vonChristian Ihle 04.10.2018

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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„Wie oft kann man eigentlich den Namen „Florian Henckel von Donnersmarck“ niederschreiben, bis man sich einen Schraubenzieher durchs Auge ins Gehirn treiben will? (…)

Der ganze Quark wäre uns vielleicht erspart geblieben, hätte The Tourist die Regiekarriere des „Wunderkind[s] des deutschen Films“ so gründlich und nachhaltig zerlegt, wie sie es eigentlich verdient hätte. Nein, tatsächlich und unglaublicherweise war der Film mitnichten ein Flop, sondern hat weltweit dann doch gut Kasse gemacht. Wir erinnern uns: The Tourist war FHvDs zweiter Spielfilm nach dem Oscar-prämierten Das Leben der Anderen, sein Hollywood-Debüt und eine legendenumrankte Peinlichkeit. Wer gehört hat, der Film verdiene seinen miesen Ruf nicht, dem sei gesagt: „Doch. Tut er.“ The Atlantic lügt, ebenso die nichtsnutzige Blickpunkt: Film. In The Tourist schob der deutsche Oscarpreisträger Angelina Jolie und Johnny Depp wie zwei ineinander verkeilte Einkaufswagen verschiedener Supermärkte durch einen haarsträubend hirnverbrannten und grotesk zähen Krimi-Plot und ließ beide so unendlich alt und müde aussehen, dass man begann, sich ernsthaft Sorgen um sie zu machen. (…)

„Werk ohne Autor“ würde Zweitklässler unterfordern, so kunstlos ausformuliert und offensichtlich wird der Bildungsroman wegerzählt. Entweder sind Grundschuldkinder seine angepeilte Zielgruppe oder aber, Florian Maria Georg Christian Graf Henckel von Donnersmarck hält sein Publikum für mächtig schwer von Begriff. (…)

Es ist zum Heulen. Alles begleitet von Max Richters Musik, die einem immer, aber auch wirklich immer, ganz haarklein vorschreiben will, was man zu fühlen hat. Ein Film mit Stützrädern unten dran, formal hüftsteif und die ganze Laufzeit über ausgeleuchtet wie eine Zahnarztpraxis, merkwürdigerweise auch in den Szenen, die im Dunkeln spielen – keine Ahnung, wie die das hinbekommen haben. Nicht eine Sekunde lang sieht Werk ohne Autor nicht wie ein abfotografiertes Filmset aus, sind die Protagonisten mehr als eindimensionale Abziehbilder. Nichts atmet hier. Ein überkontrollierter Riesenaufwand, alles für die Katz.“

(Alexander Buchholz in Das Filter)


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kommentare

  • Herrlich! Ganz ähnlich ging es in meinem Kopf zu, als ich den Trailer gesehen habe. Dass FvD sich erst an der Richter-Biographie vergeht und diesem dann pikiert eine DVD des Films verweigert, passt ins Bild, das ich von dem Schnösel habe.

  • Toll wie selbstgerecht über diesen Film hergezogen wird, aber etwas zu schmähen ist ja auch einfach im Vergleich dazu, etwas zu schöpfem. Leider ist der Autor auf der falschen Seite, ich wünsche ihm gute Besserung und dass ihm auch mal etwas gelingen möge, denn was er hier kritisiert ist letztlich sein eigenes Problem.

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