vonkirschskommode 25.05.2022

Kirschs Kommode

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Am 26. Mai jährt sich der Tod eines Freundes, Guillermo Aparicio, genannt Apa. Wer er war, darüber lässt sich im Internet einiges finden, so zum Beispiel der Nachruf, der im Juni letzten Jahres in der Stuttgarter Wochenzeitung kontext  erschienen ist. Wie er in mein Leben gekommen ist, obwohl ich weder Stuttgarter bin noch je viel im Ländle zu tun hatte, ist eine längere, aber nicht unbedingt interessante Geschichte. Wir haben uns selten gesehen, aber umso mehr Mails geschrieben, vor allem über die Bücher, an denen er arbeitete. So blieb nicht aus, dass ich in einigen seiner Werke Spuren hinterließ. Auffindbare in dreien oder vieren, darunter in einem aus seiner Erfolgsreihe „Spanisch für Besserwisser“, nämlich im Band VI über spanische Poesie „Poesía eres tú“, und in zwei anderen aus der zweiteiligen Minireihe „Spanisch für Besseresser“, in denen es um die Küche geht. Wie die allermeisten seiner Bücher sind auch diese drei im Stuttgarter Schmetterlingsverlag erschienen.

Den Plauderton in Aparicios Büchern muss man mögen. Er ist witzig, manchmal kokett. Die Leichtigkeit, mit der Aparicio die Ideen zufliegen, indem er sich mit einem, mehr oder minder imaginären Gesprächspartner unterhält, macht die Lektüre jedenfalls angenehm. Falls der Leser oder die Leserin nur genügend Spanisch versteht. Denn in diesen Büchern geht es zwischen den Sprachen hin und her wie zwischen den Dialogpartnern, pim, pum, und ein Wort der einen Sprache gibt das Wort der anderen. Ungefähr so, wie in diesem Gespräch über calabacines oder Zucchini, an dem ich mit einem klitzekleinen Rezeptvorschlag beteiligt bin:

– Déjeme que ahora le cuente que acaba de recomandar mi amigo Karl. Me escribe: „In wenig Butter oder mildem Olivenöl und einer Spur Knoblauch gedünstet – d.i. in der Pfanne mit Deckel aber OHNE Wasser – werden sie absolut spargelig.“
– Difícil de decir en castellano, sobre todo eso de spargelig. ¿Esparragoso?
– No, por favor, eso es un horror. Esparragueño sería un poco menos inaceptable. Pero dejémoslo sin traducir, al menos por el momento.

Ich habe wahrhaftig nicht oft genug in der Küche meines Freundes gesessen. Essen, Liebe, Poesie und Sprache, an Gesprächsstoff hätte es nicht gemangelt. Vor einem Jahr habe ich ihm diesen Nachruf geschrieben:

Guillermo Aparicio, Apa (1940 – 2021)

I
Zum Schluss ist mir der Freund entglitten.
Den Brief ersetzt ein Anruf nicht.
Und lose, freundliche Visiten –
Entfernung fiel hier ins Gewicht:
Der nächste Weg hätt sich gezogen,
zum Nachtgast mich gemacht, zur Last.
Nach Jahren Mails und Dialogen,
die letzten habe ich verpasst.

Es ist, wies ist. Nichts kann mir nehmen,
wie köstlich lieb der Freund mir war.
Wir hatten unsre großen Themen
und schwelgten im Vokabular,
dem spanisch-deutschen von uns beiden.
Wir konnten ewig uns dran weiden.

II
– ¿Has encontrado un amor?
Das letzte Mal, dass wir uns sehen.
Ich schwärm von meiner Liebe vor
(schon elend langsam ist das Gehen).
– ¡Sí! – Und wie ist sie? Hat sie Brust?
– ¿Sus pechos? ¡Apa! – ¿Abundantes?
Es lag viel mehr darin als Lust.
Der Trost der Welt, der Freund benannt es,

ist Fülle, Nahrung, Überfluss;
die Liebste geizt nicht, das ist Leben.
Und wenn ich etwas wählen muss
aus dem, was mir der Freund gegeben,
dann diese Weisheit: volle Hände.
Nimm an! Und schenke. Bis zum Ende.

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