestens zweimal / und einige dreimal. / Dann setzten sie mich / auf das Bett / kniend / einer fickte mich / in den Hintern / ein anderer in den Mund / während ich / mit jeder Hand / einen wichste / und zwei von den anderen / ihre Latten / an meinen nackten Füßen / rieben / und warteten / bis sie an der Reihe waren / in meine Dose / zu kommen. / Gerade als ich glaubte / sie seien völlig fertig / taten sich zwei / von ihnen zusammen / und fickten mich / gleichzeitig. / Die Stellungen / die wir einnahmen / waren wahnsinnig / aber mit zwei / großen dicken / kubanischen Schwänzen / zur gleichen Zeit / in meinem Arsch / war ich / im Paradies.«

Keine Aufregung, die Übersetzung ist von Rolf Dieter Brinkmann. John Giornos Gedichte erschienen 1969 bei März, damals wurde der Hammer geschwungen. In der St. Mark’s Church hatte Giorno an das Kreuz über dem Altar eine zwei Meter fünfzig hohe Doppellichtsäule montiert. Sie bestand aus je dreißig roten, gelben, blauen und grünen Hundertfünfzig-Watt-Lampen, die an eine Lichtorgel angeschlossen waren. Die Bänke im vorderen Kirchenraum waren rausgeräumt, dafür gab es Sitzkissen, dazwischen drei Dutzend Kerzen. Das Verteilersystem eines Intervallduftdispensors erfüllte die Kirche mit dem Aroma von Schokolade. Der Raum wurde von sechs Tausend-Watt-Scheinwerfer mit orangefarbenem Vorsatz lichtüberflutet. Ein Krug mit LSD-Punsch stand auf dem Tisch neben dem Altar, ein Becher enthielt ein Viertel eines Trips, jeder konnte sich bedienen, zwanzig Liter Punsch wurden ausgeteilt. In der Sakristei neben der Kirche gab John Giorno eine Geburtstagsparty für Anne Waldman mit Beat, Essen, Wein, Haschischsuppe, Haschischgeburtstagskuchen, dazu noch sechshundert Joints. Die Besucher wechselten von der Lesung zur Party, zurück zur Lesung und dann wieder zur Party. Solche Aktionen transportierten  wir  in unsere Republik, wenn auch nur auf Papier. Und Giorno schlief, währenddessen für Andy Warhol in dessen Sechs-Stunden-Film ›Sleep‹. Denn Warhol war noch nicht mit seinem Silkscreen-Bauchladen unterwegs zu allen Hubert Burdas dieser Welt.

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20.01.2011 von Schröder & Kalender
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Begabung für Musik

von Schröder & Kalender

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Es ist dunkel, wir sehen nicht, wie der Bär flattert.
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Der österreichische Erzähler, Essayist, Biograph, Lyriker und Dramatiker Stefan Zweig war auch ein leidenschaftlicher Sammler von Musiker-Autographen und Partituren. 1931 erwarb er vier von Mozarts berüchtigten Briefen an sein Augsburger Bäsle, die zum Entsetzen seiner Biographen von Obszönitäten strotzten. Einen dieser Briefe ließ Stefan Zweig faksimilieren, transkribieren und mit seinem Vorwort in 50 gezählten Stücken bibliophil herstellen.

2. Brief an das Augsburger »Bäsle« Maria Anna Mozart

Dank Wikisource kann man heute alle neun ›Bäsle-Briefe‹ lesen.

Stefan  Zweig schickte den Druck an zahlreiche Freunde und Bekannte, darunter auch der Verleger Anton Kippenberg, der Schriftsteller Romain Rolland und Sigmund Freud, mit dessen Werk Zweig sich in einem Essay gerade beschäftigt hatte. Sigmung Freud bedankte sich aus der Sommerfrische in Pötzleinsdorf (bei Wien):

25.06.1931

Lieber Herr Doktor,
Dank für den Privatdruck! Die Tatsache,… weiter lesen

12.01.2011 von Schröder & Kalender
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Berlinale: Die Urszenen der RAF als Seifenoper

von Schröder & Kalender

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Der Bär flattert in östlicher Richtung.
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Wie gemeldet, wurde der Film ›Wer, wenn nicht wir‹ von Andres Veiel für den Wettbewerb der diesjährigen Berlinale nominiert. Angeblich erzählt der Film die wahre Liebesgeschichte von Gudrun Ensslin und Bernward Vesper, die angeblich an Gudrun Ensslins politischer Radikalisierung scheiterte, so propagiert die Produktion Zero One den Film.

Bekanntlich scheiterte die Beziehung Ensslin-Vesper jedoch daran, dass Gudrun Ensslin sich in Andreas Baader verliebte und Vesper verließ. Der Regisseur Veiel will aber dem Publikum die Urszenen der RAF als ›Tristan und Isolde‹-Seifenoper andrehen. Das ist sein gutes Recht als Regisseur, jeder so gut er kann. Fest steht, dass sich Gudrun Ensslin und Bernward Vesper im Grabe herumdrehen würden, wenn sie erführen, wie hier mit ihren Biographien umgesprungen wird.

