vonChristian Ihle 04.11.2020

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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2001. Keine Band hat mein Leben mehr beeinflusst als die Strokes mit „Is This It“. Ich wäre weder der, der ich bin, noch wo ich lebe und wen ich kenne.

Es war natürlich unmöglich, diesen Impact zu wiederholen. Dennoch sind die Folgeplatten „Room On Fire“ und „First Impressions On Earth“ praktisch makellose Alben, die ich dem Alienkönig, der die Welt ob ihrer Nutzlosigkeit unterjochen will, immer noch entgegenhalten würde.

Aber ist bei all dem emotionalen Gepäck, das mir die Strokes aufgehalst haben, möglich, in diesem Jahr ein Zuhause zu finden in ihrem neuesten Album?
Sechs Jahre seit dem letzten Langspiel-Versuch und, ehrlich gesagt, 14 Jahre seit der letzten (damals auch nicht unumstrittenen) durchgängig richtig guten Platte (First Impressions On Earth)?

Nie hab ich mich älter gefühlt als bei der Idee, dass „Is This It“ praktisch zwanzig fucking Jahre her ist. Und trotzdem: „The New Abnormal“ ist das beste, was ich seit gut 15 Jahren von den Strokes gehört habe. Wie die vordere Hälfte als Reminiszenz und Weiterentwicklung des klassischen Strokes-Sounds genauso dringend funktioniert wie sie auf der kontemplativen Rückseite ihr Zuhause in Keyboardflächen sucht und findet.

Dazu, niemals vom Strokes-Sound subtrahierbar, Julian Casablancas: der loureedigste Lou-Reed-Epigone, dem es dennoch gelingt, anders zu sein als Onkel Lou: Ob durch zurückhaltende Aggressiviät (vordere Hälfte der Platte) oder sehnende Verlorenheit (zweite Hälfte).

„The New Abnormal“ hat nicht nur den besten, leider treffendsten Albumtitel des Jahres, sondern ist für mich auch eine der schönsten Platten, weil sie in einer Gleichzeitigkeit aus eigener Referenz, abstrakter 80ies Nostalgie und Verzweiflung über das Jetzt zu sich findet und damit die Strokes nach langen Jahren des Suchens wieder fühlbar macht.

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