vonkirschskommode 30.06.2020

Kirschs Kommode

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Das hier folgende Gedicht fiel mir neulich aus reichlich gegebenem Anlass wieder ein. Wobei ich entdeckte, dass es recht genau zehn Jahre alt ist; die Angabe Sommer 2010 lässt Zeit bis September, aber das ist nach einer Dekade genau genug. Ich verbürge mich für eins: So wie ich es hier schildere, war es. Lediglich beim Wortlaut der damals im Kreis engagierter Genossinnen und Genossen gefallenen Äußerungen habe ich Kompromisse gemacht; Reim und Rhythmus lassen nichts anderes zu. Dorf und Kleinstadt, möchte ich noch anmerken, gibt es nicht nur auf dem Land. Jeder Betrieb, jede Behörde, jedes Kollegium kann die gleiche Enge haben; Ausnahmen bestätigen die Regel.

Geteiltes Leid (Auf den Tod einer alten Lehrerin und Kommunistin,
Zerbst/Anhalt, Sommer 2010)

Dorf, Kleinstadt ist, wo immergleiche Kreise
sich wenig mischen, weil sich alles kennt.
Nimm teil. Und fühl dich ausgeschlossen.
Klar: Nett sind sie. Das Altbekannte trennt.

Nicht anders hier. Da stirbt uns eine alte Frau.
Beliebt. Und mit Genossen, die sehr trauern.
Doch nachts ein Fremder, der gebrochen Deutsch
am Hörer weint? Das geht nicht, sie bedauern:

„Gebt unser Telefon nicht weiter, schont uns!
Um zwölf gibts Mittag und um neun ist Nacht.
Bei uns, ein Fremder? Hat sich anzupassen.“
Ich hörts. Auf die Beweinte hatt ich Acht:

War sie von Welt gewesen. Interessant.
Wo ist ihr Grab? Ich hätt sie gern gekannt.

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