vonChristian Ihle 08.03.2021

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Censor (Regie: Prano Bailey-Bond)

Eine Verneigung vor den Video Nasties der frühen 80er: eine britische Angestellte in der Film-Zensur-Behörde glaubt bei der Sichtung eines Horrorfilms zu entdecken, dass hier ihre eigene Geschichte um die bei einem gemeinsamen Ausflug im Wald verschwundene Schwester erzählt wird. Sie sucht die Macher des Films auf und landet letztendlich auf dem Set zum neuesten Horrorfilm…

Regiedebütantin Prano Bailey-Bond geht angenehmerweise nicht den einfachen Weg der 80ies Nostalgie der dank „Stranger Things“
& Co in den letzten Jahren erfolgreich ausgetrampelt wurde, sondern schlägt nach einem nüchternen, aber fesselnden Beginn eine surrealere Richtung ein. Damit ist sie Panos Cosmatos 80s-Riff „Mandy“ nicht unähnlich, aber ohne dessen psychedelische Schwere und expressionistschen Wahnsinn – was „Censor“ letztendlich auch leichtgewichtiger macht, aber nichtsdestotrotz zu einem überdurchschnittlich guten Horror-Film, der einen angenehmen Farbtupfer im Berlinale Programm abgibt.

(Berlinale Panorama)

Human Factors (Regie: Ronny Trocker)

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Gibt es eigentlich einen griffigen Namen für dieses Subgenre der Bourgeoisie-Sezierung unter dem Anstoss eines ungreifbaren äußeren Ereignisses? Wir reden also bei „Der menschliche Faktor“ von einem Verwandten von Hanekes „Caché“, Ruben Östlunds „Force Majeur“ oder Dominik Molls „Lemming“.

Im „Menschlichen Faktor“ ist es ein Einbruch ohne Diebstahl – der stattgefunden hat oder auch nicht – der die fein austarierte Ehe des Pärchens ins Wanken bringt, der sie ihr wohlsituiertes Leben zwischen Agentur, Eigentumswohnung und Familie hinterfragen lässt.

Dank überzeugender Performance von Sabine Timoteo und Mark Waschke (Noah aus „Dark“) bleibt dieser Blick in das Leben zweier Unsympathen mit First-World-Problems griffig genug, um gern bis zum Ende hinzuschauen.

Was genau mir „Der menschliche Faktor“ nun aber sagen will?

(Berlinale Panorama)

The Inheritance (Regie: Ephraim Asili)

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„The Inheritance“ zeigt diskursheavy die Bildung einer schwarzen sozialistischen Kommune in Philadelphia.

Wenig überraschend hat „The Inheritance“ einen erzieherischen Ansatz, findet aber durchaus auch Komik in den konsensbildenden Gruppenentscheidungen wie beispielsweise in der Frage, wo denn nun die Bibliothek (oder wie eine Aktivistin den Sprecher verbessert: der „Revolutionarys People Reading Room“) einziehen soll.

Erinnert an Godard Post-68, was auch mit der zentralen Platzierung eines „La Chinoise“ Plakats offen anerkannt wird.

(Berlinale Forum)

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