vonChristian Ihle 15.10.2021

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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„Titane“, Julia Ducournaus zweiter Film nach „Raw“ (der 2017 mein Film des Jahres war), ist ein wildes, kaltes, unberechenbares Biest.

Der erste Part des Films ist in seiner offensichtlichen Abgefucktheit der konventionellere Teil und bedient sich in einer der furiosesten Tötungssequenzen der jüngeren Filmgeschichte noch üblicher Versatzstücke (Pop! Witz! Krassheit!). In dieser Phase ist „Titane“ einigermaßen zugänglich, weil er sich als neongetränkte Revenge-Phantasie präsentiert, die noch an Filme von Refn & Co erinnert.

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Schwierig und wirklich *anders* wird „Titane“ aber eigentlich erst, als er nach dieser Mordspur das Kino unserer Post-Tarantino-Generation hinter sich lässt und von hieran nicht mehr zurückschaut. Die zweite Hälfte von „Titane“ ist ein kühler Exzess der Körperlichkeit, der Gendervernichtung und Grenzüberschreitung. „Titane“ atomisiert dabei en passant die Kernfamilie, definiert Zuneigung / Liebe neu und ist in seiner Konsequenz so weit draußen, dass mir als ähnliche Filmerlebnisse nur „Martyrs“ (Pascal Laugier) und „Enter The Void“ (Gaspar Noe) einfallen, aber auch diese nur hinsichtlich des Gefühls der Verstörung und des Willens zur Transgression, keinesfalls in einer Vergleichbarkeit der Filme an sich, weil „Titane“ wie diese beiden, nicht zufällig ebenfalls französischen Filme, ganz alleine steht.

Ducournau entwickelt mit „Titane“ ein anderes Kino, das im Finden seiner neuer Sprache auch nicht jeden Satz zu Ende formuliert, aber in der Wildheit seiner Bilder überwältigend ist und damit auch das Denken hinter sich lässt.

Ein wirklich transgressiver Film in jeder Hinsicht.

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