vonchina-watch 08.03.2026

china watch

Was passiert hinter der Orwellschen Großen Mauer? Beobachtungen und Kommentare von Au Loong-Yu zu China und Hongkong.

Mehr über diesen Blog

Angesichts des aktuellen Krieges im Nahen Osten, der von den USA und Israel provoziert wurde und sich nun zu einem regionalen Krieg ausweitet, entsteht im Hintergrund eine Debatte: Wird China über seine rhetorische Unterstützung für den Iran hinaus auch Taten folgen lassen oder nicht? Dies ist nur eines von zahlreichen Rätseln rund um China, seit Trump seinen ersten Handelskrieg gegen das Land begonnen hat und sich die Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu verschlechtern begannen. Die China-Frage spaltet weiterhin die Menschen auf der ganzen Welt. Dahinter steht auch die Angst vor diesem geheimnisvollen Land.

Für den 20. und 22. März haben der Lehrstuhl für Moderne China-Studien der Universität Köln und ATTAC Deutschland gemeinsam mit dem Form Arbeitswelten (den Unterstützern dieses Blogs) und dem Kritischen China Forum eine zweitägige Konferenz zum Thema China und Wir organisiert, bei der Fachleute und Aktivisten aus Deutschland und einige aus dem Ausland zusammenkommen und eine Vielzahl von Themen diskutieren. China als zeitgenössisches Rätsel der Sphinx lässt sich am besten anhand des Themas der Eröffnungssitzung der Konferenz veranschaulichen, das lautet: China und Wir: Warum es uns so schwer fällt, die Volksrepublik China und ihre Rolle in der Welt zu verstehen.

Schon bei der Konzipierung der Konferenz warfen die Veranstalter wichtige Fragen auf:
– Ist China eine sozialistische oder eine kapitalistische Gesellschaft?
– Welche Rolle spielen einheimische private und staatliche Unternehmen sowie ausländische Konzerne in der chinesischen Wirtschaft?
– Welche Ziele verfolgt die chinesische Regierung?
– Gewinnen die Länder des „Globalen Südens“ durch den Übergang zu einer neuen bipolaren oder multipolaren Weltordnung neue Handlungsspielräume für ihre Entwicklungsstrategien – oder reproduzieren sich in ihrem Verhältnis zu China weitgehend die Muster der hierarchischen internationalen Arbeitsteilung und Abhängigkeit, wie wir sie kennen?
– Ist China selbst eine imperialistische Macht?
– Verschärft sich auch in China die ökologische Krise laufend?

Mit dem neuen Krieg im Nahen Osten, der sich vor unseren Augen abspielt, rückt auch ein zweiter Brennpunkt in den Fokus der internationalen Debatte: Taiwan. Auch hier – ich habe sie im Blog in zwei Beiträgen dargelegt –  gibt es unterschiedliche Deutung der Ein-China-Politik, ganz zu schweigen davon, dass sich die taiwanesischen Ureinwohner und ihre Vorfahren, die vor Hunderten von Jahren vom chinesischen Festland nach Taiwan eingewandert sind, selbst nie als „Chinesen“ oder „Festlandchinesen“ gesehen haben. . Mit Trump 2.0 geht die USA heute einen Schritt weiter als zuvor, als sie Taiwan als wichtigen Verbündeten betrachtete, um die erste Inselkette zur Abwehr Pekings zu halten, und fordert nun ein Recht, Taiwan zwingen zu können, 40 Prozent seiner Produktion von Hochleistungs-Chips in die USA zu verlagern. Wird Peking als Reaktion darauf 2027 einen Krieg beginnen, um die Insel zu erobern?

Trotz Pekings Vorgehen gegen Hongkong bleibt die Stadt im Zeitraum 2020-24 das drittgrößte Finanzzentrum der Welt. Ein Grund dafür ist, dass Hongkong mit einem Anteil von 60 Prozent nach wie vor die Region mit den größten ausländischen Direktinvestitionen in China ist. China braucht Hongkong dringend als „Superverbindung“ zum Weltmarkt. Während Peking seit dem Amtsantritt von Xi Jinping darauf abzielt, die Rolle Hongkongs für die Modernisierung Chinas herunterzuspielen, leistet Hongkong Xi weiterhin gute Dienste und könnte nun, da die USA begonnen haben, sich von China abzukoppeln, sogar noch an Bedeutung gewinnen.

Auf der China-Konferenz in Köln findet der Workshop 8  zum Thema Widerstand in Hongkong und Taiwan gegen die Eingliederung in die Volksrepublik China am 21.3. um 17 Uhr statt. Dieser wird eine Plattform für eine Debatte über Taiwan und Hongkong und ihre Beziehungen zu Peking bieten. Die beiden Regionen sind im Vergleich zum chinesischen Festland klein, aber die dadurch entstehende Dreiecksbeziehung ist viel größer als die Kleinheit Taiwans und Hongkongs.
In dem Workshop auf der Konferenz werden Frau Martin-Liao (Autorin und Übersetzerin, Köln) ihre Einschätzung zu Taiwan und ich meine zu Hongkong und einbringen.
Sehen wir uns dort um zu diskutieren!

Au Loong Yu
Übersetzung von P. Franke, Forum Arbeitswelten

Hier geht es zur Anmeldung für die Konferenz.

Anzeige

Dir hat der Beitrag gefallen? Teile ihn über Social Media. Du möchtest etwas dazu sagen? Weiter unten gelangst du zu den Kommentaren.

https://blogs.taz.de/china-watch/wie-bereit-sind-wir-zum-umgang-mit-china-als-weltmacht-lasst-uns-darueber-diskutieren/

aktuell auf taz.de

kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert