vonMarkus Szaszka 10.08.2018

Der Nirgendsmann

„Der Nirgendsmann: Partys, Smartphones und Nazis“: Hedonismus, Digitalisierung und die Neue Rechte: Wie ist das alles miteinander verbunden? Jetzt auch in Buchform.

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Neulich, ich scrollte durch meinen Instagram-News-Feed, brachte mich ein Bildchen eines der bekanntesten Buchverlage im deutschsprachigen Raum zum Nachdenken. Es wurde ein Roman beworben, wie so häufig, mit ein bis zwei Sätzen aus dem zu bewerbenden Buch. Und da war er wieder, so plump und gefällig, wie man ihn kennt; der Zynismus. GÄHN! Ich kann nicht mehr… und warte sehnlichst auf glorreiche Zeiten, wenn der Zynismus (nicht gleichzusetzen mit Ironie oder Sarkasmus), der sich in den letzten Jahrzehnten tiefer denn je in unser Denken eingebrannt hat, aus der Mode fallen wird.

Es ist leicht nachzuvollziehen, weshalb so viele Autoren, Verlagshäuser und Leser auf der zynischen Welle reiten (wobei sich dieser Trend nicht nur auf den Literaturbetrieb beschränkt). Einerseits leben wir in einer chaotischen und undurchschaubaren Welt, die einem Angst machen kann. Zynismus war schon immer eine sehr hilfreiche Taktik, um sich vom „noch nicht ganz Verstandenen“ wirksam abgrenzen zu können.

Andererseits ist es die einfachste Art zu schreiben, die zugänglichste und leider auch eine hochgradig funktionslos. Die frechen Sprüchlein eines Zynikers verpuffen in dem Moment, in dem sie konsumiert werden – Wegwerfliteratur.

Wenn die alten Cyniker der Antike wüssten, was aus ihrer idealistischen Denkkunst geworden ist…

Literatur, die sich darauf ausruht, den einfachen Weg zu gehen – denn es ist immer einfacher, etwas schlecht zu machen, als es gut zu finden – ist wie ein Auto ohne Motor, vielleicht schön, aber sinnfrei.

Und irgendwann muss auch gut sein. Wir sind mittlerweile soweit, dass Wörter wie Herzensbildung ausgelacht werden, weil sie nicht cool genug sind, oder Tätigkeiten wie Sonnenuntergänge beobachten belächelt werden, weil sie vermeintlich kitschig sind.

Ob in Filmen, viel zu schnell geschnittenen Serien oder sonst wo, der Protagonist hat stets einen kecken Witz auf den Lippen und alles Schöne und Gute ist leichte Beute für die Menschen des 21sten Jahrhunderts, die sich ach so gut fühlen, weil sie Internet haben und Europa von keiner Mauer mehr geteilt wird. Toll. Aber vielleicht geht es noch ein Stückchen weiter?

Zusammengefasst; Zynismus bitte ein bisschen zurückschrauben, sonst gibt es a) keine neuen Ideen, b) in Zukunft wird nichts bewegt werden und c) die Folgegenerationen werden blöd aus der Wäsche gucken. Und das wollen wir ja nicht… oder?

 

Bis bald, euer Nirgendsmann

PS: Über ein paar Hasskommentare oder Hinweise, dass ich komplett danebenliege, würde ich mich – wie immer – sehr freuen!

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