vonSigrid Deitelhoff 27.04.2020

Prinzenbad-Blog

Freibad-Wetter, gefühlte Wassertemperatur, Gespräche und Gedanken unter der Dusche – der Blog über Deutschlands berühmteste Badeanstalt.

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Liebe PrinzenbadlerInnen,
vor ein paar Tagen schickte mir Matze ein paar aktuelle Fotos aus dem Prinzenbad mit dem Hinweis, dass es wohl erst einmal weh tun würde, das schöne Prinzenbad zu sehen, ohne dort zur Zeit aufgrund der Coronakrise schwimmen zu dürfen.

Wohl wahr!

Ob und wann die Freibäder in Berlin geöffnet werden, ist noch unklar. Bisher müssen sie noch geschlossen bleiben. Ob das im Sommer so weitergeht? Die Bäderbetriebe tüfteln an Lösungen, war in den Agenturen zu lesen. Und weiter heißt es da bei dpa/bb:

„Berlins Freibäder sind startklar – aber wegen der Corona-Pandemie darf niemand rein. ‚Entscheidend ist, wie Mitte Mai die Rechtsverordnung aussieht‘, sagte Sprecher Matthias Oloew, Sprecher der Berliner Bäder-Betriebe. Das Unternehmen bereite bis dahin mehrere Szenarien als Vorschlag vor. Hauptidee sei ein eingeschränkter Betrieb in Hallen- und Freibädern, ergänzte Oloew. Denn es werde immer unwahrscheinlicher, dass die Bäder später wie üblich an den Start gehen könnten.

Wäre die Welt noch in Ordnung, lägen Wasserfreunde bereits seit Karfreitag im Strandbad Wannsee in der Sonne. An diesem Wochenende hätten die ersten beheizten Sommerbäder in der Hauptstadt nachgezogen. An ihnen liegt es nicht, dass das neue Coronavirus zum Problem wird. ‚Das Wasser ist chloriert, das tötet Viren ab‘, sagt Oloew. Es geht wie überall um die Abstandsgebote zur Eindämmung der Pandemie. ‚In ein Freibad strömen pro Tag mehr als 1000 Menschen.‘ Zu viele.

Wenn es um Konzepte geht, spielen die Zahl und die Nähe der Badegäste zueinander die größte Rolle. Warteschlangen sollen vermieden werden. Online-Tickets mit Zeitfenstern wären eine Idee. ‚Viele Gäste möchten aber den ganzen Tag im Freibad bleiben´, berichtet der Sprecher. Die Suche nach Lösungen laufe. Auch für die Toilettenanlagen und die neuen Auflagen dafür. Die Bäder den ganzen Sommer über geschlossen zu halten, hält Oloew für eine weniger gute Idee – nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen. Denn dann strömten die Wasserhungrigen wahrscheinlich an die Badeseen.

Noch gibt es dort keine Verbote. Aber bei einem Massenansturm in einem heißen Sommer? Er bezweifele, dass die Polizei Schwimmer dann aus den Seen ziehen wolle wie bis 1906, sagte Oloew. Bis dahin sei das Baden an Gewässern in Preußen verboten gewesen. Planschen war nur in Flussbädern erlaubt, die mit Holzverschlägen blickdicht abgeriegelt waren. Denn kein Passant sollte, der Prüderie dieser Zeit geschuldet, weniger bekleidete Menschen im Wasser sehen. (…)

Vorbereitet sind alle Freibäder auf eine Öffnung: Die üblichen Winterreparaturen seien erledigt, das Wasser ausgetauscht. ‚Das ist kein verschwendetes Geld‘, sagt Oloew. Was jetzt nicht erledigt werde, schlage sonst im nächsten Jahr doppelt zu Buche. Nur auf das Beheizen werde verzichtet, so lange niemand kommen dürfe.

Was aber fehlt, sind die Eintrittsgelder. Im Rekordjahr 2018 machte der Umsatz bei allen Berliner Bädern und ihren Angeboten rund 23 Millionen Euro aus – bei rund 6,7 Millionen Besuchen. Allein die Freibad-Saison spült in guten Jahren bis zu vier Millionen Euro in die Kasse. Der Januar und Februar 2020 seien in den Hallenbädern mit zehn Prozent Zuwachs gut gelaufen, sagte Oloew. Doch seit Mitte März herrscht Ebbe.

