vonChristian Ihle & Horst Motor 01.03.2008

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Glasvegas, Joe Lean & The Jing Jang Jong, Pete & The Pirates, The Courteeners, Vincent Vincent & The Villains, The Von Erich Family…

Glasvegas

Jesus & The Mary Chain, My Bloody Valentine und The Ronettes. Kann eine Band mit diesen Referenzen überhaupt nicht großartig klingen? Im Gegenteil, die vier immer schwarz gekleideten Schotten bringen noch etwas Rockabilly-Edge, 50ies Style und einen bigger-than-life-Chorus auf die White Noise Party mit und sind damit zu recht die größte Hoffnung für 2008.
Wenn in 20 Jahren Sofia Coppola „Lost In Scotland“ dreht, wird Scarlett Johansson zu „It’s My Own Cheating Heart That Makes Me Cry“ durch die Straßen von Glasgow laufen.

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* It’s My Own Cheating Heart That Makes Me Cry,
* Flowers & Football Tops
* Daddy’s Gone

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Joe Lean & The Jing Jang Jong

Ja, die britischen Bandnamen, sie werden immer bizarrer. Kein Grund aber, sich nicht in diese wundervolle 50er Jahre Indiepop-Variante der Strokes zu verlieben!
Joe Lean mag das schlimmste Großmaul seit Johnny Borrell sein und wir sind uns noch nicht ganz sicher, ob die Jing Jang Jongs in zukünftigen Veröffentlichungen nicht doch einen Razorlight bauen, denn der unbändige Wille, ein Star zu werden, hat schon manche Band zu weit an die Radiotauglichkeit gebracht, aber für hier, jetzt und heute hören wir einfach „Lucio Starts Fires“ und lassen uns dadurch trösten, dass das Original Julian Casablancas ganz offensichtlich die Arbeitsethik früher Richard-Linklater-Figuren lebt.

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* Lucio Starts Fires.

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The Courteeners

Gerade habe ich noch geschrieben, dass Joe Lean das schlimmste Großmaul seit Johnny Borrell wäre, dabei aber doch den Courteeners Sänger Liam Fray vergessen! Es ist eben in England Usus, zu trommeln bis die Brust platzt. Im Gegensatz zu den Jing Jang Jongs, die sich in erster Linie bei den Strokes bedienen, sind die Courteeners bei der anderen großen Gitarrenband des jungen Jahrhunderts unterwegs: den Libertines. Etwas reifer als die Jungs von The View, aber auch nicht wirklich originell klingt Manchesters jüngste Hoffnung. Ob das 2008 reicht? Man wird sehen.

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* Cavorting

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Vincent Vincent & The Villains

Die VVVs sind schon so lange in den Londoner Szenen unterwegs, dass es schwer fällt zu glauben, dass 2008 tatsächlich erst ihr Debütalbum veröffentlicht wird. Selbst The Rumble Strips, die Gruppe des ehemaligen Vincent Vincent Mit-Frontmannes Charlie Waller, stellten bereits im letzten Jahr ihr Debüt in die Läden. Vincent Vincent gelang es aus der bittersten Niederlage – eben der Trennung von Sänger und Bandkollege Charlie Waller – den besten Moment für die Villains zu kreieren: „Johnny Two Bands“, das Lied über die bittere Trennung ist bis heute das beste, was Vincent zu Papier brachte: „It’s not easy giving up on a friend / Especially one with a voice so strong / But you always doubted the music that we made / And you were wrong / Johnny Two Bands“.

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* Johnny Two Bands
* Blue Boy

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The Von Erich Family

Dustin’s Bar Mitzvah waren die tollste, betrunkendste und irrste Retropunkband der letzten Jahre. 2007 zerriss ein Gig in Berlin die Band endgültig und damals dabei gewesen zu sein, war wie einem Autounfall zuzusehen. Über just diese Erfahrung schrieb Dustins-Sänger Dave Lazer „Berlin“ und schafft es dabei, all die schrecklichen, drogenumnebelten, betrunkenen, unsicheren Momente dieser Zeit in ein Lied zu packen, das Weezers „Only In Dreams“ mit einem 70er Jahre Klavier kreuzt. Fan.tas.tisch. “Berlin is no fun / when you are on the run / from yourself / in the city where the night devours the day”.

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* Berlin

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Pete & The Pirates

Einen viel klassischeren Exponenten britischen Indierocks werden wir 2008 schwer finden. Pete & The Pirates haben die Gitarren, den Indielärm und die Refrains. Alles am Platz. Man muss allerdings jene enttäuschen, die sich einen hutbewehrten, crackliebenden Sänger mit Augenklappe und Eisenhaken statt Hand vorstellen. Trotz des Namens: ER ist nicht in dieser Band.

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* Come On Feet

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(alle Texte: Christian Ihle)

Weiteres:
Teil 1: I Predict A Riot 2008: Pop!
Teil 2: I Predict A Riot 2008: Singer & Songwriter
Teil 3: I Predict A Riot 2008: aus deutschen Landen
Teil 4: I Predict A Riot 2008: New Rave et al.
Teil 5: I Predict A Riot 2008: Willkommen im Untergrund
Teil 7: I Predict A Riot 2008: Gitarren All Over The World

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