„Wir sind jetzt keine Freunde mehr.“ ARD-Nachrichten , 25.8.2026
Es gibt viele Beispiele für mutige Frauen, die gegen den Strom der Zeit angegangen sind. Eine davon, die ihr Vermögen für den Einsatz im Pazifismus und Feminismus einsetzte, lebte in Bremen. Adèle Schmitz (1868-1951) war die beste Freundin der Antikolonialistin und Frauenrechtlerin Auguste Kirchhoff, von der ich schon berichtete https://blogs.taz.de/fremdeln/fremdeln-beim-fernsehen-2/
Was ist das für ein seltsamer Name, sagt jemand, dem ich von Adèle Schmitz erzähle. Der klingt ja so furchtbar altmodisch! So altmodisch, wie er klingt, so fortschrittlich war diese Frau aber, von der noch tausendmal weniger berichtet wird und wurde als von dem ziemlich unbekannten Bremer Friedensnobelpreisträger Ludwig Quidde.
Geboren wurde sie in Bremen in wohlhabende Verhältnisse, aufgewachsen ist sie mitten im heute so genannten Viertel, im Haus Dobben Nr. 117/Ecke Feldstraße, zu Zeiten als dieser Teil der Innenstadt noch ein großbürgerliches Stadtviertel war, in dem die wohlhabenden Familien in großen Häusern der Gründer- und Jugendzeit lebten. So behütet wie Schmitz war, so rebellisch war sie doch auch von Anfang an. Sie heiratete gegen den Willen ihrer Eltern den Schweizer Baumwollkaufmann Paul Schmitz, das Paar hatte vier Kinder. Ebenso wie Auguste Kirchhoff erfuhr Adèle Schmitz bei ihren politischen Unternehmungen viel Unterstützung durch ihren Mann.
1904 begegnete sie in Meran Helene Stöcker, die sehr aktiv war in der Frauenbewegung jener Zeit und die sie darin unterstützte, sich auch in Bremen in der Frauenbewegung zu engagieren. In der Frauenbewegung kämpften sie gemeinsam für das uneingeschränkte Frauenwahlrecht, waren gegen den Paragraphen 218 und für die Gleichstellung von unehelichen mit ehelichen Kindern und engagierten sich für die sexuelle Aufklärung. Aber ihr wichtigstes Thema war der Kampf gegen den Krieg als Lösung von internationalen Konflikten.
Sie fuhr 1916 gemeinsam mit Kirchhoff als einzige Bremer Teilnehmerinnen und als Mitglieder einer 28-köpfigen deutschen Delegation zum Internationalen Frauenfriedenskongress in Den Haag. Hier gründeten sie dann den Internationalen Ausschuss für dauernden Frieden
1918 traten sie und ihr Mann aus der evangelischen Kirche aus, da auch Pastoren den ersten Weltkrieg unterstützt hatten. Auch heute fragt man sich manchmal, was denn die Kirchen machen, warum sie nicht laut läuten gegen Kriegshetzerei, Aufrüstung und den antidemokratischen Rechtsruck in der Gesellschaft. Das war nur Anfang der Achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts eine kurze Zeit mal anders. Da ich kein Foto von Auguste Kirchhoff habe, poste ich heute ein Foto von mir und von dem Pastor Hans-Günter Sanders, der Anfang der Achtziger Jahre in Bremen sehr aktiv in der Friedensbewegung war, im so genannten Friedensforum, dem etliche Pastor*innen angehörten.
Es gibt in Bremen keine Straße, die nach der Aktivistin Adèle Schmitz benannt worden wäre und keine Plakette, auf der auf sie hingewiesen wird. Nach ihrer Freundin Auguste Kirchhoff wurde ja immerhin eine Straße benannt, die allerdings direkt neben einer Straße liegt, die nach der Rassistin, Kolonialistin und Nazifreundin Hedwig Heyl benannt wurde. Wäre es nicht viel sinnvoller, diese Straße in „Adèle Schmitz-Straße“ umzubenennen?