vonChristian Ihle 19.11.2021

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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In Isolation Berlin wohnten schon immer mehrere Bands. Dieser Aspekt tritt in ihrer dritten Langspielplatte noch deutlicher zutage: neben Songs, die auch auf ihrer frühen Punk-EP „Körper“ einen Platz gefunden hätten wie „Private Probleme“ oder der an Joy Divisions „Atmosphere“ erinnernden Titeltrack, sind etliche Lieder reduziert und akustisch instrumentiert.

„Geheimnis“ liegt eine kompliziertere Entstehungsgeschichte zugrunde, wie man im sehr guten „Disposition“-Podcast von Maurice Summen mit Isolation-Berlin-Sänger Tobias Bamborschke nachhören kann.

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Die ersten Durchgänge sind folglich nicht so „zugänglich“ wie die Vorgängerplatten, die Songs manchmal anstrengend („Geheimnis“), manchmal fast in sich selbst verschwindend („Enfant Perdu“). Aber tieferes Einhören lohnt, denn erstens sind die Texte von Tobias Bamborschke noch besser geworden und reichen über die bereits von ihm gemeisterten Felder Thekenphilosophie und Depressionsselbstanalyse hinaus, so dass „Geheimnis“ die wahrscheinlich besten deutschsprachigen Lyrics des Jahres hat und zweitens sind gerade die hingehauchten Stücke wie der Albumcloser „Enfant Perdu“ so unerwartet wie sie stark sind.

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Der versöhnlichste Hit nach all den privaten Problemen und Momenten des Scheiterns ist „Ich hasse Fußballspielen“, das den Horror des Schulsports erfolgreich zurück ins Gedächtnis ruft und dessen Text nicht nur geschickt Männlichkeitsfragen und Adoleszenzprobleme („Mama hat gesagt: „Junge, sei stark / Sonst hast du von Anfang an verloren“ / Papa hat gemeint, ein Junge, der weint / Der wird sofort zum Opfer auserkoren“) thematisiert, sondern auch ein gutes Beispiel für die smarten Lyricwendungen auf dieser Platte ist, endet der Refrain doch auf dieser Note:

„Ich wünschte, alle wären tot /
Oder wenigstens ein bisschen netter“.

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„Geheimnis“ ist auch in einer Limited Edition erschienen. Tollerweise ist hier nicht nur das Vinyl andersfarbig, sondern tatsächlich ein spannender Zusatz dabei, nämlich eine zweite Platte „Live in Ho Chi Minh City“: das erste Live-Album der Band.

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