vonhausblog 13.10.2015

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Die Bremer Polizei wollte den Presserat gegen die taz in Stellung bringen. Doch der Presserat reagierte nicht ganz so, wie die Bremer Behörde sich das dachte.

Wegen eines Werbe-Layers für das taz.zahl ich-Projekt, auf dem ein Foto von vier Polizisten an einem Eisstand mit der Bildunterzeile  „Welche Kugeln hier bestellt werden? Acht Cookie, Acht Banane?“ versehen war, hatte die Bremer Polizei im Sommer Beschwerde beim Deutschen Presserat eingelegt.

In Acht Cookie Acht Banane hatten die Ordnungshüter das Akronym A.C.A.B. herausgelesen,  welches umgangsprachlich als Abkürzung für den Slogan „All Cops Are Bastards“ und damit als Beleidigung der Polizei gilt.

Die zu einer schriftlichen Stellungnahme und Aufklärung des Sachverhalts aufgeforderte taz teilte dem Presserat daraufhin folgendes mit:

Für die Nöte der Bremer Polizei, vor allem im heißen Sommer haben wir Verständnis, ebenso wie für die Tatsache, dass sich unsere Ordnungshüter bei Gelegenheit mit einem Eis erfrischen. Über ihre Präferenzen bei der Eisbestellung können wir allerdings nur Mutmaßungen anstellen, was in der inkriminierten Bildunterschrift deutlich durch ein Fragezeichen ausgedrückt wird.

Und weiter schrieben wir dem Presserat:

Dass nun die Beschwerdeführer der Bremer Polizei in die Bestellung „Acht Cookie, Acht Banane“ das ehrverletzende Akronym „All Cops Are Bastards“ hineinlesen, war nicht vorauszusehen. Im Vorfeld hatten wir auf einer Konferenz hier im Hause schon einige Bestellkombinationen verworfen. Zum Beispiel „Limone, Mandarine, Amareno, Aprikose“ (Leck Mich Am Arsch). Auch „Walnuss, Tiramisu, Feige, Himbeer“ (What The Fucking Hell) wollten wir nicht durchgehen lassen, und „Sieben Sahne, Acht Heidelbeer“ (SSAH) kam nicht in Frage, da es sich dabei um ein möglicherweise sittenwidriges Kfz-Kennzeichen handelt.

Wir haben uns deshalb für die Lieblingssorten der diensthabenden Redakteurin, Cookie und Banane entschieden. Da es sich auf dem Bild um vier Personen handelt und eine durchschnittliche Eisbestellung im Hochsommer laut Statistischem Bundesamt etwa vier Kugeln beträgt kam es zu den je acht Cookies und Banane. Dass wir nach den den oben genannten Kombinationen und ihrer Akronyme hier nicht auch noch eine sittenwidrige oder ehrverletzende Abkürzung herauslesen konnten, hatte einen nachvollziehbaren Grund: es war einfach zu heiß.

Darauf hin hat sich der Presserat mit Schreiben vom 12.10.2015 für unzuständig erklärt – da es sich bei dem inkriminierten Foto nicht um einen journalistischen Beitrag, sondern um ein Werbeelement handele.

Bei der taz wird nun entspannt abgewartet, ob die von einer Eisbestellung so schwer beleidigte Bremer Polizei die Sache weiter und auch noch vor dem deutschen Werberat verfolgen wird, oder ob sich seit dem Abklingen der Hitzewelle auch die Gemüter mittlerweile abgekühlt haben.

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https://blogs.taz.de/hausblog/acht-cookie-acht-banane-presserat-ist-unzustaendig/

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kommentare

    • Vor DIE jederzeit gerne. Auch vor die Polizisten, die den Neonazis, die hier „unsere“ allmontägliche Pegida-Demo dominieren, ihre stets freie Bahn sichern, Nazischläger schlägern und sie nachher laufen lassen und dafür die Gegendemonstranten einkesseln?

  • Was ich aber nicht so ganz verstehe: was ist so cool an „Acht Cookie, Acht Banane?“. Is ja toll, dass der Presserat euch bestätigt, wie clever ihr seid. Die Aussage dahinter ist dennoch total daneben.

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