vonChristian Ihle 19.08.2019

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

Mehr über diesen Blog

Q1: Was sind die drei Höhepunkte, die das Pop-Kultur Festival 2019 außergewöhnlich machen werden?

Christian Morin: Wir möchten beispielsweise das Thema der Identität gegen den Trend nicht populistisch sondern konstruktiv in den Fokus rücken. Auch Schwerpunkte wie Inklusion, Geschlechterfragen und gesellschaftliche Teilhabe bleiben bei Pop-Kultur weiter präsent.

Katja Lucker: Pop-Kultur war und ist ein Festival, das wichtige Hirnnahrung bietet – nicht nur in mitreißenden musikalischen Werken, auch mit spannenden Podien und Workshops. Die Berliner Musikerin Magic Island schafft in den Tiefen des Gewölbekellers über mehrere Räume verteilt eine komplett neue Welt, die sich als immersive Installation zwischen Hölle, Fegefeuer und Paradies verortet. Die Hamburger Klangkünstlerin Rosaceae setzt sich in »A Cause So Heavy« mit dem laufenden Genozid an der jesidischen Bevölkerung durch den Daesh ab August 2014 auseinander, insbesondere mit der strukturellen Vernichtung der Frauen. Durch ihre brachialen Sounds zwischen Noise, Ambient und experimenteller Elektronik vermittelt Rosaceae eine sinnliche Erfahrung da, wo die gesprochene Sprache
aufhört. Die Hausband des RambaZamba Theaters 21 Downbeat feat. Jens Friebe bringt hingegen mit »Der Ring« eine 60-minütige Pop-Interpretation von Richard Wagners monumentalem Opernzyklus auf die Bühne.

Q2: Wäre Kate Tempest eine Kandidatin für das Pop-Kultur? Oder gäbe es Bedingungen, die den Rahmen für einen Auftritt abgeben? (zum Hintergrund siehe hier)

Martin Hossbach: Jede Künstlerin, die gegenwärtig interessante und relevante
Kunst kreiert, ist für uns eine Kandidatin für Pop-Kultur.

Q3: Ein Festival durch Sponsoren oder durch Subventionen finanzieren – was ist jeweils der Vor- und Nachteil?

Martin Hossbach: In unserem Falle haben wir durch die Förderung die Möglichkeit, viele Experimente und Risiken einzugehen. Die »Pop-Kultur Commissioned Works«, ermöglicht durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), tragen ja unter anderem der Tatsache Geltung, dass es in der Popmusik abseits des Mainstreams an finanziellen Mitteln mangelt. Losgelöst von einer zwanghaften Verwertungslogik sollen die »Pop-Kultur Commissioned Works« einen freien, produktiven Rahmen für neue Ausdrucksweisen und Experimente kreieren.
Katja Lucker: Wir sind in der Situation, mit öffentlichen Geldern wertvolle Themen
fördern zu können und machen dabei Perspektiven sichtbar, die unserer Meinung nach auf vielfältige Weise immer noch nicht präsent genug sind.

Q4: Wenn das Festivalleben ein Wunschkonzert wäre, was wäre der eine Act, der auf Pop-Kultur spielen sollte und warum?

Christian Morin: Wenn ich mir etwas wünschen könnte, würde ich gerne eine
“Commissioned Work” mit PJ Harvey machen. Es gibt da dieses tolle Buch “The Hollow Of The Hand” mit Texten von ihr und Photos von Seamus Murphy. Vielleicht sagt ihr es ja jemand weiter?

Das Pop-Kultur-Festival findet vom 21.-23.8. statt.

Anzeige

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

https://blogs.taz.de/popblog/2019/08/19/vier-fragen-an-das-popkultur-festival/

aktuell auf taz.de

kommentare

  • PJ Harvey mit ihrer genialen Band ist für mich der aktuell beste zeitgenössische Musik-Act, insofern ein verständlicher Wunsch.

    Diese Live-Musik, irgendwie eine Mischung aus King Crimson, Lounge Lizards und Van der Graaf Generator, fesselt mich derzeit wie sonst nichts.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.