vonChristian Ihle 12.03.2020

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Der Tocotronic-Stammproduzent Moses Schneider zeichnet sich auch für die neuste EP der Neuköllnerin Marlène Colle hinter den Reglern verantwortlich, die hier ein erfreulich rundes Werk an Berliner Chansons vorlegt:

„Die Stadt ist alle, erschöpft und grau.
Komm reiss dich zusammen, Neukölln, du weißt doch ganz genau:
Es ist nur Februar & bald ist die Sonne da!“

…und das ist noch nicht mal der beste Track der sechs Lieder, in denen Marlène es erstaunlich oft gelingt, aus Berliner Befindlichkeiten eine Konkretheit in ihrer Poesie zu schaffen, die über diese Stadt hinausreicht, auch wenn vielleicht nicht jeder Code für einen Auswärtigen sofort dechiffrierbar sein mag. Schönstes Beispiel ist die am Berliner Edel-Restaurant aufgehängte Geschichte „Grill Royal“:

„So schade um deinen schönen Geist,
erhängt aus Angst vor Unvollkommenheit.
Am Strick aus Sehnsucht nach Geltung und Macht,
um dazuzugehören zur Crème dieser Stadt.

Du kommst hier nicht raus, Alter, du hast keine Wahl.
Auch nicht bei Hummer im Grill Royal.

Die teuersten Frauen hängen hier nackt an der Wand.
Eine Himbeertomate und ihre Scham in der Hand.
Den kleinen Rest Würde degradierst du mit Stil.
Das ist auch nicht schwer, da war nicht mehr viel.“

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