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vonChristian Ihle 06.08.2015

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Ja, 1980 war Popmusik noch fähig, Ohrwurm und Gehirn, Attitude und Anspruch zu verbinden.
„Enola Gay“, der größte Hit (na gut, kommerziell der größte Hit war zumindest in Deutschland ihr „Maid Of Orleans“) von Orchestral Manoeuvres in the Dark – aka O.M.D. – beschäftigte sich mit dem Atombombenwurf auf Hiroshima und das sogar recht explizit, so man die Zeichen erkannte.

Um 8.15 Uhr wurde die Bombe, die zynischerweise „Little Boy“ genannt wurde, von einem B29-Bomber abgeworfen, den der Pilot nach seiner Mutter Enola Gay Tibbets benannt hatte.


http://www.dailymotion.com/video/x1nhl4


Im Wissen um diese drei historische Fakten liest sich der sonst vielleicht eher kryptische Text als klare und deutliche Anklage gegen den amerikanischen Atomkrieg:

Enola Gay
You should have stayed at home yesterday
Ah-ha words can’t describe
The feeling and the way you lied

These games you play
They’re going to end in more than tears some day
Ah-ha Enola Gay
It shouldn’t ever have to end this way

It’s eight fifteen
And that’s the time that it’s always been
We got your message on the radio
Conditions normal and you’re coming home

Enola Gay
Is mother proud of little boy today
Ah-ha this kiss you give
It’s never ever going to fade away

Enola Gay
It shouldn’t ever have to end this way
Ah-ha Enola Gay
It shouldn’t fade in our dreams away

It’s eight fifteen
And that’s the time that it’s always been
We got your message on the radio
Conditions normal and you’re coming home

Enola Gay
Is mother proud of little boy today
Ah-ha this kiss you give
It’s never ever going to fade away



Da die Hiroshima-Referenzen nicht überall erkannt wurden, war OMDs Pop-Smash aber bizarrerweise sogar von BBC-Programmen ausgeschlossen worden, weil die Lyrics als „Schwulen-Hymne“ (!) missinterpretiert wurden:

When released as a single, „Enola Gay“, was misperceived by listeners with little knowledge of the Hiroshima bombing as a cryptic identification of the band as homosexual;the track was banned from being played on popular BBC1 programme Swap Shop for fear that it would serve as a corrupting sexual influence on children.

(Quelle: Wikipedia)


P.S. (1): Zumindest indirekt ebenfalls über den Atombombenwurf in Hiroshima ist ein Song einer anderen britischen Post-Punk-Band, die wie OMD später einige der größten Pop-Hits der frühen 80er schreiben sollte: Ultravox! (hier in ihrer frühen Punkphase noch mit Ausrufezeichen geschrieben).
Ihr auf dem zweiten Album veröffentlichter Song „Hiroshima Mon Amour“ bezieht sich auf Alain Resnais‘ gleichnamigen Film von 1959, einem Meilenstein des Kinos, einer Meditation über das Wesen der Erinnerung und der Entfremdung zwischen Menschen vor dem backdrop des atombombenversehrten Hiroshimas.


YouTube Preview Image
(Video startet erst bei 0.55)


P.S. (2): Wenn noch nicht bekannt, sei hiermit auch noch mal auf den angesprochenen Film „Hiroshima Mon Amour“ hingewiesen, der neben „Letztes Jahr In Marienbad“ Alain Resnais‘ zweiter Beitrag zum ewigen Filmerbe ist, dokumentarische Filmaufnahmen aus Hiroshima mit einer Spielfilmhandlung über Liebe verbindet und auch heute noch verstörend avantgardistisch erzählt ist. Regisseurskollege Eric Rohmer bezeichenete „Hiroshima Mon Amour“ demnach nicht zu Unrecht als den “bedeutendsten Film der Nachkriegszeit, das erste moderne Werk des Tonfilms”.
(mehr dazu siehe auch hier)


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P.S. (3): Obwohl „Enola Gay“ mit seinen fünf Millionen verkauften Exemplaren und einer unzerstörbaren Qualität wohl ohne Zweifel der berühmteste OMD-Song ist, waren die beiden Briten zwei Jahre später in Deutschland mit „Maid Of Orleans“, ihrem „Mull Of Kintyre“ über Jeanne D’Arc, noch erfolgreicher: die bestverkaufte Single 1982 und 43 Wochen in den deutschen Charts war das Ergebnis.


http://www.dailymotion.com/video/xbtu9

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