vonChristian Ihle 15.03.2022

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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11. Surrealistic Pillow von Jefferson Airplane

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„Surrealistic Pillow“ von Jefferson Airplane sortiert man musikhistorisch wohl unter Folk-Rock und doch könnte ihr Album nicht weiter entfernt sein von den Genre-Begründern der Byrds. Keine Jingle-Jangle-Gitarren und keine vielstimmigen Dylan-Imitationen. Jefferson Airplane erschaffen dagegen einen seltsameren Hybrid aus Garagen-Rock der psychedelischen Färbung mit Wurzeln in einem Folk, der mehr britisch-weirden, leicht mittelalterlichen Art, also eben gerade nicht den Singer-Songwriter-Protest-Song aus der Guthrie/Seeger/Dylan-Erblinie.

Perfekt repräsentiert sind die beiden Ansätze auch in den Singles des Albums: „Somebody To Love“ ist ein unzerstörbarer Psych-Rock-Stampfer, der mich auch heute noch mitreisst. „White Rabbit“ dagegen könnte auch von Nico in ihrer seltsamsten Phase stammen und zelebriert seine „Alice im Wunderland“-Lyrics wie eine Seance bedrogter Hippies auf einem Feld in England. Zur Wahrheit gehört allerdings auch dass „Surrealistic Pillow“ jenseits dieser beiden großen Singles (beide übrigens Top 5 Songs in den USA) etwas beliebig wirkt. Ausgenommen der Schlußtrack „Plastic Fantastic Lover“, den ich als Kind – mal wieder – über die Serie „Moonlighting“ kennengelernt hatte.

12. Are You Experienced von The Jimi Hendrix Experience

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Volles Verständnis, dass Jimi Hendrix in Gitarristenkreisen als Revolutionär gilt. Nicht nur seine Gitarrenarbeit selbst, sondern wie er die Gitarre als eigentliche Leadstimme mindestens gleichberechtigt zu seinen eigenen Vocals einsetzt, ist beeindruckend und für die Entwicklung von Psych- wie Hardrock nicht wegzudenken. Für mich persönlich mäandern die Lieder dann doch etwas zu sehr und zumindest die Original-Veröffentlichung in Großbritannien leidet schon darunter, dass weder „Purple Haze“ noch „The Wind Screams Mary“ oder „Hey Joe“ Bestandteil des Albums waren.

13. Ich Wollte Wie Orpheus Singen von Reinhard Mey

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Im Gegensatz zu späteren Alben sind auf „Ich wollte wie Orpheus singen“ gut die Hälfte der Lieder nicht von Reinhard Mey selbst geschrieben (mit „Begegnung“ steuert auch sein ewiger Partner in Crime Hannes Wader ein Lied bei). Das ist im Rückblick schade, denn Meys Eigenkompisitionen sind ohne Zweifel die Stärke dieses Albums und es finden sich auf „Ich wollte wie Orpheus singen“ neben dem Titelsong noch eine ganze Reihe von Liedern, die zum Besten gehören, was der deutsche Chansonnier in seiner langen, langen Karriere eingesungen hat.

Trotz der politisch sturmumwehten Zeit ist Meys Stärke das melancholische Liebeslied, was – wie er in Jan Müllers Reflektor-Podcast kürzlich erzählte – durchaus zu Grabenkämpfen in der Singer/Songwriter-Szene führte. Aber Degenhardt hin, Wader her: „Fast ein Liebeslied“, „Das alles war ich ohne dich“ und vor allem „Für mein Mädchen“ gehören zum berührendsten, was die deutsche Folkszene in den 60ern hervorgebracht hat.

14. Their Satanic Majesties Request von The Rolling Stones

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Sicher das gewagtere und außergewöhnlichere der beiden 67er-Alben der Rolling Stones, aber auch das verwirrtere und weniger konzise im Vergleich zu „Between The Buttons“. In ihrem ganz offensichtlich von der Psych-Rock-Welle (13th Floor Elevators bis Love) beeinflußten Werk treffen die Rolling Stones nicht immer so gelungen den sweet spot wie im fantastischen „She’s A Rainbow“, das dafür aber sicher zu ihren besten, ‚weniger bekannten‘ Liedern gehört. Gegenargument ist der „Rainbow“ direkt voran gehende achteinhalb minütige Jam „Sing This All Together (See What Happens)“… Spoiler: nichts gutes.

