vonChristian Ihle 30.10.2008

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Alle Helicopters gehen hoch: Bloc Party präsentieren in der Flughafenlounge in Tempelhof ihr neues Album „Intimacy“ – Spaß machen aber an diesem Abend vor allem aber die Hits der ersten beiden Alben.

Oh, was haben sich Bloc Party vorwerfen lassen müssen. Zu klingen wie Scooter (auf Flux), dass sie in Brasilien playback gespielt hätten, dass das neue Album „Intimacy“ bis auf wenigen Ausnahmen mau sei. Und ganz ehrlich, vor dem Auftritt vergangenen Donnerstag im Berliner Flughafen Tempelhof brodelte das Publikum auch nicht gerade vor Aufregung und Vorfreude. Einmal davon abgesehen, dass die Flughafenlounge trotz des eindrucksvollen Bauwerks und des Ausblicks auf das Rollfeld, den Charme eines Messezentrums hatte und das Publikum zu gleichen Teilen aus willfährigen Intro-LogIns (die, ganz gleich wie gut der Auftritt werden würde, tanzen würden) und aus PR- und Pressepublikum (das, ganz gleich wie gut der Auftritt werden würde, nicht tanzen würden) bestand.
Bloc Party in Tempelhof

Jedenfalls, Bloc Party. Kommen auf die Bühne und legen ein Tempo vor, dass jede Sekunde volle Schubkraft voraus anzeigen und so jede Zweifel über den Stand von Bloc Party 2008 in alle Winde zerstreuen soll. Vorne hüpfen wie erwartet ein paar jugendlich gebliebene Mittzwanziger umher, als spielten Bloc Party „Jump Around“. In der Mitte drängen sich Mädchen und versuchen auf Zehenspitzen ein Photo von Kele Okereke zu schießen, erwischen aber vor allem die Decke des Raumes. Irgendwo rechts tummeln sich Daniel Brühl und der Typ, der in der deutschen Komödie „Harte Jungs“ in einen Dialog mit seinem Gemächt trat, und an der Bar drücken sich missmutige Musikjournalisten, die völlig unabhängig vom Verlauf des Abends schon grob wissen, was sie schreiben werden.

Uwe Viehmann etwa, der in einem früheren Leben einmal Chefredakteur der Spex war und nun dem weitgehend egalen Internetfernsehsender Hobnox dient (der den Abend offenbar ausstrahlte) drückte sich, wie so viele, eher an der Bar als in der ersten Reihe rum um gleichzeitig via Twitter zu mutmaßen, warum Bloc Party die neue Single erst nach der Sendezeit spielten.

Aber tatsächlich: Am Besten war das Konzert ganz ohne Frage immer dann, wenn Bloc Party die Lieder, die sich bekannt und verehrt gemacht haben, spielen. „This Modern Love“, „Banquet“, „Hunting for Witches“ und „Song For Clay“ haben nichts, aber wirklich auch nichts von ihrer Unmittelbarkeit und Größe verloren. Und das neue Album? Im besten Fall ein sogenannter Grower. Im schlechteren Fall ein zur Abwechslung schwächeres Album. Während aber der Flughafen Tempelhof, der Ort des Geschehens, definitiv Geschichte ist, haben Bloc Party noch einiges an Zeit und Potential, daran besteht nach diesem Abend wenig Zweifel. (Daniel Erk)

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https://blogs.taz.de/popblog/2008/10/30/new_kids_on_the_bloc_party/

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kommentare

  • Huch. Hier wurde ja geantwortet. Und wie süß. Am besten hat mir das Grau im Gesicht gefallen. Hat noch nie jemand was anderes behauptet, wenngleich das Gesicht letztens ganz doll braun war, aber daran hätte Hertha-Schnucki sicher auch was auszusetzen gehabt. (Hertha, schon bei dem Namen muss man nach dem Gesicht auch sofort auf dem Kopf grau werden und sich vor Grauen grausam… ach lassen wir das)
    Und der andere Feigling ohne Namen: Nichtskönner sein ist prima und geht voll in Ordnung. Es wenigstens zu probieren aber… das solltest auch du versuchen, mein Lieber. Ansonsten bleibt dir nur das Leben als Troll. Komm.. ach egal, ist sicher auch ganz toll.
    Ahoi, euer Experte im ganz furchtbar amüsiert sein.

