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vonericbonse 25.10.2020

Lost in EUrope

Eric Bonse, EU-Korrespondent der taz in Brüssel, schreibt hier all das über Europa und seine Krise(n), was die EU gerne verdrängen würde | Bild: dpa

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Der armenische Präsident Armen Sarkissian hat Brüssel besucht und dringend um Hilfe gebeten. Ansonsten drohe eine Eskalation des Krieges mit Aserbaidschan um Nord-Karabach. Doch EU und Nato ließen ihn abblitzen.

Normalerweise werden Staatschefs in Brüssel gebührend empfangen, mit öffentlichen Auftritten und Pressekonferenzen. Doch Sarkissian wurde regelrecht versteckt, die Medien wurden ferngehalten.

So sickern auch erst heute – einen Tag nach seinem Blitzbesuch – einige Details durch. Der armenische Präsident wollte offenbar erreichen, dass EU und Nato mäßigend auf die Türkei einwirken, die mit syrischen Söldnern in den Konflikt eingreift.

Doch weder EU-Ratspräsident Michel noch Nato-Boss Stoltenberg taten ihm den Gefallen. Sie forderten Zurückhaltung und die Einhaltung des (unter russischer Vermittlung) vereinbarten Waffenstillstands. Das war’s auch schon.

Das Wort “Türkei” nahmen die Vertreter des (ehemaligen) Friedensnobelpreisträgers und des (so genannten) Verteidigungsbündnisses nicht in den Mund. “Nato and EU silent on Turkey, despite Armenia’s appeal”, schreibt der “EU Observer”.

Das ist hohe Diplomatie, könnte man sagen. Ist es aber gerade nicht, ganz im Gegenteil. Kurz nach dem Treffen kündigte die Türkei an, dass sie bereit sei, direkt in den Konflikt einzugreifen, wenn Aserbaidschan dies wünsche.

Zudem begann Ankara mit Militärübungen. Offenbar hat man das Schweigen der EUropäer in Ankara als Freibrief empfunden, um den Krieg weiter anzuheizen…

Siehe auch „Wie Merkel das Türkei-Problem klein redet“ 

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kommentare

  • Die Vertreibung der Armenier aus Berg-Karabach wird der Türkei den Weg nach Osten öffnen. In einigen Ländern der ehemaligen Sowjetunion wird er schon sehnsüchtig erwartet, nicht zuletzt bei den 4200km entfernten Uiguren in China. Sie warten auf ihren Befreier aus den chinesischen Arbeitslagern.
    Auch die Saudis und die USA dürften sich damit abfinden müssen.
    Die große Stunde für Tayyip hat geschlagen.
    Schauen wir wieder in Ruhe zu, was mit den Armeniern geschieht.

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