15. Winds Of Change von Eric Burdon & The Animals

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Nachdem sich die Beatband The Animals zerstritten hatte, machte Bandleader Eric Burdon 1967 unter dem Namen „Eric Burdon & The Animals“ mit neuer Besetzung weiter. Er entwickelte die Band in diesem Zug weg vom klassischen Garage-Beat hin zu einer raumgreifenderen psychedelischen Hippie-Band mit utopistischen Texten, wie beispielsweise in „San Franciscan Nights“:

„those of you who are European residents, save up all your bread and fly trans love Airways to San Francisco U.S.A.
Then maybe you’ll understand the song, it will be worth it, if not for the sake of this song, but for the sake of your own peace of mind“.

Eric Burdon veröffentlichte gleich drei monsterstarke Songs in 1967: das angesprochene, sicherlich von der Neo-Psych-Band Foxygen mehr als einmal gehörte „San Franciscan Nights“ mit dem irre guten, eher an die alten Animals-Zeiten erinnernden „Good Times“ auf der Flip-Side sowie „Monterey“, eine Hymne auf das Hippietum, die Kraft der Musik und das Rockfestival von Monterey, das letztlich auf dem 1968er Album „The Twain Shall Meet“ enthalten sein sollte.

Auf der 67er Platte „Winds Of Change“ (keine Verwandtschaft nach Hannover!) wirken allerdings die beiden Hits fast wie Fremdkörper, taucht Burdon mit seinen neuen Bandtierchen hier doch tief in eine psychedelische Schwurbelei ein und vergisst darüber zuweilen den Song. Ein durchaus interessantes Cover von „Paint It Black“ ist allerdings auf „Winds Of Change“ auch noch zu finden und das percussionheftige „Man – Woman“ könnte man durchaus gut nach einem Gil Scott-Heron-Song wie „The Revolution Will Not Be Televised“ auflegen.

16. The Piper At The Gates Of Dawn von Pink Floyd

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Das Debütalbum von Pink Floyd – und ihr einziges unter Syd Barrett – ist eine der kompromisslosesten Platten des Jahres. Pink Floyd servieren hier eine sehr britische Psychedelica-Version zum Tee, die sich vom Garage-Psych der amerikanischen Gegenparts wie den 13th Floor Elevators fundamental unterscheidet und eine eigene Sprache findet, die mehr „Alice im Wunderland schaut ins Weltall“ sagt als „LSD-Blumenkranz“.

Dass „Piper At The Gates Of Dawn“ auch noch – zumindest in Großbritannien – kommerziell erfolgreich war, lässt mich verblüfft zurück. Mehr noch, weil die beiden Single-Hits (die selbst auch schon eine ordentliche Weirdness-Dose geschnüffelt hatten) „See Emily Play“ und „Arnold Layne“ nicht mal auf dem Album enthalten waren.

Gut eineinhalb Jahrzehnte später wird Dan Treacy von den Television Personalities sein „I Know Where Syd Barrett Lives“ über den Pink-Floyd-Gründer schreiben und diese Verbeugung wundert wirklich nicht, sind doch beides Lost Boys im Reich der Psychedelica (und Psychopharmaka). Es lässt sich mehr von Dans Songwriting auf Barrett zurückführen als ich vor diesem Retrospektiven-Projekt gedacht hätte.

