vonChristian Ihle 14.03.2013

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Velvet Two Stripes





Wenn unsere Breitengrade jemals eine würdige Nachfolgeband für The Kills produziert haben, dann sind das die drei jungen Schweizerinnen Velvet Two Stripes, deren rauher Garagenrock wie bei den Kills durch die unterkühlte sexyness des weiblichen Gesangs ebenso aufgewertet wird wie durch den unbedingten Drang zum tatsächlich tanzbaren Rhythmus in all dem Krach.


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Zucker!





Während die Velvet Two Stripes also aus der Schweiz stammen, aber den Kills nacheifern, stehen Zucker! – Christin Elmar Schalko und Pola Lia Schulten aus Hamburg – klar in der Tradition der vielleicht bedeutendsten schweizerischen Band überhaupt, den Postpunk-Avantgardisten von Kleenex (bzw. später Liliput). Wie Kleenex klingen Zucker! kämpferisch und zugleich abstrakt, melodiös und doch verstörend. Die ersten Songs wurden von Tobias Levin produziert und lassen uns gespannt auf ein Debüt warten.


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Trümmer





Auch aus Hamburg, aber weniger Avantgarde, sondern nach dem ganz großen Wurf hören sich Trümmer an. Lange verweigerten sie sich völlig dem Internet und inszenierten so eine gewisse geheimnisvolle Aura, was in den Zeiten der Ubiquität von Musik nicht gänzlich verkehrt sein kann, haben jetzt aber mit ihrem ersten auf youtube zu hörenden Song gleich einen großen Indierock-Entwurf vorgelegt, der weniger nach Dinosaur Jr klingt, die sie bereits supportet haben, sondern nach den mittelspäten Blumfeld, der Summe der einzelnen Kante-Teile. Kommt da endlich wieder eine deutsche Band, die Anspruch und die Hauptbühne eines Festivals miteinander verheiraten kann?


[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=avswTY2s_WY[/youtube]


Snøffeltøffs


Snoffeltoffs

Bevor in naher Zukunft endlich das lang ersehnte zweite Album von Chuckamuck erscheint, wollen wir auch einmal auf die Snoffeltoffs hinweisen, ein deutsch-schwedisches Garagenpunk-Duo, das zur Hälfte aus Chuckamuck-Mitgliedern besteht, aber den Rotzigkeitregler selbst für deren Verhältnisse noch mal auf 11 dreht. Erfrischend wie noch was, so unverkrampft auf die Zwölf wie man das eigentlich hierzulande wirklich nie hört, erinnern die Snoffeltoffs so sehr an amerikanische LoFi-Helden wie die Strange Boys und die Black Lips, dass man ihre europäische Herkunft völlig vergisst.


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Vår





Ich gebe zu: ich war nie ein großer Fan des Debütalbums von Iceage, das mir immer ein wenig zu unentschlossen zwischen Postpunk und Hardcore für Leute, die eigentlich keinen Hardcore mögen, herumirrte. Doch das war 2011, denn 2012 wie 2013 sorgen dafür, dass ich Abbitte leisten muss an Iceage-Sänger Elias Bender Rønnenfelt. Nicht nur ist das zweite Iceage-Album ein Punkbrett wie wir schon ewig keines mehr gehört haben, nein, sein Nebenprojekt Vår mit Sexdromes Loke Rahbek ist sogar noch besser, dem Song „In Your Arms“ nach zu urteilen. Hier pocht auf einmal ein Herz, das wir in all dem iceage’schen Nihilismus nie hören konnten! Einer der besten Tracks 2012!


[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=3RNvX428BNg[/youtube]


Lower





Es sind schon viele angebliche Szenen mit völlig behämmertem Schubladennamen von Pitchfork, NME et al am Nasenring durch die Musikmanege gezogen worden (Chillwave? Witch House? Die New Rock Revolution, anyone?), aber die “New Way Of Danish Fuck You”-Szene setzt dem ganzen dann doch den Mittelfinger auf. Egal, wollen wir uns nicht von Nebensächlichkeiten ablenken lassen und hören lieber Iceage, die bereits genannten Vår oder eben Lower, deren kompromissloser Indierock in eine Zeit zurückweist, als Indie eben noch nicht MTV-Deutsch für schluffelige Bärtchenträger mit leicht verzerrten Gitarren war, sondern für das Laut/Leise/Schreien/Gitarrenkrachen der frühen Pixies stand. Lowers brillanter Song „Someone’s Got It In For Me“ könnte tatsächlich ein Outtake von deren „Surfer Rosa“ – Album sein: krachender Indierock mit Postpunk-Attitude.


[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=unKWamzCsnU[/youtube]



Weitere Folgen:
* Folge 1: UK Indie-Rock mit Savages, Jake Bugg, Peace, Childhood, Palma Vioelts und Splashh
* Folge 2: US Indie-Rock mit Merchandise, Haim, FIDLAR, Deap Vally, Wild Belle, The Family Rain
* Folge 3: Hip-Hop mit Angel Haze, Le1f, Zebra Katz, Joey Bada$$, Kitty Pryde, Lady, Ratking
* Folge 4: Pop mit CHVRCHES, Leslie Clio, AlunaGeorge, Kodaline, Dena, A*M*E, Saint Lou Lou
* Folge 5: Singer/Songwriter mit Gabriel Bruce, Tom Odell, Champs, Child Of Lov, Dagobert, Eddie Front, Laura Mvula, Night Beds, David C Clements
* Folge 6: Elektronisches mit Factory Floor, Organs Of Love, Dan Bodan, Twigs, TNGHT, Jack November, Dracula Lewis

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