vonChristian Ihle 10.01.2009

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

Mehr über diesen Blog

„In den Spott über „Chinese Democracy“ mischt sich also notwendig auch Mitleid. Jeder Versuch, dieses Werk für ein Dokument der musikalischen Hochkomik zu halten, endet andererseits in dem Moment, in dem jemand die darin enthaltene Musik tatsächlich abzuspielen beginnt. Hier gilt für die Popkritik, was auch fürs Leben gilt: Selbst die geschliffenste Dialektik versagt, wo die Empirie sich verweigert. Die neue Platte von Guns´n´Roses ist einfach nur der letzte Scheiß.“

(Spex, Jens Balzer)

Mit Dank an Christoph!

Weiterlesen:
1. Mehr Schmähkritiken über Guns’n’Roses:
* Axl Rose
* Guns’n’Roses (1)
* Guns’n’Roses (2)

2. Jens Balzer über Skateboarder
* Skateboarder

Anzeige

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

https://blogs.taz.de/popblog/2009/01/10/schnaehkritik_150_gunsnroses_-_chinese_democracy/

aktuell auf taz.de

kommentare

  • soll mal einer erzählen, dass der balzer nicht berechenbar ist: jens war schon wieder im west germany unterwegs! mensch, toll!!!! BZ, 02.02.09

    „Dieser Krach braucht kein Bewusstseinz: Der kalifornische Noise-Elektroniker John Wiese spielte im Westgermany

    Jens Balzer
    Krach muss nicht kontemplativ sein; das ist eine Tatsache, die gelegentlich gerne vergessen wird. Musikalisch ausgeführter Krach zerfällt ja grundsätzlich in zwei Varianten: in subjektiven und a-subjektiven Krach; also einerseits: Krach, der den Hörer dazu bringt, innerlich zu erschauern, sich zu gruseln oder irgendwie miserabel zu fühlen und also sich unter dem äußeren Druck des Lärms umso tiefer ins Innere, ins Ich zu versenken (nichts anderes ist ja „Kontemplation“); und andererseits: Krach, der direkt auf den Körper wirkt, auf die Organe, Knochen, die Anatomie; ich-loser, materieller Krach. Die erstere Krachseite wird vor allem von Gothic- und Metal-Freunden gepflegt mitsamt dem ganzen Inventar der ich-spiegelnden Zeichen von Gott, Religion, Satanismus usw. Die andere Seite steht in der ich-losen Tradition des Industrial: Hier geht es um den Lärm von Maschinen, um das „reine“, bewusstlose Geräusch.

    Nur selten gelingt es einer Band, Subjektivität und Entsubjektivierung im Medium des Krachs zu verbinden: Darum waren die ersten Platten, mit denen die amerikanischen Doom-Metal-Mönche von Sunn0))) vor einigen Jahren an die Öffentlichkeit traten, auch so interessant. Was sich darin verband, fällt aber leicht wieder auseinander: wie man etwa am Mittwoch beim Konzert des Sunn0)))-Sängers Attila Csihar in der Maria beobachten konnte: Hier wurde die musikalische Abstraktion einem Metal-typischen Satanismusgemulme geopfert.

    Einen Vertreter der entgegengesetzten Krachschule konnte man am Sonnabend im Westgermany erleben: den kalifornischen Produzenten John Wiese, der seinerseits – auf dem 2005er Album „Black One“ – bereits mit Sunn0))) zusammengearbeitet hat. Bei ihm geht es jedoch ganz ums „reine“ Geräusch. Mit einem Laptop, einem Oszillatoren und einem Sensor prozessierte er feingehackte Geräuschschnipsel – knallendes Geklacker wie von einem Mikrofon, das gegen einen Gegenstand schlägt; aber auch Nachklänge von Glocken oder elektrischen Rückkopplungen -, und flocht daraus einen hymnisch aufsteigenden Lärm. Das war aggressiv, laut und zugleich sehr schön: Unter einem in hohen und höchsten Frequenzen zwitschernden Kreischen ließ Wiese unaufhörlich winzige Bass-Blumen erblühen; aus der schwebenden Abstraktion fand er mit scheinbar „natürlichen“ Klängen immer wieder in den körperliche Realismus zurück. Wieviel intensiver und beeindruckender ist dieser transzendenzlos schmerzende Noise als jeglicher Gothic- und Metal-Doom: Wahre Krachkunst braucht keinen Mummenschanz.

  • ha ho he hertha bsc,
    wenn ich Dir jetzt erkläre, was mir an Balzer gefällt: Zeitverschwendung.

  • was ist denn an balzer famos bitteschön? eine anachronistische jugendkultur wie skateboraden zu dissen? hat houellebecq vor zehn jahren schon gemacht.

    und sonst? jede woche den üblichen review in der ´berliner´, dass er wieder die beste band der welt oder die rettung der musik im ´west germany´ gesehen hat? wahrscheinlich wohnt er bloss um die ecke, sonst wärs eben der schokoladen.

    @birdboy, kritik unter der gürtellinie disqualifiziert

  • Hmm, dann dürfte man also nie und nimmer an irgendeiner Platte der Weltgeschichte Kritik üben… es sei denn, man ist Bob Dylan, dem die neue Platte der Stones nicht gefällt, oder Morrissey, dem New Order nicht schmecken, und auch dann würde jemand wie hahohe schreiben, dass selbst wenn New Order ein Album mit Schweinegrunzen veröffentlichen würde, Moz die Schnauze zu halten habe, denn: Wenn eine Rückmeldung auf ein Produkt der Musikindustrie KEINE Kaufempfehlung ist, hat sie kein Recht zu existieren

  • wenn sich Investor Montgomery nun zwangsläufig von der Berliner Zeitung verabschieden muss, und die Spex ja nun auch trotz Relaunch auf dem letzten Loch pfeift, kann der Tag nicht mehr weit sein, an dem Jens Balzer nur noch für die Ostsee Zeitung schreibt, bzw ganz verstummt. Das würde ich mir fürs Neue Jahr wünschen…

    ich meine mal ehrlich, jemand wie Balzer ist nicht mal ANNÄHERND in der Position Axl Rose zu kritisieren. Selbst wenn Rose ein Album mit Schweinegrunzen veröffentlichen würde, dürfte Balzer sich nicht dazu äussern.

    So.

    Das ist doch mal ne Schmähkritik!

    Lg

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.