17. The Doors von The Doors

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Im großen und ganzen bin ich ja bei der schönen Schmähkritik aus dem NME von 2011: „Jim Morrison was nothing more than a self-serving, deluded rock star whose musical talent and embarassing sixth-form poetry was grossly over-rated. (…) Neither his songs nor poetry have stood the test of time. As a vocalist he was merely offering style, no substance. Listened to today, The Doors‘ brand of psychedelic-infused cock rock sounds horribly dated. (…) The Doors sounded like classic rock fodder even when they were brand new. (…) Morrison was an over-rated tool, fraud and charlatan, and his body of work is mediocre at best, completely irrelevant and hopelessly dated at worst. Not only that but we have to thank him for every boho shirtless twat in sweaty leather pants trying to be all dark and brooding and sexy and shit and that is not OK. (…) If he hadn’t died at a young age, his death would never have been romanticised to the extent it was – and popular culture would have been all the better for it.“

Allerdings muss auch ich zugeben, dass „Break On Through“ und die Single-Version von „Light My Fire“ natürlich Hits waren und das Debüt als Ganzes auch nicht so viel Quatsch produziert wie beispielsweise „Their Satanic Majesties Request“ der Rolling Stones. Der Ruf der Doors ist trotzdem besser als er sein sollte. Das Orgel-Gedudel in den langen Songs hilft auch nicht, was schön am Unterschied der Single- (schön knackige 2:57) und der Albumversion (unnötig lange 7:10) von „Light My Fire“ zu sehen ist. „Light My Fire“ ist halt weder „Heroin“ noch „Sister Ray“ und Jim Morrisson gleich drei mal nicht Lou Reed.

18. Small Faces von Small Faces

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Nicht mehr ganz so rowdy wie noch im Jahr zuvor ist das selbstbetitelte zweite Album der Small Faces ein rundes Pub-R&B-Werk, das ein wenig daran leidet, dass keine der 67er-Singles einen Platz auf dem Album gefunden hat: weder „Itchycoo Park“ noch „Here Comes The Nice“ sind auf der Platte enthalten, die demzufolge ohne richtige Höhepunkte ist, aber als gesamtes Werk durchaus überzeugen kann.

1967:
* Die besten Alben: #1 – #5
* Die besten Alben: #6 – #10

* Die besten Songs: #1 – #20
* Die besten Songs: #21 – #50
* Die besten Songs: #51 – #100

Die bisherigen Jahre:
* Die besten Alben: #6 – #10
* 1966: Alle alles – beste Filme, beste Alben, beste Songs
* 1965: Alle alles – beste Filme, beste Alben, beste Songs

Im Rahmen einer groß angelegten Retrospektive, die auf eine Idee meines Freundes Lassie zurückgeht und in einem der letzten Podcasts mit Horst Motor zur Umsetzung gebracht wurde, blicken wir gemeinsam auf ein Jahr zurück und nominieren die besten Songs, Alben und Filme. Wer die Rankings der beiden ebenfalls lesen will und zudem die schöner aufbereiteten Listings finden will, kann sich hier auf motorhorst.de direkt vergnügen.

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https://blogs.taz.de/popblog/2022/03/15/1967-die-besten-alben-des-jahres-11-18/

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kommentare

  • „2000 Light Years From Home“ ist auch für mich einer der Höhepunkte von MAJESTIES.
    „Gute Nacht Freunde“ von Reinhard Mey wird sich mit Sicherheit in der Liste für das spätere Jahr auch wiederfinden!

  • Danke für diese interessant kuratierte Liste.
    Einige spontane Assoziationen: Reinhard Mey in einem solchen Kontext zu würdigen, finde ich gut. Sein „GUTE NACHT FREUNDE“ ist „unser Lied“ von meiner Frau und mir.
    Mein Lieblingssong auf MAJESTIES und einer meiner Stones-Favourites ist „2000 LIGHTYEARS FROM HOME“, auf die Gefahr hin, dass dies zu dem von euch postulierten „Quatsch“ gehört.
    The Doors werden hier, finde ich, etwas zu herb beurteilt, sie haben schon ihre Qualität und lange Versionen von Songs haben schon ihren psychedelischen Wert. Auf die Idee, „LIGHT MY FIRE“ mit „HEROIN“ oder „SISTER RAY“ zu vergleichen, wäre ich nicht gekommen, ebenso Jim Morrison mit Lou Reed, das sind doch, denke ich, verschiedene kybernetische Regelkreise.

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