vonericbonse 02.07.2022

Lost in EUrope

Eric Bonse, EU-Korrespondent der taz in Brüssel, schreibt hier all das über Europa und seine Krise(n), was die EU gerne verdrängen würde | Bild: dpa

Mehr über diesen Blog

Die G-7 wollen sich für den globalen Süden öffnen. Deshalb hat Kanzler Scholz fünf Länder zum Gipfel im Elmau geladen. Doch die erhofften Ergebnisse bleiben aus – die Welt folgt dem Westen nicht mehr.

Indien, Südafrika, Senegal, Indonesien und Argentinien: Diese fünf Gastländer durften an drei der insgesamt sieben Arbeitssitzungen teilnehmen.

Scholz und US-Präsident Biden wollten sie überzeugen, dass Russland ganz allein am Krieg in der Ukraine schuld ist, und in ihre Anti-Russland-Politik einbinden, möglichst auch in die Sanktionen.

Doch das ist schief gegangen. Obwohl die westlichen “Leader” mit einer bis zu 600 Mrd. Dollar schweren “Partnership for Global Infrastructure and Investment” locken, blieben die Gäste auf Distanz.

Indonesien hält daran fest, auch Kremlchef Putin zum G-20-Gipfel im Herbst einzuladen. Senegal kritisiert weiter die Sanktionen gegen russische Banken, die Nahrungsmittelkäufe in Afrika erschweren.

Indien kauft weiter Öl in Russland. Und Südafrika äußerte kaum verhohlene Kritik am westlichen Kurs. Das sogar vor laufenden Kameras, wie Außenministerin Pandor:

Die G7 hätten in ihren Augen die Macht, eine Verhandlungslösung zu erwirken. Die Konfliktpunkte zwischen der Ukraine und Russland würden seit Jahren weltweit debattiert – und “Afrika sei nie an den Verhandlungstisch eingeladen worden, um diese Streitpunkte zu diskutieren”. Jetzt von ihrem Land zu fordern, sich politisch für eine Seite in diesem Konflikt zu entscheiden, sei deshalb nicht möglich. “Wir haben unsere Position bereits klar gemacht: Die Welt hat eine Verantwortung, für Frieden zu sorgen – und wir glauben, dass Anführer wie die G7 von solcher Macht – ob Partner oder Gegner der Ukraine – die Fähigkeit und Führungsrolle haben, um zusammen an einer Lösung zu arbeiten.”

ZDF / Reuters

Scholz bemühte sich zwar noch, den Dissens zu vertuschen. Man sei sich mit den Gästen einig über die Ursachen des Krieges in der Ukraine, behauptete er.

Es gebe zwar manchmal unterschiedliche Ansichten, sagt Scholz zum Abschluss des Treffens in Oberbayern. Es habe aber niemand Zweifel daran, “es ist ein russischer Angriff auf einen Nachbarn, der diesen Angriff nicht provoziert hat”. 

Doch das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Welt dem Westen nicht mehr folgt. Und den Sanktionen schon gar nicht.

Denn die haben die Probleme, die es schon vor dem Krieg gab – zu hohe und spekulative Preise bei Weizen, Öl und Gas – aus Sicht des “globalen Südens” unnötig verschärft.

Bald dürfte es noch schlimmer werden – denn nach dem G-7-Gipfel bereiten Amerikaner und Europäer schon die nächsten Strafmaßnahmen vor…

Siehe auch “Front gegen Russland: Der Westen isoliert sich selbst”

Anzeige

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

https://blogs.taz.de/lostineurope/2022/07/02/der-westen-verliert-seine-follower/

aktuell auf taz.de

kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.