Inhalt
„Ein Zimmer für sich allein“ ist eher eine Abhandlung als ein Roman mit einer Geschichte. Virginia Woolf erklärt in dem Buch, dass es ökonomische Unabhängigkeit brauche, um den Kopf der Bildung und der Kunst widmen zu können. Doch ihre Ideen und ihren Gedankenprozess zu diesem Thema bettet Woolf in eine Szenerie ein, bei der wir mit einer fiktiven Person unterwegs sind, uns mit Bekannten treffen, lesen und recherchieren. Die Ideen werden sorgfältig und bedacht entfaltet – ganz so, als würde man selbst auf den Gedanken kommen.
Zur Autorin
Virginia Stephen wurde 1882 in London in eine wohlhabende Familie der damaligen intellektuellen Schicht geboren. Sie besuchte keine Schule erhielt aber Privatunterricht und äußerte früh den Wunsch, Schriftstellerin zu werden. 1905 zog Virginia mit Geschwistern in den Stadtteil Bloomsbury um und gründete die Bloomsburys Group, einen Kreis aus Intellektuellen Londons, indem sie eine von anfangs nur drei Frauen war. 1913 gründete sie – inzwischen zusammen mit ihrem Ehemann Leonard Woolf – den Verlag „The Hogarth Press“. Ihre Bücher wie „Mrs. Dalloway“ oder „Orlando“ wurde zu Bestsellern weit über Großbritannien hinaus. Seit ihrer Kindheit wurde Virginia immer wieder von Episoden schwerster psychischer Belastung heimgesucht. Infolge des Stresses um den Abschluss ihres letzten Romans und um den aufflammenden Zweiten Weltkrieg nahm sie sich 1941 das Leben.
Hintergrund
„Ein Zimmer für sich allein“ wurde während der ersten feministischen Bewegung von ca. 1920 bis 1940 zum intellektuellen Rückhalt für Frauen, die sich in „untypischen“ Berufen befanden, selbst Autorinnen waren oder ganz allgemein besseren Zugang zu Bildung für Frauen forderten. In der zweiten feministischen Bewegung von 1960 bis 1980 wurde das Buch „wiederentdeckt“ und diente unter andrem Simone Beauvoir als Inspiration.
Virginia Woolf spricht in ihrem Werk zentrale Ideen an, die auch über Gesellschaftssysteme und Jahrzehnte hinweg Bestand haben.
Dabei dreht sich das Werk in erster Linie um die ökonomische und physische Unabhängigkeit der Frau und erklärt, dass künstlerische und intellektuelle Entfaltung nur in einem Rahmen stattfinden kann, in dem diese Freiheit gegeben ist. Historisch ist dieser Freiheit nie gegeben gewesen, weswegen Frauen vor schier unüberwindbaren Hürden stehen, wenn sie in den Gleichen Sphären agieren wollen, wie Männer. Woolf beleuchtet auch, dass im Großteil der bisher damaligen Literatur, nur Männer über Frauen schrieben und sie zumeist auch nur in der Beziehung zu Männern überhaupt wahrgenommen haben:
„Ja, wenn die Frauen nur in der von Männern geschriebenen Literatur existierten, würde man sie für Persönlichkeiten von größter Bedeutung halten: sehr verschiedenartig, heldenhaft und hinterhältig, strahlend und elend, unendlich schön und grässlich bis zum Äußersten, ebenso bedeutend wie Männer, manche meinen, sogar noch bedeutender. Aber das sind die Frauen in der Literatur. In Wirklichkeit wurden sie […] im Zimmer eingesperrt, geschlagen und misshandelt.“
Woolfs Essay besticht nicht nur durch die Inhalte, es ist auch ihre klare, aber lebendige Sprache, die den Leser in den Bann zieht und über mehrere Generationen die Emanzipationsbewegungen geprägt hat. Auch in der heutigen Welt sind die Themen des Buches noch immer aktuell – gemeinsam mit vielen anderen und neuen Problemen, vor denen Frauen heutzutage stehen.
ISBN: 978-3-7306-0853-1
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