Hinzu kommt, dass Veiel nach eigener Aussage den Autor Vesper so darstellt: »Bernward Vesper rebellierte gegen den Nazivater und blieb dessen Gedankenwelt doch… weiter lesen

11.01.2011 von Schröder & Kalender
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Neues von der Bienenfront

von Schröder & Kalender

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Der Bär flattert in nördicher Richtung.
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Bald wird Waugsberg für Wikimedia solche schönen Fotos von Bienen nicht mehr machen können.

Der  Toxikologen Dr. Henk Tennekes schreibt in seinem Buch über die Ursachen des  Bienen- und Vogelsterbens (›A Disaster In The Making‹), dass der drastische Rückgang zahlreicher Vogelpopulationen, unter anderem Spatzen, Bachstelzen, Stare, Kiebitze oder Feldlerchen, mit der Dezimierung von Insekten in Zusammenhang steht. Käfer, Fliegen, Schmetterlinge und Motten, die den Vögeln als Nahrung dienen, werden durch die Anwendung von Pestiziden, sogenannten Neonicotinoiden, reduziert.

Größter Hersteller von Neonicotinoiden, darunter die Wirkstoffe Imidacloprid, Thiacloprid und Clothianidin, ist die Firma Bayer CropScience. Imidacloprid gilt als meistverkauftes Pestizid weltweit, die Bayer AG erlöste damit allein im vergangenen Jahr 606 Millionen Euro. Das von Bayer produzierte Clothianidin hatte vor zwei Jahren das großflächige Bienensterben in Süddeutschland verursacht.

Henk Tennekes fordert ein unverzügliches Verbot der Chemikalien, weil das… weiter lesen

08.01.2011 von Schröder & Kalender
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Das Land der Inca

von Schröder & Kalender

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Der Bär flattert in nördlicher Richtung.
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Im Jahr 1983 gründeten wir die Ravenna Presse im März Verlag, in der herausragende Titel der Buchkunst und der wissenschaftlichen Arcana in bibliophiler Ausstattung geplant waren. Als erstes erschien ›Das Land der Inca‹ von Rudolf Falb. Weitere geplante Titel sind in der Ravenna Presse nicht herausgekommen.

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Falb, Rudolf: ›Das Land der Inca in seiner Bedeutung für die Urgeschichte der Sprache und Schrift‹. Nachdruck der Leipziger Erstausgabe von 1883. Oasenziegenleder mit Goldprägung im Schuber. Aufgebunden wurden 300 von 555 Exemlaren mit Pränumeranten-Verzeichnis. 456 Seiten, (8°). Einbandgestaltung: Jörg Schröder. Ravenna Presse im März Verlag, Herbstein 1984 (nur noch antiquarisch erhältlich).
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Im Jahr 1877 begab sich der angesehene Geologe und Erdbebenforscher Rudolf Falb auf eine Forschungsreise nach Südamerika. Dafür hatte er ein halbes Jahr veranschlagt, zuletzt ging er auf das Hochplateau der peruanischen Kordilleren, um hier Messungen seismischer und vulkanischer Phänomene vorzunehmen.

Falb war von den archäologischen Funden in Cuzco und Tiahuanaco überwältigt. Und bei seiner Begegnung mit den Aimarà-Indianern im Urwald von Bolivien traf ihn wie ein Blitz die Gewißheit: In der Sprache der Inca sind die Belege für die Wurzeln eines einheitlichen Sprachen-Ursprungs in einer Prähistorischen Periode zu finden.

Falb ließ alle weiteren geologischen Pläne fahren und beschäftigte sich fortan fünf Jahre mit seiner Sprachtheorie, lernte drei Indianer-Sprachen, notierte auf tausenden von Folio-Seiten die Belege seiner Forschung zu einer Urgrammatik. Ausgehend von der Aimarà- und Kitschua-Sprache werden wir in Falbs Buch Zeugen von atemberaubenden Beweis- und Analogieketten sprachlicher, symbolischer und mythologischer Art. Wir nehmen teil an genialischen Denk- und Assoziationsakten, lesen z. B. Aimarà, Hebräisch, Griechisch, Ägyptisch, Sanskrit, Latein, Arabisch, Aramäisch, Chinesisch, Französisch, Deutsch, Englisch … Ja, wir können das lesen bzw. hören, auch wenn wir die dazugehörigen Schriftzeichen und Sprachen nicht beherrschen. Denn Rudolf Falb, der dieses Buch … weiter lesen

02.01.2011 von Schröder & Kalender
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Die Lawine ist dem Suchhund sein Tod

von Schröder & Kalender

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Der Bär flattert in östlicher Richtung.
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Wall-Litfaßsäule, Modell: ›Tequila mit Hut‹, Standort: Blissestraße / Wilhelmsaue

(BK / JS)