vonfrida 21.07.2022

Frida, ich und du

Intimer Umgang mit Schmerz und Leid des Menschen in ihrer jeweiligen Rolle: Sozialisation, mothering, Feminist

Mehr über diesen Blog

Es ruht auf mir,

So bilde ich mir ein

Und schaffe und tue und denke,

Dass es ja nur glanzvolles erblicke.

 

Ich putze mich raus,

Poliere mein Sein,

Bilde mir dieses und jenes ein

Und erzähle und rede von dem,

Was tolles, ja grandioses ich tu,

Nur dass dies Auge verweile auf mir.

 

Und es verfolgt mich,

Betrachtet kritisch jeden meiner Schritte,

Bewertet durch mich, alles, was ich bin,

Begleitet mich, wohin ich auch geh

Und ich freue mich daran

Denn bin ich nun wer.

 

Ich prahle mit allem, was weiblich ist,

Dass dies nur ja niemand vergisst,

Halte die Waage zwischen tollen Geschichten

Und Demut in meinem Gesicht,

Denn auch dies gehöret dazu,

Dass Sie zwar toll und anbetungswürdig ist,

Aber niemals abgehoben, dass er womöglich eingeschüchtert ist.

 

So tanze ich im Ringelrein

Und bilde mir ein,

Dass das Auge nur auf mir ruht

Und sieht jeden Schritt, den ich tu

Und dabei bewerte ich mich,

Vorauseilend gefallend,

So ist es weiblich

Nur nicht aus dem Rahmen zu fallen.

 

Doch mache ich das auch wirklich gut?

Bewerte mich ständig, obwohl es keiner offen tut.

Denn tief sitzt die Sozialisation,

Von klein an getrimmt,

Wer gibt und wer nimmt,

Von klein an verfolgt von der Angst

Nicht zu gefallen

Deshalb tut das männliche Auge so gut,

So lange es in meinen Träumen sich wohlwollend gibt,

Obwohl mir bewusst, dass es mich eigentlich nicht sieht.

 

Denn wie ist die männliche Wahrnehmung beschaffen?

Auf sich selbst konzentriert

Und im Männerbund begaffend,

Viel zu beschäftigt mit sich,

Um eine Menschen zu betrachten,

Höchstens als Frau, als weibliches Objekt wahrgenommen,

Doch nie die Person, die dahinter sich sehnt

Und so ist der Schmerz schon vorprogrammiert.

 

Sie hüpft und Sie tanzt,

Sie glänzt und frohlockt,

Doch das männliche Aug in Ihrem Kopf nur hockt.

 

Der Vater, den gilt es auch zu betrachten,

Denn ist er es nicht,

Der die ersten Wege beschritt?,

Der die emotionalen Bahnen betrat

Und unachtsam wie immer nur sich selbst in dem Kinde wahrnahm?

 

Oh, it’s a girl!,

Das hallt in ihm nach

Und von nun an betrachtet er es auch so,

Es ist sein Eigentum und er kann bestimmen,

Kann Vaterschaft geben oder ihr entrinnen,

Bei einer Tochter nochmal ganz kritisch betrachtet,

Selbst wenn er Frauen nicht offen verachtet,

So fragt er sich doch und denket bei sich:

Macht Sie mir Schande oder ehret sich mich?

 

Wie wichtig das Auge des Vaters so ist,

Betrachten wir es mal ganz sachlich:

Unter seinem Blick wird das Kind bald zur Frau,

Und bleibet für ihn doch immer die Kleine,

Das kleine Mädchen, das er beschützt

Oder das er auch einfach benutzt,

Ganz gleich und genau so, wie es ihm beliebt,

Denn ein Mensch wird Sie nie…

 

Ja, so ist das mit dem väterlichen Blick,

Insofern kein Wunder, dass ich vor dem Männlichen immer erschrick,

Erschreck vor mir selbst, was ich all tu,

Nur um zu gefallen und würdig zu sein.

 

Wie tief in Selbstzweifel ich sink,

Wenn die männlichen Augen meiner Selbst nicht wahrnehmend sind,

Und ich andererseits um die Gefahr immer weiß,

Die meiner Weiblichkeit von Anbeginn wurde verheißt,

Wenn die Augen nur lüstern mich betrachten,

Und mich zum Objekt seiner Begierde machten.

 

Und sprechen wir auch vom schwarzen Mann,

Dem drohenden Schrecken, der Ihre Kindheit auch bestimmt:

„Lass dich nicht verführen von Süßigkeiten,

steige in kein Auto hinein,

und nimm dich in Acht vor männlichen Gelüsten.“

So oder ähnlich sind wir alle bedroht,

beschützt und benutzt

Von klein an vorbereitet.

 

Und so schwanke ich her und hin,

Bin mir nur sicher, dass ich verunsichert bin,

Denn was mir bleibt, unter dem männlichen Blick,

Ist doch nur die Selbstlosigkeit eines Objekts.

 

Vom Vater geprägt und vorbereitet,

Durch weibliche Sozialisation weiter angeleitet,

Sitze ich hier in Melancholie

Und frage mich, endet das denn nie?

 

Solange frau dem Gefallen erliegt,

Ist Sie gefangen, in Ketten gelegt,

Die Ketten mögen in Ihrem Kopf vornehmlich sein,

Doch bildet Sie sich diese nicht völlig grundlos ein.

 

Erst wenn Sie beschreitet Ihren eigenen Weg,

Sich der Bewertung selbst nicht mehr hingibt,

Erst dann wäre es möglich, dem Blick zu entrinnen,

Dem männlichen Auge, das Sie immer empfand,

Das Ihren Wert für immer bestimmt,

Ihr jede andere Perspektive von vornherein nimmt.

 

Deshalb ist es Zeit, dem Blick sich zu stellen,

Den eigenen Wert in sich selbst zu finden,

Auch wenn die Prägung sitzt tief,

Sehr, sehr tief,

Hoffe ich, ist es nicht unmöglich,

Das eigene Auge auf sich selbst zu richten,

Die Bewertung von sich abzustreifen,

Und sich selbst mit der Wahrnehmung und Liebe zu begreifen,

Die in Dir ruht.

Anzeige

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

https://blogs.taz.de/frida/maennliches-auge/

aktuell auf taz.de

kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.