  • Hehe, ihr dachtet wohl mich gibts nicht mehr. Tuts aber, und ich sag euch was zu BC, hobnox und zum Viehherdenmann: sie sollen bitte alle aufhören vorzugeben, etwas anderes als Nichtskönner zu sein. Tschüß, ihr Racker. Euer Wolle.

  • uwe hat ob der der katastrophale darbietung seiner kölner karnevalstruppe wahrscheinlich nur schlechte laune gehabt. zwei vorteile hat das proletarische mittelstädtertum gegenüber den weltbürgern qua wohnort: 1) man muss nicht auf bloc party konzerte gehen, kann aber durchaus, wenn man will 2) der fußball ist hier besser

  • Ich finde Hobnox auch eine schöne Idee, schaue mir das aber nie an. Aber ich schaue ohnehin wenig fern. Ich habe getanzt, ja, aber ehrlich gesagt nur bei den alten Hits, so eine Hitschlampe bin ich nämlich. „Concert Online“, hach, da habe ich zu schnell den netten Viehmann mit der netten Übertragung verbunden und Expertentum unterstellt, aus reiner Freundlichkeit.

  • Ich war nicht auf dem Konzert , Uwe. Nur der rasende Reporter Daniel.

    Ich für meinen Teil finde ja Hobnox auch eine schöne Idee und war überaus beeindruckt von Uli & Yorcks Arbeitseifer während des Oya Festivals. Weitermachen!

  • Hallo Daniel? Christian? Wie denn jetzt?

    Immer „schön“ wenn man bemerkt wird. Ich will an dieser Stelle selbst auch gar nicht viel bemerken, sondern nur kurz anmerken, dass die Show nicht von Hobnox, sondern Concert Online gefilmt wurde. Nur falls jetzt jemand danach sucht. Kann ja sein, auch wenn Hobnox so egal ist. Was ich dagegen gar nicht finde, ich kümmere mich ja aber auch hauptsächlich um http://tv.hobnox.com und die weit mehr 120 Stunden selbst erstellte redaktionelle Inhalte (plus sehr viel mehr Stoff). Da ist mit Sicherheit auch was für dich (Daniel und/oder Christian) dabei.
    Das Schöne ist ja, wenn man zuhause sitzt, drückt man für den kurzen Gang zum Kühlschrank einfach kurz Pause. Auf einem Konzert allerdings muss man an die Bar. Auch ich. Sehr gerne.
    Die Bar grundsätzlich war, meiner Meinung nach, auch gar nicht überfüllt und ich selbst habe ja auch immer wieder versucht der Show zu folgen, aber auch bei 1,90 war mir dies ob der doch arg niedrigen Bühne leider nicht richtig erfolgreich möglich und ja, ich war noch dazu von meinem ersten Aufenthalt in Tempelhof mehr als abgelenkt. Ging es dir/euch das anders?
    Außerdem fällt mir gerade noch, dass ich mittlerweile weiß, warum BC ihre aktuell Single erst nach Ablauf der (übrigens eigentlich wichtigen) einstündigen Radio-Fritz-Übertragung gespielt haben (siehe der Link zum Twitter-Beitrag). Es geht da wohl um die Sammlung von exklusivem Bonuscontent für das eingangs erwähnte Bezahl-Download-Portal. Sag man sich in bandnahen Kreisen zumindest, aber sicher bin auch ich mir nicht. Was ich eigentlich sagen wollte? Nix schlimmes, der „Hobnox“-Google Alert hat mich einfach soeben hier hingeschickt, oder anders: Hast du getanzt? Habt ihr?
    Nie stets zu Diensten.
    Ahoi.
    Uwe

    P.S.: Altes Interview, noch ein bisschen nervös, aber eben auch alte Hits: http://tv.hobnox.com/index.1032.html#/en/Sly-Fi/…and-more/arpyw

  • Eh, voll hippiemäßiger Scheißtext! Ob Bloc Party noch was reißen, das steht doch volle Kanne in den Sternen wie die Zukunft des Flughafengeländes da!

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