Ob die Bäder – wenn auch mit Einschränkungen – aufmachen können, ist eine politische Entscheidung. Doch sie hängt auch davon ab, wie sich die Berliner nach der Lockerung der ersten Schutzmaßnahmen verhalten und wie sich die Infektionskurve entwickelt. Die Freibäder ließen sich theoretisch technisch innerhalb weniger Tage öffnen. Der Zeitverzug komme durch das Beheizen, sagt Oloew. ‚Das würde sonst ein bisschen frostig.‘ „

 

Liebe MitschwimmerInnen, jammern allein hilft nicht. Vielleicht hat der eine oder die andere auch noch Lösungsvorschläge, damit der Sommer 2020 nicht zu einer NichtschwimmerInnen-Saison wird?

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Foto oben: ©Mathias (Matze) Kutscha
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https://blogs.taz.de/prinzenbad/2020/04/27/saisonstart-ohne-freibaeder/

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kommentare

  • Gerade meldet dpa, dass in Niedersachsen Freibäder vom 25. Mai an unter Auflagen öffnen dürfen.
    Schwimmbäder (hier sind wahrscheinlich Hallenbäder gemeint) sollen in der noch nicht terminierten vierten Stufe, die frühestens Mitte Juni greift, mit Einschränkungen öffnen können.

  • Ich halte es für ausgeschlossen, dass dieses Jahr irgendein Berliner Freibad öffnen kann. Das ist jetzt leider der Preis für die Versäumnisse der deutschen Politik im Februar. Um die Epidemie auszutreten, ist es essentiell, dass es so wenig Begegnungen von Menschen wie möglich gibt, also natürlich auch nicht beim überholen oder begegnen am Beckenrand beim „Bahnenschimmen“ oder in den Umkleidebereichen.
    Ich erinnere auch an die Hinweise des RKI, die einen Freibadbesuch sicher nicht tolerieren:

    03.03.2020: Aktivitäten außerhalb der Wohnung auf Versorgungsgänge beschränken.
    21.04.2020: Bleiben Sie zuhause, wann immer möglich.

    Weitere gute Hinweise gibt endcoronavirus.org , „even small leaks can sink the ship“.

  • Liebe Prinzenbad-Gemeinde, wenn der Anblick des geschlossenes Bades nicht zu herzzerreissend wäre, würde ich zu einer täglichen Kurzdemo für die Öffnung um 7 Uhr morgens aufrufen. Dank an Sigrid, dass sie den Blog trotzdem als Forum und Infoquelle wieder gestartet hat, denn von bbb kommt ja relativ wenig. Wer sich informieren will, sollte auf swim.de gehen. Dort wird man auf dem neuesten Stand gehalten, was die bundesweite Diskussion zum Thema betrifft. Der Pandemieplan der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen z.B. liest sich sehr durchdacht und scheint mir auch praktikabel. Auch zu den geplanten Auflagen der Wiener Stadtverwaltung gibt es seit gestern einen kurzen Artikel. Lohnenswert ist natürlich auch der Schwimmblog von Bianca Tchinda (schwimm-blog-berlin.de). Dort wurde sich schon vor Wochen Gedanken über Schwimmen während der Pandemie gemacht.
    Vorerst heißt es also Freiwasser-Schwimmen (ich habe letzte Woche einen ersten Härtetest im Groß-Glienicker See nach ein paar Minuten abgebrochen). Man darf ja momentan nicht mal Fahrgemeinschaften ans Wasser organisieren. Hoffen wir also das Beste, nämlich das wir uns so bald wie möglich wieder am Beckenrand treffen. Und liebe Grüße an Daggi und Matze. Haltet durch!

  • Österreich ist ja Vorreiter bei den Corona Lockerungen gewesen , wäre gut , wenn unsere Regierung sich den Lockerungen anschließt ,ab Mai sind dort Hotelübernachtungen wieder möglich ebenso Restaurants ab Ende Mai wieder geöffnet.
    Das sollte doch auch in Deutschland möglich sein .
    Und Wenn in öffentlichen Einrichtungen die Hygiene verbessert wird im Rahmen der corona pandamie ist allen geholfen .
    Jetzt muss nur noch Herrn Geisel gesteckt werden , das Österreich in vier Wochen wieder beschwimmbar ist

  • In Österreich dürfen unter strengen Auflagen die Freibäder ab dem 29. Mai wieder öffnen. Wie die strengen Auflagen aussehen…? Darüber habe ich bisher nix gelesen. Das wäre mal interessant….

  • Den Betrieb könnte man bis auf weiteres wenigstens nur für Sportschwimmer anbieten – in 1 oder 2 Becken. Bahnenschwimmer wären eine überschaubare und disziplinierte Klientel. Abstand halten kann ggf. durch das Personal durch Ansprache gewährleistet werden.

    Grundsätzlich keine Liegeflächen vorsehen. Das wäre m.E. nicht zu handeln.

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