vonmaggie 21.07.2026

Widerhaken

Literaturkritiken. Oder: ein Versuch, nicht den Kopf zu verlieren, zwischen all den Worten die so herumirren in unserer wundervollen Welt.

Mehr über diesen Blog

Inhalt

Der junge Amerikaner Sam Willoughby ist in Japan um für das Handelsunternehmen seines Vaters zu arbeiten. Als er am Rand von Hiroshima unterwegs ist, wird er von einer freundlichen japanischen Familie als Gast aufgenommen. Die Herrin des Hauses ist Yuka-san; sie ist mit dem Automechaniker Fumio verheiratet. Außerdem leben ihre Schwester Ohatsu und ihre Kinder Michiko und Tadeo mit ihnen. Sam ist ein aufgeschlossener Zeitgenosse und neugierig auf die japanischen Gewohnheiten. Auch wenn er ab und zu in Fettnäpfchen tritt haben ihn die Bewohner des Hauses gern – mit Ausnahme von Ohatsu, welche die Westlichen insgesamt nicht leiden kann. Doch je mehr Sam am Familienleben und dem Alltag der Familie teilnimmt, desto nervöser wird seine Gastgeberin Yuka-san. Sie ist auf sein Geld angewiesen und hat Angst ihn zu verschrecken, sollte er die volle Wahrheit über die Familie erfahren. Sie selbst, ihre Schwester und ihr Mann sind Hibakusha – Überlebende der Atombomben von Hiroshima und Nagasaki. Sie sind Ausgestoßene der Gesellschaft und leiden tagtäglich unter ihren physischen und psychischen Wunden. Sam erlebt hautnah den Tod, den die Bombe fordert, auch Jahre später.

Über die Autorin

Edita Toll wurde 1902 in Schweden geboren. Sie wuchs auf dem Land und in Stockholm auf, lebte nach der Trennung ihrer Eltern bei ihrer Großmutter. 1925 heiratete sie den amerikanischen Journalisten Ira Morris, dessen Vater als diplomatischer Gesandter in Stockholm war. Das Ehepaar Morris reiste viel; 1925 wurde auch ihr Sohn Ivan geboren. Morris schriftstellerische Karriere begann mit Kurzgeschichten, 1943 veröffentlichte sie ihren ersten Roman „My darling from the Lions“ (bisher nicht ins Deutsche übersetzt). Die Blumen von Hiroshima (1959) ist ihr bekanntestes Werk, es wurde in mehr als 39 Sprachen übersetzt und erhielt den Albert Schweitzer Preis. Es ist teilweise inspiriert von ihrem Sohn Ivan, der als Soldat während des Zweiten Weltkrieges als einer der ersten Menschen Hiroshima nach der Detonation betrat. Edita Morris und ihr Mann waren öffentliche Gegner der atomaren Aufrüstung, auch während des Kalten Krieges. Sie finanzierten unter anderem das „Haus der Ruhe“ als soziale Einrichtung für Überlebende in Hiroshima.

Generationenübergreifende Auswirkungen der Atombomben von Hiroshima und Nagasaki

Die Atombombe von Hiroshima tötete ungefähr 70.000 Menschen direkt durch die Detonation und insgesamt 140.000 bis Ende 1945. Die Menschen starben in den Tagen darauf durch Verletzungen, Verbrennungen oder durch akute Strahlenkrankheit. Unter den Opfern waren nicht nur Einwohnerinnen und Einwohner Hiroshimas. Auch Menschen, die nach der Explosion zur Suche nach Angehörigen oder für Rettungs- und Hilfsarbeiten in die Stadt kamen, erkrankten teilweise infolge der verbliebenen Strahlung.

Die gesundheitlichen Folgen reichten weit über das Jahr 1945 hinaus. Es gibt eine erhöhte Rate für verschiedene Krebserkrankungen, abhängig von Dosis und Dauer der Strahlung. ICAN berichtet außerdem von erhöhten Fehlgeburts- und Säuglingssterblichkeitsraten. Durch die Bombe wurden in kurzer Zeit ganze Familien wurden ausgelöscht, Kinder zu Waisen. Doch der Einsatz der Atombombe fordert jahrelang Opfer in der Bevölkerung und Erbgut, welches durch die radioaktive Strahlung beschädigt wurde, kann über Generationen weitergegeben werden. Strahlung kann auch über die Umwelt teilweise noch über viele Generationen aufgenommen werden.

Überlebenden der Atombomben, die Hibakusha, sind oft Aktivisten gegen nukleare Aufrüstung. Sie erheben die Stimme für all diejenigen, die nicht so viel Glück hatten wie sie. Doch auch die Hibakusha und ihre Familien leiden tagtäglich unter den Folgen der Bombe. Sie leiden oft an verschiedensten Krankheiten, die durch radioaktive Strahlung hervorgerufen oder begünstigt werden und sterben oft daran. Atombomben verursachen auch lange ihrem Einsatz weiter Leid, und nehmen den Überlebenden nach und nach ihre Gesundheit und ihre Stimme.

Deswegen ist es notwendig, dass auch Menschen, die nicht unmittelbar unter den Folgen von Einsatz von Atombomben, nuklearen Tests o. Ä. gelitten haben, sich gegen diese und für atomare Abrüstung einsetzen. Es ist ein Thema, dass jeden einzelnen betrifft; ein Krieg mit nuklearen Waffen würde alle Teile der Welt betreffen. Schaut man sich die Ausgaben für Atomwaffen der nuklear bewaffneten Staaten an, ist es ein Risiko, dass man im Auge behalten sollte. Einen guten Überblick bietet „The Cornerstone Report (2025)“ der International Campaign to Abolish Nuclear Weapons (ICAN). Er dokumentiert, wie Atomwaffenstaaten die Abrüstungsverpflichtungen des Atomwaffensperrvertrags systematisch unterlaufen und stattdessen ihre Waffenarsenale modernisieren. Auch wenn Proteste gegen Atomwaffen immer ein wenig wie aus den 80ern wirken – das Thema ist leider hochaktuell.


ISBN: nur noch als gebrauchtes Buch / im Antiquariat erhältlich

Anzeige

Dir hat der Beitrag gefallen? Teile ihn über Social Media. Du möchtest etwas dazu sagen? Weiter unten gelangst du zu den Kommentaren.

https://blogs.taz.de/widerhaken/die-blumen-von-hiroshima/

aktuell auf taz.de

kommentare

Schreibe einen Kommentar