vonHans Braumüller 14.02.2026

Meta + Post

Meta + Post ist ein Blog des Künstlers Hans Braumüller über Mail Art und die Kunst des Lebens.

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Die Empfänger sind die 12 Künstler, die mitgemacht haben. Wer etwas beigetragen hat, bekommt ein Exemplar. Mehr gibt es nicht. Die restlichen Briefe gehen an Archive und interessierte Sammler.

Mail Art Prinzip

Peter Schubert lädt Künstlerinnen und Künstler ein, das Thema Noise of Silence zu interpretieren – visuell und akustisch. Die Einsendungen kommen per Post: Zeichnungen, Collagen, Drucke auf Papier, dazu Klangstücke auf Datenträgern oder als Files. Schubert scannt die visuellen Arbeiten, sammelt die Sounds, arrangiert sie in der Reihenfolge, in der sie eintreffen. Keine redaktionelle Auswahl, keine Hierarchie. Wer zuerst kommt, steht vorne.

Das Ergebnis ist eine Momentaufnahme. In der ersten Ausgabe sind insgesamt zwölf Positionen versammelt: Mit Vittore Baroni, italienischer Mailartist und seit den Siebzigern im Netzwerk aktiv und Rod Summers, der mit VEC visuelle Poesie und Klang verbindet, Künstler, welche seit Jahrzehnten eng mit der Mail Art verwoben sind. Daneben Beth Robertson, die mit ihrem Projekt woh.nen  das kollektive Zuhören als politische und soziale Praxis untersucht oder Thomas Rosen, der mit rsn Klang, Fotografie und Objekt ineinander verschränkt, eher Vertreter, deren künstlerische Ansätze aus der zeitgenössischen Sound Art kommen.

Bereits in der ersten Ausgabe waren mit den „Wiederholungstätern“ Jürgen O. Olbrich aus Kassel und Brandstifter  aus Mainz zwei Künstler vertreten, die das Projekt mit wiederholten Einreichungen konsequent weiterführen. Olbrich, bekannt für seine Arbeiten in konkreter und visueller Poesie sowie Copy- und Mail Art, und Brandstifter, dessen konzeptionelles und interdisziplinäres Werk von Dada und Fluxus geprägt ist, stehen exemplarisch für eine Kunstpraxis, die sich dem Alltäglichen ebenso verpflichtet fühlt wie dem Experiment.

2. Ausgabe

Die zweite Ausgabe, am 6. Februar 2026 veröffentlicht, bringt mit unter anderem Horst Tress aus Köln sowie Hans Braumüller aus Hamburg ebenfalls wieder Vertreter der klassischen Mail Art mit in das Zine. Der multidisziplinäre Künstler Juan Bermúdez aus Kolumbien, der Zeit als akustisches Material behandelt und Michael Vorfeld aus Berlin, der mit selbstgebauten Instrumenten Geräusche produziert, die nicht glatt sind, sondern kratzig und widerständig, arbeiten hingegen bevorzugt mit dem Medium Klang.

Noise of Silence ZineNoise of Silence ZineNoise of Silence Zine

CD-R

Verschiedene Auffassungen des vorgegebenen Themas treffen aufeinander. Schubert kommentiert diese nicht, er stellt sie nebeneinander. Die CD-R ist Teil des Konzepts. Sie zwingt zu einer Entscheidung: Ich lege sie ein, ich höre sie am Stück oder ich lasse es. Kein Algorithmus schlägt vor, was als nächstes kommt. Kein Shuffle verteilt die Reihenfolge neu. Die CD-R ist ein Objekt, das man anfassen muss, das Platz braucht, das sich nicht in eine Cloud verflüchtigt.

Netzwerk

Das Ganze funktioniert über Weitergabe. Wer ein Exemplar hat, kann es zeigen, verleihen, in seinen eigenen Kreisen zirkulieren lassen. Schubert hofft darauf, dass sich das Netzwerk so erweitert. Nicht über Werbung, sondern über Mundpropaganda. Wer mehrfach einsenden will, kann das tun – aber nie in derselben Ausgabe. Jede Ausgabe ist ein abgeschlossener Vorgang.

Diese Arbeitsweise knüpft eng an die Prinzipien der Mail Art an. Kunstwerke werden per Post verschickt, kommentiert, weitergereicht – ein Netzwerk ohne Zentrum, ohne Markt. Robert Filliou nannte es das “ewige Netzwerk”: Jeder gibt etwas, jeder bekommt etwas, niemand besitzt es. Schubert übernimmt diese Logik und überträgt sie auf ein Medium, das 2026 nicht mehr selbstverständlich ist – die physische Post, den materiellen Tonträger.

Vielfalt

Was dabei entsteht, ist kein Statement über Lärm und Stille. Es ist eine Sammlung von Versuchen, sich dem anzunähern, was passiert, wenn man aufhört zu reden. Manche dieser Versuche sind laut, manche fast unhörbar. Manche arbeiten mit Feldaufnahmen, andere mit Synthesizern, wieder andere mit der eigenen Stimme. Die visuelle Seite zeigt ähnliche Vielfalt: abstraktes Gekritzel neben typografischer Präzision, Copy Art neben digitalen Collagen.

Resonanzräume

Schubert selbst hält sich zurück. Er kuratiert nicht im klassischen Sinn, er organisiert. Seine eigene künstlerische Praxis – kollaborative Klangprojekte, partizipative Installationen – taucht hier nicht auf. Noise of Silence ist nicht seine Plattform, sondern ein Resonanzraum für andere.

Projekt

Ob das Projekt über die erste Handvoll Ausgaben hinausgeht, ist offen. Schubert plant keine feste Anzahl, kein großes Finale. Es läuft, solange Einsendungen kommen. Das kann drei Ausgaben sein oder dreißig. Die Struktur ist so angelegt, dass sie sich selbst trägt – oder eben nicht.

Sound- & Mail-Art Zine

Noise of Silence ist ein Mail-Art- und Sound-Art-Zine. Künstler sind eingeladen, eine visuelle (150 x 210 mm, Hochformat) und eine auditive (max. 5 Minuten auf CD-R/SD-Karte …) Interpretation des Themas Noise of Silence zu erstellen. Das Ergebnis ist jeweils ein 16-seitiges A5-Zine mit CD-R in Auflage von 25 Stück, sobald Einreichungen von 12/13 Künstlern für beide Formate vorliegen. Jeder teilnehmende Künstler erhält eine Ausgabe per Post.

Zur 2. Ausgabe von  Noise of Silence

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