vonChristian Ihle 09.09.2020

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Dinner In America

„You are punk as fuck“ fällt nicht nur einmal in „Dinner in America“ und tatsächlich ist Adam Rehmeier eine für sein Leitthema angemessen unangepasste Version eines amerikanischen Indiefilms gelungen. Die erste halbe Stunde ist anstrengend, abstoßend und führt unsere beiden Protagonisten ohne Umschweife als Misfits der Gesellschaft ein: der pyromanische Punk on the run und die verschüchtert-christlich erzogene Zoohandlungsmitarbeiterin mit Punkfetisch.

Hat man aber erstmal die unangenehme erste halbe Stunde überstanden, entwickelt sich „Dinner In America“ zu einem erstaunlich warmherzigen Film über das Zusammenhalten an den Rändern der Gesellschaft und über die Ersatzfamilie unter Geistesgleichen, die mehr Stärke gibt als der saturierte Mainstream und die nukleare Familie, in die man reingeboren wurde.

„Dinner In America“ ist wild und manchmal süß, ist abstoßend und zuweilen zärtlich, hasst die Welt aber liebt manche Menschen in ihr.

Sputnik

Eine russische Weltraumexpedition landet Mitte der 80er wieder zurück im Sowjetreich – aber aus den zwei Besatzungsmitgliedern sind auf dem Weg drei geworden. Was zunächst wie die hundertste Auflage von Alien & Co klingt, entwickelt sich zu einem überraschend eigenständigen und originellem Film.

Ohne zu viel verraten zu wollen ist vor allem der Kniff, dass sich das Unbekannte hier weder ausschließlich als feindseliges Äußeres (Alien, Life) manifestiert noch das Gute über die Welt bringen möchte (Arrival, Close Encounters), faszinierend vage und angemessen ungreifbar.

„Sputnik“ findet fast ausschließlich in einem abgelegenen Sowjetforschungszentrum statt und kleidet seine DAU-ige Geschichte von Wahn und Wissenschaft in die braunsten Grundtöne seit „Chernobyl“. Auch wenn gegen Ende das Klischee doch wieder aufbegehrt, ist „Sputnik“ ein erfreulich guter Beitrag zum Alien-Kanon und auch auf Trickebene wie Creature-Design überzeugend.

Das Fantasy Film Fest ist heute in Berlin gestartet und noch in den folgenden Städten auf Tour:

Berlin
09.–13.09.

Frankfurt
09.–13.09.

Hamburg
16.–20.09.

Köln
23.–27.09.

München
16.–20.09.

Nürnberg
16.–20.09.

Stuttgart
23.–27.09.

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